Von der Würmmündung bei Dachau nach Pasing – Würmausflug II

Wie versprochen bleibt mein Ausflug ins Würmtal entlang der verhältnismäßig kleinen Würm und ihrer dafür doch recht großen Bedeutung für die Region nicht ohne Fortsetzung. Heute ist es soweit und es geht weiter den Flusslauf entlang, allerdings in umgedrehter Richtung: von der Mündung bei Hebertshausen bis nach Pasing. In dieser Richtung hat man die Sonne schön im Gesicht und auch den Vorteil in Pasing nicht auf eine bestimmte Bahn warten zu müssen. Der ein oder andere erinnert sich bei der Strecke vielleicht an meine Fernwanderung, wo diese Strecke die letzte Etappe meiner insgesamt 26 Wandertage von Berlin nach München war. Heute steht aber die Würm im Vordergrund und so verläuft die Route immer dem Wasser folgend auf den ersten Kilometern komplett anders als die Fernwanderetappe.

Inhalt

Die Würmmündung in die Amper nahe Hebertshausen hatte ich bereits auf meiner Ampertour von Haimhausen nach Dachau besichtigt, daher steht heute der restliche Teil bis Pasing im Vordergrund. So geht es von Hebertshausen über Dachau-Ost und die dortige KZ-Gedenkstätte nach Karlsfeld und weiter nach Allach, Ober- und Untermenzing bis Pasing. Dabei verläuft die Würm quasi konstant ca. 500 Meter neben der Bahntrasse der S2, außer in Karlsfeld, wo diese gequert wird. Wem die gesamte Strecke von 20 km also zu viel ist, der kann jederzeit aussteigen und mit der S-Bahn zurückfahren. Auffallend ist, dass wir im Gegensatz zu dem Abschnitt im Würmtal eigentlich durchgehend – mit Ausnahme des KZ-Gedenkstättenbereichs – am Wasser laufen können; es geht also, wenn Gemeinden es wollen.

Routenüberblick

Startpunkt ist heute abweichend zur Fernwandertour Hebertshausen, von wo es durch Dachau-Ost Richtung Karlsfeld geht. Hier treffen wir auf die Tour von damals, die ebenfalls entlang der Würm bis nach Pasing verlief. Wir passieren Allach, Unter-und Obermenzing und gelangen über das Schloss Blutenburg schlussendlich nach Pasing, wo wir auf den Abschnitt vom Würmtal treffen. Insgesamt ist diese Tour mit knapp 19.5 km deutlich länger als die vorherige Abschnitte. Glücklicherweise können aber all Jene, die keine Lust auf 4,5 – 5 Stunden laufen haben, alle 2-3 km an einer der zahlreichen S-Bahnstationen aussteigen. Hier noch einmal die Übersicht zur heutige Tour

Hebertshausen-Pasing (Download Route)

Draußen tut gut!-Symbol Start-/Zielort RouteHebertshausen
Pasing
Draußen tut gut!-Symbol ÖPNV-Anschluss RouteS-Bahn
Draußen19,36 km
Draußen tut gut!-Symbol Zeitbedarf Route4,5 - 5 Stunden

und meine Route, die dem Würmlauf so gut es geht folgt.

Von der Würmmündung über die KZ-Gedenkstätte in die Rothschwaige

Los geht es an der schon sehr ländlichen Bahnstation Hebertshausen. Eigentlich wollte ich über den Ort direkt zur Würmmündung laufen. Da die Brücke über das Amperwehr und -wasserkraftwerk leider nicht öffentlich begehbar ist und ich bei meiner Tour an der Amper bereits an der Würmmündung vorbeigekommen bin, habe ich mir den Schlenker heute gespart und bin direkt zur Amperbrücke an der alten Römerstraße gelaufen. Ca. 1,5 km vom Bahnhof entfernt treffen wir hier nach der Querung der Amper auf die Würm.

Das Vergnügen ist allerdings nur von kurzer Dauer, weil die Würm sogleich auf dem abgesperrten Gelände der KZ-Gedenkstätte verschwindet. Direkt neben dem von Wachtürmen und Stacheldraht gesicherten Lagerbereichs fließt die Würm und war so wohl auch eine weitere Barriere. Zudem trennt sie den Lagerbereich vom Krematorium in dem sich die Gaskammern befanden, die aber aus nicht klar nachvollziehbaren Gründen im Gegensatz zum Rest des Krematoriums nie zum Einsatz kamen.

