Benediktenwand

Auf geht’s zur Benewand! Die heutige Wanderung führt auf einen anderen bekannten Münchner Hausberg: die Benediktenwand. Ich habe sie wie die Tour zum Heimgarten im April gemacht, deswegen seht Ihr an vielen Stellen noch Schneereste in den Bildern. Neulich habe ich aber gelesen, dass im April eine Person beim Aufstieg verunglückt ist. Es ist also nicht ganz ungefährlich, vor allem wenn man wie ich – und der arme Verunglückte – noch im Schnee unterwegs ist. Aber abgesehen davon geht die Bene-Wand immer und ist auch ohne Kraxelei oder ausgesetzte Stellen gut zu bewandern. Zusätzlich ist Benediktbeueren von München mit dem Zug erreichbar, also ideal zum Reinkommen in die Wandersaison.

Inhalt

Routenüberblick

Die heutige Tour führt uns von Benediktbeuern über den Bauernwurf und die Glaswandscharte auf die Benediktenwand. Zurück geht es über die Westflanke, Tutzinger Hütte wieder nach Benediktbeuren. Etwas Fitness sollte man schon mitbringen, immerhin sind doch knapp sechsundzwanzig Kilometer und sechseinhalb bis sieben Stunden zu laufen. Die Anreise erfolgt relativ unkompliziert mit der Bahn über Tutzing. Also worauf warten, los geht’s!

Hier noch einmal die Kurzfakten:

Benediktenwand (Download Route)

Benediktbeuren
Benediktbeuren
Regionalbahn
26,69 km
6,5 Stunden
⬈ 1464 Hm
⬊ 1465 Hm

und die Karte:


Von Benediktbeuren bis zur Kohlsattelalm

In dem verschlafenen Örtchen Benediktbeuern steigen wir aus der Bahn und weil ich nicht durch den Ort laufen wollte, geht es rechter Hand auf der Rieder Straße ein bisschen außerhalb entlang. Bei Pechern kreuzen wir die große Straße und gelangen über ein paar Felder und ein Stück entlang des Lainbachs zum Ausgangspunkt der eigentlichen Tour im Ortsteil Geschwendt. Hier erwarten uns wie bei den meisten Bergen im Münchner Umland mehrere Wanderer-Parkplätze.

Entgegen der Ausschilderung halten wir uns rechter Hand Richtung Bavaria-Hütte und laufen auf einem größeren Forstweg in den Wald hinein. Auf eine größere Wiese folgt wieder Wald und ein großer Feldweg, der sich langsam aber stetig bergauf schraubt. Die breite Forststraße, die auch bei Fahrradfahreren beliebt ist, wird immer wieder von einem kleineren Trampelpfad gekreuzt, der zwar kürzer aber dafür deutlich steiler bergan führt. Dennoch macht es hier deutlich mehr Spaß zu wandern und zusätzlich gibt es immer wieder Infotafeln, so dass man auch noch etwas über die Umgebung und ihre pflanzlichen bzw. tierischen Bewohner lernt.

Nach ca. 6 km Strecke gelangen wir auf eine größere Lichtung bei der Kohlsattelalm und können eine kleine Pause mit traumhaften Blick auf das (hier noch schneereiche) Felsmassiv der Benediktenwand werfen:

Blick auf die Benediktenwand von Norden kommend
Blick auf die Benediktenwand bei der Kohlsattelalm

Aufstieg im Wald bis zur Glaswandscharte

Wenn die Kräfte wieder gestärkt und die Wasservorräte gefüllt sind, steht dem weiteren Aufstieg eigentlich nichts mehr im Wege. Die 400 bisher geschafften Höhenmeter sind immerhin schon 1/3 der Gesamthöhendifferenz, also nichts wie ran an den Speck. Der Weg verläuft jetzt in großen Bögen, wobei es auf der Karte ein wenig nach Zickzack aussieht. Das liegt daran, dass ich versucht habe nicht auf den Hauptweg zu gelangen, weil auf den großen Wegen normalerweise relativ viel los ist. Deswegen habe ich wo es ging, Haken geschlagen und auch einen Umweg in Kauf genommen. Das hat sich aber alle Mal gelohnt, da ich so auf einem ruhigeren Weg unterwegs sein konnte und die Waldumgebung auch ungestört genießen konnte. Zudem war ich dadurch auch auf schmaleren Pfaden unterwegs, was sowieso gleich noch einmal mehr gute Laune macht:

