Bad Uracher Wasserfälle

Ursprünglich wollte ich schon 2020 meine bisherigen „Deutschland“-Touren fortsetzen und dabei auch die Schwäbische Alb bereisen. Das hat dann leider wegen Corona erst jetzt mit zwei Jahren Verspätung geklappt. Das macht aber nichts, die zwei Routen, die ich von diesem Kurz-Ausflug auf die Schwäbische Alb und in den Schwarzwald vorstellen möchte, sind ja zum Glück zeitlos. In diesem Beitrag soll nun der Bad Uracher Wasserfall im Funkus und das nächste Mal dann die Wutachschlucht.

Inhalt

Routenüberblick

Der Bad Uracher Wasserfall ist natürlich kein Geheimtipp, steht in vielen Führern drin, ist aber auch wahnsinnig schön. Wenn Ihr irgendwann einmal in der Nähe sein solltet, macht auf jeden Fall einen Abstecher dorthin. Man kommt sogar auch mit dem Zug nach Bad Urach, deswegen startet und endet die Route auch an der Station „Bad Uracher Wasserfall“. Die heutige Route ist mit ca. 9,5 km vergleichsweise kurz, aber dafür geht es mit ca. 520 Höhenmetern ganz schön hoch und runter. Wer möchte kann natürlich nach den Wasserfällen noch den kleinen Ort mit seinem kleinen aber schönen Ortskern besuchen.

Hier noch einmal die Fakten:

Rundweg Bad Uracher Wasserfälle (Download Route)

Bad Urach Wasserfälle
Bad Urach Wasserfälle
Regionalbahn
9,67 km
3 Stunden
⬈ 522 Hm
⬊ 520 Hm

und die Karte:


Am Bach entlang bis zum Wasserfall

Von der Station läuft man auf der Straße der Beschilderung folgend an dem großen Parkplatz vorbei. Im Sommer mit Sicherheit richtig voll, ist jetzt kaum etwas los. Von dort geht es gemütlich neben einer Wiese in eine kleine Allee. Rechter Hand wird der Weg vom Brühlbach begleitet, das ist der Bach der sich aus dem Wasserfall speist. Er fließt recht schnell und hat auch kleine Wegteile ausgespült.

Der kleine Brühlbach auf dem Weg zu den Uracher Wasserfällen
Brühlbach am Wegesrand

Insgesamt strahlt die Umgebung die pure Ruhe aus und nach wenigen hundert weiteren Metern sieht man dann auch schon den Wasserfall in seiner ganzen Pracht:

Bad Uracher Wasserfall in voller Pracht
Bad Uracher Wasserfall von unten

Das Naturschauspiel ist schon sehr imposant, das Wasser fällt 37 Meter tief, bevor es in unzähligen kleineren und größeren Wasserarmen weitere 50 Höhenmeter hinabfließt. Im Vergleich zu den Triberger Wasserfällen im Schwarzwald, die zwar höher sind, hat der Uracher Wasserfall den Vorteil, dass kein Eintritt gezahlt werden muss und die Umgebung nicht verbaut ist. Am Bach entlang kommen wir dann immer näher und überall quillt das Wasser hervor, sprudelt, fällt runter, trennt sich und vereinigt sich wieder. Zudem gibt es ein wenig Gischt durch das viele aufgewirbelte Wasser und so ist die Luftfeuchtigkeit angenehm hoch. Man sollte auf jeden Fall auch feste und wasserdichte Schuhe dabei haben, nicht zuletzt weil die zu erklimmende Treppe je nach Wassermenge gerne auch überflutet ist:

Überfluteter Treppenaufstieg beim Bad Uracher Wasserfall
Nasser Treppenaufstieg

Sobald dieses Wasserparadies durchwandert ist, steht man am Fuß des Riesen-Wasserfalls und kann staunend den Millionen Litern zugucken, die kontinuierlich herabstürzen. Das hat fast etwas Meditatives und macht richtig Spaß. Obwohl es eine Bank gibt, kann man diese aber nicht wirklich nutzen, da auch dort das Wasser steht. Macht aber nichts, dann stellt man sich einfach in eine der Fels-Buchten und genießt das ganze Schauspiel eben stehend.

Weiter zum Scheitel und zum Gütersteiner Wasserfall

Weiter soll es dann hoch zum Scheitelpunkt des Wasserfalls gehen. Dort ist auch ein kleiner Biergarten mit Kiosk, an dem man eine kleine Pause machen kann. Wer möchte, kann sich an das Geländer bei der Steilkante stellen und die knapp 200 Höhenmeter hinab gucken, die man zuvor hochgelaufen ist.