Durch die Würm vom Lager getrennt lieg das Krematorium mit seinen Gaskammern im KZ Dachau
Die Würm als Barriere zwischen Krematorium und KZ-Lager

Wer diese Stätte des Grauens und die perfide Tötungsmaschinerie noch nie besichtigt hat, sollte dies unbedingt nachholen, dann aber auf jeden Fall genug Zeit einplanen. Wenn der Fluss eine Seele hätte, sie würde wahrscheinlich weinen, ob der Sachen, die sie an diesem Ort mitansehen musste.

KZ-Gedenkstätte Dachau mit ihren Baracken liegt direkt neben der Würm
Auf der anderen Seite der Würm waren die Baracken des KZ

Wir umrunden das Areal und treffen am südlichen Ende wieder auf die Würm, die hier zwischen Wohnhäusern hindurchfließt; es muss schon auch komisch sein, direkt neben solch einem Ort zu wohnen. Wir überqueren die Pater-Roth-Straße und beginnen eigentlich jetzt erst so richtig unseren heutigen Würmausflug, immerhin 3,5 km nach dem Start. Dafür können wir nun direkt neben der Würm auf einem breiten Asphaltweg spazieren.

Vorbei geht es an einem Tennisverein und hinein in das Gewerbegebiet Dachau-Ost. Wer hier – wie ich – dachte, dass es dann um den Zustand der Würm nicht besonders bestellt sein kann, wird eines Besseren belehrt. Überall stehen Schilder und informieren darüber, wie die Gemeinde versucht, den Würmlauf wieder zu renaturieren und Begradigungen rückgängig zu machen. Sogar der ein oder andere kleine Mäander wurde wiederhergestellt:

Die teilweise renaturierte Würm fließt durch das Gewerbegebiet Dachau-Ost
Im Bereich des Gewerbegebiets wurde der Würmverlauf renaturiert

Dafür, dass wir quasi am Ende des Flusslaufes sind, ist es schon auffällig, wie schmal die Würm hier ist. Vor allem im Vergleich zu dem letzten Abschnitt bei Pasing, hat man den Eindruck, dass sie quasi gar nicht breiter, wenn nicht sogar schmaler geworden ist. Und der Eindruck trügt nicht: Der Würm wurde in ihrem Verlauf seit Pasing 2/3 ihres Wassers entzogen, um die Schlossanlagen und Wasserspiele von Nymphenburg und Schleißheim zu versorgen. Wir sehen hier also nur noch den „kümmerlichen“ Rest des Starnberger See Abflusses. Trotz des umgebenden Gebietes ist es hier schön und mehrere Bänke laden zum Verweilen ein; oder aber man wagt ein kleines Kneipp-Fußbad in dem kalten Flusswasser.

Wir durchqueren das Gewerbegebiet der Länge nach und treffen hinter der Ost-West-verlaufenden Schleißheimer Straße auf ein Gebäude des Bayerischen Rundfunks. Hier steht das Fernsehdorf Lansing, Fans der Sendung „Dahoam ist Dahoam“ mit Sicherheit ein Begriff. Auch dieses lassen wir links liegen und folgen unserem Fluss weiter gen Süden und hinaus auf die Felder. Hat sich die Gemeinde vorher noch gerühmt für ihre Renaturierung ist hier nichts mehr davon zu sehen. Zwischen den Feldern liegt die Würm eingepfercht in einem großen Kanal, der das Wasser aufstaut für das kleine Wasserkraftwerk bei dem Fernsehdorf. Angesichts der Energieausbeute solcher Mini-Wasserkraftwerke scheint es fraglich, ob derartige Natureingriffe verhältnismäßig sind. Bayern ist mit 61% immerhin Spitzenreiter unter den Bundesländern bei der Nutzung von Flüssen zur Energieerzeugung, weil hier selbst kleine Flüsse – wie das restliche Drittel der Würm – für Mini-Wasserkraftwerke genutzt werden.

Die Würm in einem Kanal zwischen Rothschwaige und Dachau-Ost
Hinter dem Dachauer Gewerbegebiet ist die Würm noch in einem Kanal gefangen

Wir setzen unseren Weg auf dem östlichen Damm direkt neben dem Würmkanal fort und erreichen 10 Minuten später eine Siedlung mit Einfamilienhäusern außerhalb der restlichen Stadtbebauung. Hier geht es einmal schnurstracks durch bis die Bundesstraße erreicht ist. Diese unterqueren wir zusammen mit der Würm und gelangen dann in die Rothschwaige – ein ehemaliges Moorgebiet. Direkt neben der Würm geht es durch die Felder, links von uns das Naherholungsgebiet rund um den Karlsfelder See. Je nach Jahres- und Uhrzeit gibt es hier auf den Feldern Erdbeeren zum Selberpflücken. Wer also nichts dabei hat, kann sich noch mit einer kleinen Wegzehrung eindecken.