Schöner Aufstieg zur Benediktenwand über Waldwege und den Bauernwurf
Schöne Waldwege lassen den Umweg vergessen

Je weiter hoch es geht, desto mehr Schnee kann im April noch liegen, was es bei mir durch das häufige Einsinken und Markierungen suchen etwas anstrengender, aber nicht minder schön gemacht hat. Es sind zwar viele Schilder vorhanden, dennoch sollte man aufpassen, ob die Schneedecke tiefer wird und die Beschilderung erkennbar ist. Im Zweifel ist es besser umzukehren, als sich zu verlaufen oder bei jedem Schritt bis zur Hüfte einzusinken.Im Sommer alles gar kein Problem und bei mir glücklicherweise auch nur Abschnittsweise schneereicher, sodass ich insgesamt recht gemütlich auf den Trampelpfaden bis unter den Gipfel des Bauernwurfs wandern konnte. Hier gelangt man dann wieder auf einen breiteren Feldweg, der einmal um den Bauernwurf herumführt und auf der Rückseite in einem steinigen Trampelpfad zur Glaswandscharte führt.

Von der Glaswandscharte zum Gipfel

An der Glaswandscharte mündet der Weg aus der Jachenau ein und nun geht es schon etwas alpiner auf einem kleinen Weg über steinigeres und wurzelgesäumtes Gelände weiter hinauf. 2/3 der Höhe sind bereits geschafft und wir nähern uns der Benediktenwand von hinten und nicht über die Tutzinger Hütte. In kleinen Serpentinen geht es abschittsweise recht steil bergan, sodass in knapp 1 km weitere 200 Höhenmeter geschafft sind.

Wenig später vereinigt sich der Weg, der von der Tutzinger Hütte über die Westflanke aufsteigt, mit unserem und es geht raus aus dem Wald hinein in karstigeres Gelände mit geduckten Latschenkiefern rechts und links des Weges. Auf der Südseite der Benediktenwand ist das Gelände nicht ganz so steil abfallend, wie auf der Nordseite. Streckenweise gibt es aber auch hier Abbruchkanten, sodass Trittsicherheit und Stöcke vor allem bei Schnee gut helfen. Zwischen unzähligen Latschenkiefern und Flechten führt der im April noch sehr schneereiche Weg die Flanke querend die letzten 200 Höhenmeter hinauf bis zum Gipfel.

Der Gipfelkamm bietet genug Platz für die vielen Ausflügler und es gibt es sogar eine Schutzhütte für Wanderer in Not. Nach knapp 1200 Höhenmeter Differenz haben wir uns die Pause redlich verdient und können den Blick in die Jachenau und die dahinterliegenden Berge genießen. Zur Linken sieht man das Brauneck und am Horizont die angezuckerten Gipfel des Karwendel:

Panorama Ausblick in das Karwendelgebirge von der Benediktenwand
Panorama Ausblick in das Karwendelgebirge

Hinter uns ist die steile Felswand, die wir von unten gesehen haben und ein Blick nach rechts zeigt, dass es besser war nicht den Maximiliansweg in der Westscharte bei diesen Wegverhältnissen zu wählen:

Ausblick auf die Westflanke der Benediktenwand
Ausblick auf die Westflanke der Benediktenwand (inkl. Maximiliansweg)

Abstieg zur Tutzinger Hütte

Eigentlich kann man sich gar nicht satt genug sehen an der Kulisse, die sich einem bietet. Irgendwann ist es aber dann doch genug und es wird auch kühl, sodass unweigerlich die Frage nach dem Abstieg aufkommen wird. Das hängt immer auch von den Witterungsverhältnissen ab. Der Maximiliansweg war für mich leider wegen Schnee ausgeschlossen und auch sonst sollte man überlegen, ob man sich es zutraut durch die steile Scharte abzusteigen.