Die heutige Route endet aber nicht hier, sondern führt weiter hinauf, um schließlich auch noch zu den Gütersteiner Wasserfällen zu gelangen. So bekommt man einerseits einen guten Eindruck von der Landschaft und Umgebung und geht zudem eine Runde. Wir erklimmen also noch einmal knapp zweihundert weitere Höhenmeter, sodass wir uns insgesamt ca. vierhundert Höhenmeter über dem Ausgangspunkt befinden. Überall in der Umgebung sehen wir die für die Schwäbische Alb charakteristischen steilen Abbruchkanten des Kalkgesteins. Über Millionen Jahre wurden die Täler ausgeschwemmt und so ist es auch nicht ungewönlich auf einem Hügelrücken an einer Steilwand vorbei zu laufen, die 100-150 Meter hinabstürzt. Ein bisschen aufpassen muss man zwar schon, aber es ist kein wirklich gefährlicher Weg.

Oben angekommen laufen wir sozusagen auf der Kante entlang an einem kleinen Hof vorbei und die ein oder andere Bank lädt zu einer Pause mit schönem Ausblick ein. Wie überall auf der Alb sieht man irgendwo auf einem kleinen Hügel eine Burg und so so auch hier:

Blick auf die Burg Hohenurach und den Ort
Burg Hohenurach

Für diesen Burgenreichtum ist die Schwäbische Alb sehr bekannt. Schließlich gab es hier früher unzählige Fürstentümer und Lokalherrscher, die alle ihre eigenen Hochsitze hatten und damit die Täler unter Kontrolle hatten. Nach einem ausschweifenden Blick in die Umgebung gehen wir weiter auf der Tour zu einem Fohlen-Gehöft auf einer Lichtung. Die jungen Pferde sind sehr neugierig und kommen gleich angetrabt, um sich Streicheleinheiten abzuholen und neugierig die Neuankömmlinge zu beäugen. Das macht unweigerlich gute Laune und mit gutem Wetter fühlt man sich hier an diesem Fleckchen Erde sehr geerdet. Zwischen dem Hof hindurch und über die Weideflächen heißt es dann wieder in den Wald zu gehen und ein wenig abseits auf kleinen Wegen in Richtung Gütersteiner Wasserfall zu laufen. Der Wasserfall selbst ist nicht ganz so imposant wie der Uracher Wasserfall. Allerdings hat er ein schönes Basin am Scheitel und es ist so wenig los, dass man seine Füße und das Gesicht ungestört abkühlen kann.

Wasserbasin bei den Gütersteiner Wasserfällen
Basin bei den Gütersteiner Wasserfällen

Rückweg über alte Streuobstwiesen

Frisch abgekühlt kann noch die Infotafel zur ersten Pumpspeichertechnik neben dem Basin bestaunt werden und dann geht es auch schon rechts vom Hauptlauf hinab. Der Wasserfall kann vom Spektakel nicht ganz mit dem Anderen mithalten und auch die Gischt fehlt. Dafür gibt es unzählihr kleine Rinnsale, die überall entlang laufen und eine moosige Landschaft geschaffen haben. Auch sehr schön anzuschauen, wenn auch eher wegen des Grüns und der Insekten und Vögel, die das weniger starke Wassergetöse an diesem Wasserfall bevorzugen. Dennoch sollte man aufpassen, wo man hintritt, da der Untergrund sehr glitschig ist.

Unten angekommen heißt es noch einen letzten Blick zurückzuwerfen, bevor es durch ein Stück Wald weitergeht. Nach ca. 20 Minuten gelangen wir an eine Kreuzung und halten uns auf dem linken Weg, der uns direkt in eine Streuobstwiese führt. Zwischen verschiedenen alten Apfelbäumen, die in voller Blüte stehen, geht es wieder Richtung Norden. Überall brummt und summt es vor lauter nektartrunkener Insekten und am Himmel ziehen Falken ihre Runden. Es wirkt etwas entrückt von unserer schnelllebigen, technisierten Welt. Die Umgebung verbreitet eine tiefgehende innere Ruhe und so hält man unbewusst immer wieder an, um in die Ruhe hineinzuhorchen. Komplett geerdet erreichen wir nach ca. 3 Stunden Erholungs- und Erlebnisspaziergang wieder den Ausgangspunkt und die Normalität hat uns wieder.

In diesem Sinne

Mit zwei Jahren Verspätung habe ich nun auch einmal die schwäbische Alb besucht und viele kleine schöne Naturorte kennen gelernt. Der heutige Ausflug führt an die bekannten Uracher Wasserfälle und über eine kleine Schleife kommt man auch an den Gütersteiner Wasserfällen vorbei. Damit ist nun auch die erste Route auf Draussen tut gut aus Baden-Württemberg geschafft und ich freue mich schon auf Weitere. Insgesamt eine sehr schöne Landschaft mit viel Wasser und uriger Kulisse. Ideal um den Kopf vom Alltagstrott frei zu kriegen, einfach nur zu sein und zu genießen. Also auf nach Bad Urach!