Weiter nach Karlsfeld und in Richtung Menzing

Wir setzen unseren Weg an der Würm fort und queren die Münchner Straße, die früher die einzige Verbindungsstraße zwischen Karlsfeld und Dachau war. Jetzt ist hier dank der wenige Hundert Meter westlich verlaufenden Umgehungsstraße so gut wie kein Verkehr unterwegs. Dafür müssen wir jetzt in einer sehr unpraktischen Schleife auf einer Brücke über diese Verbindungsstraße hinüber, um wieder an die Würm zu gelangen. Mittlerweile ist das erste Drittel der Tour geschafft und wir haben auch die damalige Route von der Fernwanderung erreicht.

So geht es auf der anderen Seite der Umgehungsstraße weiter, zum Glück auf einem kleinen Fußgängerweg direkt neben dem Wasser. Hier hat sich die Gemeinde – mittlerweile Karlsfeld – wohl berufen gefühlt, die Würm zugänglich und vor allem naturnaher zu gestalten.

Auf der westlichen Seite der Schnellseite kann die Würm wieder etwas freier durch Felder verlaufen
Kurz vor Karlsfeld wirkt die Würm wieder naturnäher

Es gibt sogar eine kleine „Würmschleife“ und ein kleines Wildtiergehege, wo sich die Rehe vollkommen ungestört von den Spaziergängern und Fahrradfahrern für ein Nickerchen hingelegt haben:

Unweit von Karlsfeld gibt es ein Wildgehege direkt an der Würm
Auf dem Weg nach Karlsfeld liegt dieses Wildgehege

Wir unterqueren die Bayernwerkstraße und folgen dem kleinen Pfad bis zum Eichinger Weiher. Der Weg geht in einen geteerten Fahrrad-/Fußgängerweg über und folgt der Würm durch ein Wohngebiet. Immer wieder kreuzen kleinere Brücken das schnell dahinfließende Flüsschen, bis man es dann selbst queren muss, um Richtung Bahnhof und vor allem auf die andere Seite der Bahntrasse zu kommen. Bevor wir aber auf der anderen Seite weiterlaufen, gibt es noch einen kleinen Abstecher an den Abzweig des Versorgungskanals für das Schloss Schleißheim:

Hier wird der Würm aus Pasing kommend der Großteil ihres Wasser genommen und über den Kanal zur Ruder-Regattastrecke und dem Schloss Schleißheim geleitet. Lediglich der kleine knapp 1m breite Kanal leitet Wasser in den ursprünglichen Würmlauf. Kein Wunder, dass das Flussbett an der Mündung so schmal ist, wenn hier so wenig Wasser für den eigentlich Flusslauf übrig bleibt. Interessant ist auch, dass das Wehr die Wassermenge für die Würm und nicht für den Kanal steuert, im Zweifel wird also eher das Wasser der Würm als für den Kanal gekappt.

Wir verlassen den Wasser-Abzweig und unterqueren die Bahntrasse nach Ingolstadt, um dann an der Eversbuschstraße gen Süden über den Autobahntunnel wieder an die jetzt deutlich breitere Würm zu gelangen. Nun können wir wieder auf der westlichen Seite der Würm auf einen kleineren Weg einbiegen und fortan wieder direkt neben dem Wasser laufen. So laufen wir ein Stück durch den Ortsteil Allach vorbei an einem Spielplatz bis wir an der Gaststätte „Zur Schießstätte“ gelangen. Und der Name ist hier tatsächlich Programm, schließlich tagt hier der königliche Schützenverein. Die Gaststätte hinter uns lassend, weitet sich der Weg ein wenig zu einer Wiese und lässt den Blick auf ein wenig Grün neben der Würm fallen.

Kurz darauf kreuzen wir den „Paul-Ehrlich-Weg“ und die Würm verschwindet hinter der Häuserfront an der Behringerstraße, allerdings nur kurz, dann sehen wir das Wasser wieder. In diesem Teil Allachs ist die Bebauung deutlich enger, sodass zwischen den Häuserreihen nur ein schmaler Grünstreifen mit einem Weg neben der Würm bleibt; immerhin man kann am Wasser laufen. Erst nach der Querung der Nigglstraße lockert die Bebauung etwas auf und es wechseln sich rechts von uns bebaute Gebiete mit kleineren Feldern ab; linker Hand, auf der anderen Seite der Würm, stehen ältere Häuser mit Gärten, die bis ans Wasser heranreichen. Sicherlich ein schönes Fleckchen zum Wohnen.

