Lückenschluss der Isartour – Von Geretsried nach Bad Tölz

In der Pupplinger Au war ich ja schon und von Tölz bin ich auch nach Lenggries in den Isarwinkel gelaufen. Den Start von München, das Stück nach Schäftlarn und weiter nach Wolfratshausen als Teil der Isartour habe ich auch bereits hier vorgestellt. Da fragt Ihr Euch bestimmt, wo ist das Stück dazwischen? Ich kann nur sagen, gut aufgepasst! Es fehlte bisher das Stück von Wolfratshausen bis Bad Tölz. Aber das ist auch das längste Stück und schwierig mit den Öffentlichen erreichbar. Deswegen habe ich es bisher nicht gemacht.

Mit dieser Route gibt es jetzt zum ersten Mal auch ein kleines Inhaltsverzeichnis (ich freue mich, wenn es hilft):

Inhalt

Routenüberblick

Aber jetzt ist es soweit und Ihr könnt euch auf eine 21 Kilometer lange Wanderung durch ein sehr schönes – und teilweise geschütztes – Gebiet freuen. Für die Tour solltet Ihr schon an die fünf, besser sechs Stunden einplanen. Bei der Tour zum Isarspitz bin ich damals am Loisach Kanal geendet. Diesmal geht’s es ein Stückchen dahinter los. Nicht direkt am Loisach Kanal, sondern schon bei Geretsried. Das kurze Stückchen von Waldram nach Geretsried sah auf der Karte nicht so interessant aus, also habe ich es mir gespart. Das macht aber gar nichts, wir haben genug schöne Landschaft auf dem Ausflug. Insofern verpasst man nichts. Hin kommt man mit der S – Bahn bis Wolfratshausen, die ja jetzt nach dem großen Unfall wieder fährt. Weiter mit dem Bus nach Geretsried und von dort auf vielen kleinen und verschlungenen Pfaden nach Bad Tölz. Von dort bringt einen die BOB dann wieder zurück in die Stadt. Hier noch einmal die Kurzinfos:

Isartour Geretsried nach Bad Tölz (Download Route)

Geretsried Rübezahlstraße
Bad Tölz
S-Bahn&Bus / Regionalbahn
20,88 km
5,5 Stunden

und die Karte:


Start ins Waldparadies

Von der Haltestelle „Schulzentrum“ geht es los und über kleine Sträßchen auf den Fahrradweg Richtung Bad Tölz. Wir wollen aber natürlich nicht am Fahrradweg entlang laufen, sondern an der Isar. Deswegen biegen wir relativ schnell, nach ungefähr zwei-dreihundert Metern auf dem Fahrradweg, links auf einen ganz kleinen Trampelpfad. Dieser bringt uns dann auf einem etwas länger gezogene Stück direkt an die Isar. Der Blick dort belohnt gleich für die etwas komplizierte Anfahrt.

Die Isar bei Geretsried
Ein Träumchen von Ausblick

Ich war am Wochenende da und trotzdem ist fast niemand unterwegs. Ein paar Radfahrer sind unterwegs, aber die halten sich meistens an den Fernradweg. So ist es ideal, um hier zu entspannen und innezuhalten. Sobald wir die Isar erreicht haben, können wir dem Flusslauf folgen und auf dem kleinen Trampelpfad Richtung Südosten wandern. Es gibt immer wieder Abschnitte, wo man so bisschen durch schilfigere Gegend läuft, ab und zu sieht es auch ein bisschen wie eine Heidelandschaft aus. Die Isar zur Linken schillert smaragd-grün, streckenweise auch wirklich azurblau. Das Lichtspiel macht gute Laune und die Ruhe tut ebenfalls gut. Ein wirklich tolles Erlebnis, was ich bisher bei den anderen Isartouren noch nicht so hatte, da es auf diesen Abschnitten meist voller war. Die schlechtere Erreichbarkeit hat also auch etwas Gutes.

Hoch zum Malerwinkel

Dem Weg folgen wir bis zur Brücke der Tattenkofenerstraße. Es ist die letzte Brücke bis Bad Tölz, die auf die Ostseite der Isar führt. Wir bleiben auf der Westseite, queren die Straße und dann geht es geradeaus eine kleine Anhöhe hoch bis zu dem Hof mit dem passenden Namen „Einöde“. An dem zum Hof gehörigen Feld vorbei laufen wir dann auf einem kleinen Trampelpfad weiter. Kurz darauf geht es über eine steile Erd-Treppe knapp achtzig Höhenmeter hinauf. Die Bäume neben dem Weg haben aberwitzige Wurzelkonstruktionen ausgebildet, um sich an dem steilen Abhang zu verankern.

Bäume mit verschlungenen Wurzeln am Steilhang
Verschlungenes Wurzelgeflecht am Hang

Oben angekommen erreichen wir wieder einen breiteren Weg, der von einigen Fahrradfahrern genutzt wird. Die Mühe des Aufstiegs wird gleich belohnt, von dort oben gibt es nämlich einen tollen Ausblick auf die Isar, die sich unten im Tal hufeisenförmig durch die Landschaft windet. Treffenderweise heißt der Aussichtspunkt Malerwinkel, weil der Fleck zahlreiche Maler anziehen dürfte. Hier lohnt es sich, wenn es nicht zu voll ist, anzuhalten, den Blick schweifen und das Rascheln der Bäume einfach auf sich wirken zu lassen.

Es geht dann weiter nach Südosten und nach dem vorherigen Aufstieg passenderweise wieder Treppen hinab und den ganzen Steilhang hinunter. Kleine Bäche müssen überquert werden und es sieht teilweise wirklich aus, als wäre die Landschaft komplett unberührt. Wer möchte kann auch hier eine Pause einlegen, da beim Malerwinkel meistens deutlich mehr los ist.