Eine andere Variante führt über die Ostflanke, also über den Rotohrsattel und dann hinab. Diesen Weg wollte ich eigentlich gehen, weil ich ja schon von Westen kam. Anfangs sah es auch noch gut machbar aus, je weiter ich gekommen bin, desto weniger wurden aber die Spuren und der Schnee immer höher, sodass ich teilweise bis zur Hüfte eingesunken bin. Als ich gesehen habe, dass auch noch ein Steilstück bis zum Rotohrsattel überwunden werden muss, habe ich kehrt gemacht; ohne Spikes, Schneeschuhe oder ein Klettergurt für das kurze Steilstück wäre es zu riskant gewesen. Das nächste Mal dann über die Ostflanke, mit Spikes dachte ich mir. Jetzt aber hieß es 300 Meter zurückzustapfen und auf dem Weg, auf dem ich vorher mühselig aufgestiegen bin, ging es nun locker bergab.

An der Kreuzung mit dem Weg, der von der Glaswandscharte kommt, gehen wir nun also rechts in Richtung Tutzinger Hütte. Hier sind auch alle Wege gut ausgeschildert, da wir nun auf der Hauptroute unterwegs sind. In einem weiten Bogen geht es um die Benediktenwand herum, wobei der Weg übers Geröll bei Schnee teilweise verschwindet und die Markierungen auf dem Boden dann leider auch. Wären nicht die vielen Trittspuren könnte man sich leicht vertun. Im Somme aber sicher ein Leichtes, insbesondere der Abstieg über die Wiese zur Tutzinger Hütte, der im April eher einem Schlamm-Schneefeld glich. Sobald man den Gipfelkamm allerdings umrundet hat, sieht man auch schon die Tutzinger Hütte und kann auch ohne Markierungen seinen Weg finden. Dort angekommen hieß es für mich erst einmal Socken auswringen, da ich doch mehr eingesunken als gewandert bin, aber es hat trotzdem Spaß gemacht. Leider war die Hütte zu, aber sonst bietet es sich an, hier ein gemütliches Abendessen zu sich zu nehmen oder – wer möchte – auch zu übernachten, um am nächsten Tag weitere Gipfel zu besteigen.

Von der Tutzinger Hütte zurück nach Benediktbeuren

Von der Tutzinger Hütte verläuft der Weg in kleinen Serpentinen stetig den Berg hinab und landet dann am oberen Ende der Eibelsfleck-Wiese. Am unteren Ende der Wiese wartet die dazugehörige Eibelsfleck-Hütte, die von einer Gruppe von Privatleuten aus Penzberg genutzt wird und keine Bewirtung bietet. Trotzdem ein schön anzuschauendes Berghaus, das uns aber nicht weiter auf unserem Weg nach unten aufhalten soll. Wer möchte, kann dem Bach neben der Hütte folgen und gelangt dann zu den Lainbachwasserfällen.

Da man so aber auf den Weg vom Anfang kommen würde und ich meist versuche, bei meinen Touren keine Wege doppelt zu laufen, ging es bei mir nicht am Bach entlang, sondern vielmehr in einem großen Bogen Richtung Osten. Über breiter werdende Feldwege und einige Kehren erreichen wir dann schlussendlich einen anderen Zufluss des Lainbachs. Vorbei an der „Söldner Alm“ geht es nun wieder auf einem anderen Waldlehrpfad mit vielen Infotafeln weiter neben dem stetig größer werdenen Bach bis schlussendlich wieder der Ortsteil Gschwendt erreicht ist. Über mehrere keine Straßen ist dann ca. 2 km später wieder die Bahnstation erreicht.

In Benediktbeuern kann man dann je nach Belieben Essen gehen, übernachten oder auch eine Führung durch das namensgebende Kloster machen. Für alle, die mit der Wanderung bedient sind, bleibt eine entspannte Rückfahrt mit dem Zug und die Erinnerungen an eine schöne Bergwanderung.

In diesem Sinne

Eine weitere Bergtour ist geschafft und auch wenn sie anstrengend war, so steigt man beglückt, selig und geerdet in den Zug zurück. Genau diese Kombination aus sportlicher Betätigung, frischer Luft und super (visuellen) Eindrücken, führt zu der Glückszustand in unserem Körper, den jeder Wanderer sucht. Zudem vereinfacht die gute Anbindung an den Regionalzug die An- und Abreise enorm, sodass man die innere Zufriedenheit wohlbehalten zurück nach Hause trägt. Damit ist diese Route also eine Idealkombination und Garant für gute Laune, wenn im Alltag mal wieder alles zu viel wird und grau ist.