Wald im November

Die Tage werden kürzer, grauer und kälter und irgendwie hat man so gar keine Lust sich lange draußen aufzuhalten. Ich kenne das Gefühl zu gut, lieber drinnen zu bleiben, eventuell auf der Couch zu fläzen oder in die Sauna/Badewanne etc. zu gehen. Trotzdem lohnt es, wenn es nicht gerade Dauerregen hat, seinen inneren Schweinehund zu überwinden und raus in den nächstgelegenen Wald zu gehen. Das hilft uns in dieser Jahreszeit auf vielfältige Weise.

So bekommt man, auch wenn der Himmel wolkenverhangen ist, das für unseren Körper so wichtige Tageslicht. Unser Körper reagiert auf den Lichtmangel in der dunkleren Jahreszeit mit vermindertem Antrieb und teilweise auch mit einer gewissen Niedergeschlagenheit („Winterdepression“). Das liegt daran, dass wir durch das Kunstlicht und den Aufenthalt in Räumen nicht genug Lichtintensität und keine UV-Strahlung abbekommen (ja UV-Strahlung (UVB) ist in einem gewissen Maße nützlich und nötig). Und Tageslicht ist trotz der kürzeren Tage und des bedeckten Himmels viel stärker als Kunstlicht. Es triggert über die Augen unser vegetatives Nervensystem, sodass der Körper in Schwung kommt; zusätzlich bringt die frische Luft und natürlich die Bewegung den Körper auf Trab.

Daneben hilft uns die UV-Strahlung im Kontakt mit unserer Haut, Vitamin D zu bilden, was zahlreiche positive Wirkungen auf unseren Körper hat, u.a. Knochenaufbau/erhalt, Stärkung des Immunsystems und Verbesserung der Stimmung. Dazu muss man allerdings auch ein bisschen Haut „zeigen“. Das heißt, dass wenn es nicht zu kalt ist, sollte man versuchen (Unter-)armfrei unterwegs zu sein, mindestens aber die Hände frei lassen und den Kopf und das Gesicht nicht komplett einpacken. Davon abgesehen hat Licht, frische Luft und Bewegung noch ganz viele andere positive Auswirkungen auf unseren Geist und unseren Körper.

Das ganze könnte Ihr dann noch verstärken, wenn ihr nicht nur im nächsten Park, sondern im Wald unterwegs seid. Zwar ist die Aktivität der Nadelbäume auch reduziert, und die Laubbäume haben ja durch den Abwurf der Blätter sowieso in den Winterschlaf umgestellt. Allerdings habt Ihr durch den etwas lichteren Wald mehr Sonne, natürlich eine bessere Luft als in der Stadt und zusätzlich noch die anderen positiven Faktoren aus dem Wald:

  • ein wenig grün von den Nadelbäumen und verbliebenen Sträuchern
  • das haptische Erlebnis wenn man die Bäume/Äste anfassen kann und
  • unterbewusst den Geruch (auch wenn dieser durch die verminderte Aktivität der Bäume geringer ausfällt).

Ihr könnt aber ein paar Nadeln (vorsichtig) zwischen den Fingern reiben und dann daran riechen, dann hat man den typischen „Baumgeruch“; ich finde das unglaublich angenehm und beruhigend.

Wer Lust und Laune hat, kann bei seinen Streifzügen durch den Wald auch noch die letzten Pilze suchen oder sich einfach ziellos treiben lassen und mental abschalten.

Zu guter Letzt möchte ich noch einmal auf den Wald-Kongress in Berlin nächste Woche (ja auch im November) hinweisen. Es wird der Begründer des Waldbadens (Dr. Qing Li) genauso sprechen wie Stadtentwickler, Ärzte und Waldtherapeuten. Schließlich hängt unsere Gesundheit von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu habe ich neulich einen interessanten Artikel gelesen: Es gibt eine neue Initiative, die ganzheitlich versuchen will Krankheiten/Symptome, die durch unterschiedlichste Faktoren (Job, Wohnung, Soziales Umfeld…) entstehen, nicht nur medizinisch (Tabletten/Untersuchungen…) zu heilen/lindern. Zurück zum Waldkongress: Zielrichtung moderner Städte sollte es sein, eine Umgebung zu schaffen, die nicht mehr so gesundheitsschädigend wie heute ist (Luft-/Lichtverschmutzung, Lärm, Flächenversiegelung(wenig grün), Stress bei der Nutzung von Fortbewegungsmitteln). Ein Teil der Aspekte wird dort diskutiert werden, genauso wie die Möglichkeiten der Etablierung von Wald als therapeutisches Element in unserem Gesundheitssystem. Ich bin gespannt, was ich erfahre und hier dann teilen kann.

In diesem Sinne: Es lohnt sich immer in die Natur zu fahren, nicht nur im Sommer. Gerade im Winter braucht unser Körper die bewussten und unterbewussten Einflüsse einer natürlichen Umgebung, um gesund durch die kalte Jahreszeit zu kommen.