Wald & Baden um Strausberg herum

Nach der letzten Empfehlung in der schönen Moselregion, nun wieder eine Route aus dem Wald-Bundesland Nummer 2 Brandenburg. In wenigen Bundesländern gibt es so viele zusammenhängende Waldflächen wie hier, ein netter Nebeneffekt der Mangelwirtschaft in der DDR-Zeiten, wo nicht jeder ein Auto hatte und deswegen nicht alles mit Straßen zugebaut werden musste.

Da in meinem Bekanntenkreis nach wie vor manche der Meinung sind, dass Waldbaden Baden im Wald sei und mich nach entsprechenden Badeseen befragen, jetzt also eine Route, in der man Waldbaden und Baden kann.


Los geht es mit der S-Bahn oder Auto bis nach Strausberg Nord. Das dauert von der Friedrichstraße ziemlich genau eine Stunde mit der Bahn (wenn sie denn fährt). Vom Bahnhof muss man dann erst einmal ein wenig entlang der Straßen um die Seespitze des Straussee herumlaufen und biegt dann von der Schnellstraße rechts in das kleine etwas abseits vom restlichen Ortsgebiet gelegene Wohngebiet rund um die Wesendahlerstraße ein. Die Straße läuft man bis zum Ende und schon befindet man sich im Strausberger Wald.

Ein etwas lichterer Waldteil auf der Route

Immer weiter gerade aus in westlicher Richtung kann man auch vom Hauptweg auf kleinere Wege abzweigen und bekommt relativ schnell das Gefühl vom Wald verschluckt zu sein. Die Zivilisationsgeräusche werden weniger, dafür merkt man förmlich wie sich die Ohren auf das kleinste Rascheln fokussieren, weil der Körper die Ruhe nicht mehr gewöhnt ist. Der Atem wird tiefer und langsamer und man wird ruhiger und entspannter.

Weiter in dieser Marschrichtung wird man irgendwann wieder etwas zurückgeholt aus seinem innenfokussierten Zustand und hört das Planschen vom Fängersee. Jetzt muss man sich entscheiden, ob man östlich vom See bleiben will und dort an einer der kleinen Buchten Baden will, oder wie ich um den See herum geht auf die andere Seite. Dort kann zwar prinzipiell auch gebadet werden, aber es ist auf dieser Seite mehr Schilf und deswegen eher nicht so geeignet zum Baden.

Ich war sowieso nicht zum Baden da, deswegen hab ich mich für den westlichen Waldteil entschieden. Man geht um die Spitze herum, am Tierheim vorbei und kann sich dann wieder im Wald verlieren. Ich bin etwas weiter weg vom See gegangen, um weniger Geräuschkulisse zu haben, aber man kann auch in der Nähe des Wassers spazieren und das Lichtspiel der Reflektionen auf dem Wasser genießen. In südlicher Richtung dem inneren Kompass folgend geht es durch den Wald. Wer wie ich gerne zwischendrin stehen bleibt, eventuell eine Brotzeit-Pause einplant oder nur so in den Wald hinein riecht und hört, findet immer wieder schöne Plätze dafür und kann dabei viel kleines wahrnehmen.

Den Specht, der unermüdlich Bäume bearbeitet, um an Borkenkäfer und ähnliches zu kommen, Ameisen, die in Windeseile die runtergefallenen Krümel abtransportieren oder auch eine Blindschleiche oder Eidechse, die im Unterholz raschelt und denkt man würde sie nicht erkennen (zugegeben, es ist auch manchmal schwer). Wenn dann noch die Sonne durch die Wipfel auf das Gesicht scheint, lohnt es die Augen zuzumachen, tief ein und auszuatmen, das Rascheln der Äste zu hören und den Waldgeruch in sich aufzunehmen. Zusätzlich kann man die Blätter eines Strauches in die Hand nehmen oder mit seinen Fingern die harte Rinde des Baumes ertasten. So merkt man förmlich, wie die Gedanken weniger werden und sich das Leben leichter anfühlt.

Ein fleißiger Specht bei der Arbeit

Wenn man dann fürs Erste genug hat, geht es weiter ein Stückchen Richtung Süden, bis man wieder ein schönes Plätzchen gefunden hat oder etwas entdeckt hat, was man genauer beobachten möchte. Immer weiter in den Süden lässt man die kleine Häuseransammlung Spitzmühle (es ist wirklich eine alte Wassermühle) links von sich liegen und merkt am zunehmenden Lärm, dass man wieder in Richtung Zivilisation kommt. Der Bötzsee ist deutlich beliebter und es tummeln sich viele Badegäste dort und man kann hören, dass sie Spaß daran haben. Ich bin an dem Ortsteil Eggersdorf-Nord rechts vorbei gelaufen, über die Schnellstraße in das kleine Waldgebiet, das dort abgeschnitten zwischen Ort und Straße liegt. Die letzten Waldmeter bringen einen entspannt zurück in die Realität, bis man in Eggersdorf ankommt und dort von Autos und Asphalt begrüßt wird. Das ist jedes Mal ein kleiner Schock, von dem man sich allerdings schnell wieder erholt. Den letzten Kilometer entlang der Straße geht es zur S-Bahn-Haltestelle Strausberg, von wo man wieder zurück ins Berliner Zentrum kommt.

In diesem Sinne: Brandenburg bietet nicht nur Wasserfreunden Freude, sondern lässt einen Waldbaden und Baden vereinen. Mit ein wenig Zeit für die Anreise steht der grünen Entspannung dort quasi nichts im Weg.