Gemütlich dahinlaufend haben wir nun knapp 15 km vom Start entfernt, ohne es groß zu merken, Untermenzing erreicht, genauer gesagt das Friedhofsgelände rechts von uns. Auf der linken Seite des Flusses befindet sich die Aussegnungshalle. So wird der Tote über das Wasser zum Friedhof getragen – eigentlich eine ganz schöne Vorstellung,

Endspurt über das Schloss Blutenburg nach Pasing

Nun folgen ein paar kleinere Inseln und Wasserschleifen, sodass man trotz der dichteren Bebauung den Eindruck gewinnt, dass der Fluss hier etwas freier ist. Das ein oder andere Wehr versucht dann auch, die kontinuierlichen Wassermengen ein wenig zu lenken und bändigen.

Kleines Wehr an der Würm unweit von Untermenzing
Ein kleines Wehr bremst die Wucht des Würmwassers

Die wechselnden, kleinen Wald- und WIesenflächen geben zusätzlich ein Gefühl von Naturnähe. Wir folgen dem Plätschern der Würm weiter geradeaus und erreichen nur eine viertel Stunde später das spätgotische Schloss Blutenburg an. Das Schloss wird von der Würm in einer hufeisenförmig umflossen und beinhaltet heutzutage eine Jugendbibliothek.

Das Schloss Blutenburg an der Würm in München Obermenzing
Das pittoreske Schloss Blutenburg mit seinem künstlichen See

Natürlich verfügt das Areal auch über eine Schloßschänke, die zum Verweilen einlädt. Bei gutem Wetter ist dieser einladenden Kulisse nur schwer zu widerstehen und so kann ich allen Fußgeplagten hier eine kleine Rast unbedingt empfehlen.

Die letzten 2 Würmkilometer bis Pasing sind gesäumt von einem kleinen grünen Band nebst breiten Wanderweg. So bekommt man noch einmal Würmfeeling pur ohne Häuser, dafür mit vielen Sträuchern und Bäumen. Wäre nicht die nahe Pippinger Straße, man könnte fast meinen weit außerhalb auf dem Land unterwegs zu sein. Gemütlich dahinschlendernd kreuzen wir kurz vor Erreichen des Tagesziels noch einen kleinen Kanal – es ist der Überlauf des Nymphenburger Schloßkanals – und werden dann doch wieder daran erinnert, wie stark dieses kleine Flüsschen für die unterschiedlichsten Zwecke genutzt wird.

Ausgleichskanal zum Nymphenburger Schloss in München-Pasing
Der Ablass des Nymphenburger Schlosskanals unweit vom Bahnhof Pasing

Weitere 10 Minuten später ist auch schon der Bahnhof Pasing erreicht und unsere abwechslungsreiche Tour nach knapp 20 Kilometer Fußmarsch zu Ende.

In diesem Sinne

Auch der zweite Ausflug an Münchens zweitgrößten Fluss besticht mit vielen verschiedenen Eindrücken. Der Einstieg ist mit der direkten Konfrontation mit Deutschlands hässlicher Vergangenheit eher niederschlagend. Dafür gibt es im Anschluss lange Abschnitte direkt am Fluss durch teilweise renaturierte Flächen, die die Seele wieder etwas versöhnen. In der Nähe des Karlsfelder Bahnhofs lüftet sich dann auch das Geheimnis des wenigen Wassers im vorherigen Würmabschnitts: es wird zu großen Teilen nach Schleißheim zum Schloss abgeleitet. Der darauf folgende Teile zieht sich durch den stark bebauten Münchener Nordosten, der aber im Gegensatz zum Würmtal fast konstant direkt neben der Würm durchwandert werden kann. Kurz vor dem Ziel lädt das pittoreske Schloss Blutenburg noch zum Verweilen ein, bevor es entlang eines Grünzugs direkt am Wasser bis nach Pasing und dem Endpunkt der letzten Tour weitergeht. Mit insgesamt 20 Kilometern ist diese Tour sportlich schon fordernder, aber auch sehr abwechslungsreich. So geht es dann auch nach den gut 4,5 Stunden Wandern mit vom Alltagsballast geleerten und voller neuer Eindrücke gefüllten Kopf zurück.

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