Kleine Bäche gegenüber von Bairawies
Mittendrin ein kleiner Bach …
Weg durch das Unterholz gegenüber von Bairawies
… und die passende Brücke dazu

Durch Wald und Wiesen nach Ochsenwöhr

Auf der darauf folgenden Wiese muss man ein bisschen aufpassen, dass man den Weg nicht verliert. Wenn man aber genau darauf achtet, sieht man eine kleine gelbe Markierung an den Bäumen, die die Richtung des Isar-Wanderwegs anzeigt. Wir queren erneut einen Bach und gelangen dann über einen längeren Trampelpfad wieder direkt ans Ufer. Wie auch schon beim vorherigen Teil ist der Blick auf diesen teils immer noch wilden Gebirgsfluss einfach traumhaft. Wenn es auf meiner Tour nicht so kalt gewesen wäre, wäre ich direkt in die Isar reingesprungen. Tiere sieht man leider nicht ganz so viele, dafür hört man aber den ein oder anderen Vogel. Dafür merkt man wie der Wald zunehmend aus der Winterpause erwacht und so kommt man selbst auch aus dem Wintermodus raus und kann die Seele entspannt baumeln lassen.

Weiter gehen wir in Richtung Südosten. Immer an der Isar entlang laufen wir gemütlich geradeaus; mal mit mehr Bäumen dann wieder direkt am Ufer oder auf den Kiesbänken. Zwischendrin wieder tolle Ausblicke wie dieser:

Die Isar vor Bad Tölz am späten Nachmiitag
Idylle pur

Auf Höhe von Unterleiten geht es dann wieder ein bisschen bergauf und wir kommen dort durch ein größeres Waldstück. Den Gedanken nachhängend vor sich hintrottend, merkt man bis kurz vorher nicht, dass der Weg wieder deutlich angestiegen ist und wir inzwischen schon 2/3 der Gesamtstrecke gelaufen sind. Ab hier führt die Staatstraße leider ziemlich nah an der Isar entlang, aber zum Glück hält sich der Verkehr in Grenzen und ist nicht zu störend. Dennoch versuche ich, wo immer es geht weiter weg von der Straße zu laufen, und nehme daher jede Schleife der Isar mit. So kann man zum Beispiel dann auf Höhe des Dörfchens Lochen unterhalb der Weidefläche (ca. 60 Höhenmeter tiefer) laufen und hat wieder mehr das Gefühl, dass man alleine ist.

Endspurt über den Stausee nach Tölz

Nach einigen Auf und Abs gelangen wir schlussendlich unterhalb des Steinbruchs an den kleinen Hof Ochsenwöhr. Wieder eine Wiese gilt es zu umrunden, und der Geruch macht deutlich, dass vor Kurzem Odel ausgebracht wurde. Ein Stück weiter auf einem kleinen Trampelpfad unterhalb der Straße ist nur knapp 20 Minuten später die Wehranlage des Tölzer Stausees erreicht. Hier gibt es einen kleinen Weg über die Anlage. Die Fischtreppe ist im Gegensatz zu anderen derartigen Anlagen recht schön gestaltet und man kann zugucken, wie das Wasser in unzähligen kleinen Schleifen die Höhendifferenz überwindet. Auf der Bank kurz vorm Wehr lege ich noch einmal eine schöne Pause ein und genieße den traumhaften Blick über den Stausee und die dahinterliegenden Berge. Die Sonne steht schon deutlich tiefer, so dass sich eine besondere Stimmung ergibt. Es lohnt sich innezuhalten, den weiten Blick übers Wasser zu genießen und innerlich abzuspeichern.

Blick vom Stauwehr bei Bad Tölz auf den See und die Berge
Fast wie ein Gemälde

Über die Wehranlage gehen wir dann auf die Ostseite, da wir sonst an der Straße entlang müssten. So können wir zum Abschluss noch einmal ein Stück durch eine Wiese am Stausee entlang laufen und gehen dann ein wenig bergauf in Richtung Kalvarienberg. Allerdings soll es nicht auf den Berg selbst gehen, so dass wir uns beim nächsten abzweigenden Weg rechts halten und auf halber Höhe des Berges bis zum Ortskern laufen. Bad Tölz erreichen wir dann am unteren Teil der Marktstraße und je nach Tageszeit lässt sich hier noch gemütlich ein Kaffee trinken oder auch Abendessen gehen. Für alle, die noch nie hier waren, lohnt auf jeden Fall ein Spaziergang durch die Altstadt, die schon sehr typisch für Oberbayern ist und durch den Bullen von Tölz auch überregionale Bekanntheit erreicht hat. Für die Rückfahrt geht es dann in Richtung Nordosten zum Bahnhof und mit der BOB zurück nach München. Die BOB fährt inzwischen alle halbe Stunde auch abends, so dass man ganz entspannt den Tag in Tölz ausklingen lassen kann. Für die folgende Wanderetappe weiter nach Lenggries, folgt einfach dem Link.

In diesem Sinne

Es hat ein wenig gedauert, jetzt ist aber der Lückenschluss zwischen Wolfratshausen und Bad Tölz geschafft. Wer möchte kann nun quasi am Stück auf meinem Weg von Grünwald bis Lenggries wandeln 🙂 Der heutige Abschnitt ist der Urigste bisher und die Isar strahlt in den schönsten Farben. Wenige Menschen, Trampelpfade durch Wald und Wiesen, einige kleinere Auf- und Abstiege lassen das Wanderherz höher schlagen. Eine ideale Kombination, um sich nicht nur zu bewegen, sondern auch zu entspannen und richtig gute Laune zu bekommen. Ich werde auf jeden Fall wieder hierher kommen und kann es jedem Anderen nur ans Herz legen.