Ausflug an die Spreekanäle

Vielen Berlinern und Brandenburgern dürfte der Spreewald ein Begriff sein und wahrscheinlich waren Sie schon x-Mal da gewesen. Das macht aber nichts, weil man dort immer etwas Neues entdecken kann. Allein die Male, die ich dort war, waren dann doch jedes Mal anders. Zusätzlich hat man ja auch die Qual der Wahl, ob man mit dem Paddelboot auf eigene Faust, einer geführten Fahrt im Stocherkahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß dieses schöne Naturgebiet mit den unzähligen Flussnebenarmen erkunden möchte.

Heute also einmal ein Wanderausflug zu Fuß und etwas länger als die üblichen Ausflugstouren von Lübbenau nach Lehde. Natürlich ist man nicht ganz so flexibel unterwegs wie im Paddelboot, weil man auf die eher wenig gestreuten Brücken angewiesen ist, um die einzelne Flussläufe überqueren zu können. Dennoch lässt es sich gut und entspannt am Wasser durch die Wiesen schlendern.

Routenüberblick

Startpunkt ist der Bahnhof Lübbenau. Dorthin gelangt man mit den Regionalzügen aus der Berliner Innenstadt in ca. einer Stunde Fahrzeit. Für einen möglichst stressfreien Ausflug empfehle ich, mindestens 4 Stunden einzuplanen. Man kann natürlich auch noch problemlos mehr Zeit im Spreewald verbringen und die Ruhe auf sich wirken lassen. Die Route führt über verschiedene Wiesen und Kanäle bis nach Lübben. Von dort kann man dann wieder mit dem Regionalzug zurückfahren, so dass man nicht auf das Auto angewiesen ist. Die Routenfakten sind in der Tabelle noch einmal kompakt zusammengefasst:

Kurzfakten zur Route
(Download Route)

Bahnhof Lübbenau
Bahnhof Lübben
Regionalbahn
15,6 km
4 Stunden

Den Weg seht Ihr hier:


Start in Lübbenau

Nach dem Ausstieg an dem relativ großen Bahnhof in Lübbenau folgt man nicht der Menschenmasse zur Innenstadt und den Kahnfahrten, sondern läuft auf der Hauptstraße nach Norden bis die Karl-Marx-Straße rechts abgeht. Dort hinein und kurz darauf in die Lange Straße und schon verlässt man den Ort und begibt sich auf den Damm westlich des Kamske genannten Stadtgrabens. Mit jedem weiteren Schritt wird es leiser und weniger voll, der Wind raschelt durch die Wiesen und man kommt langsam in einen Ruhemodus.

Weite, leere Wiesen

Etwas weiter gelangt man über ein kleines Wehr auf den Hauptdamm, der den Spreewald eingrenzt. Ein kurzes Stück später führt eine Brücke rechter Hand über den Spreehauptarm und von dort in die Flutungsgebiete. Auf einem breiten Weg, der auch von einigen Radfahrern genutzt wird, geht es an kleinen Schwemmsandhügeln vorbei – immer gemütlich der Nase nach Richtung Norden. Der Weg wird ein wenig schmaler und führt dann am sogenannten Barzlinfließ entlang, bis man eine weitere Brücke über den Burg-Lübbener-Kanal erreicht.

Hinter dem Kanal in feuchtere Gefilde

Nach der Kanalquerung biegt der Hauptweg rechts ab, ich halte mich allerdings links. Auf dem Damm läuft man an einem kleinen Aussichtsturm vorbei, der einem einen tollen Blick auf die Umgebung und einige Wildtiere bietet. Weiter geht es nun wirklich sehr allein. Die leichte Brise um die Nase spürend folgt man der Krümmung des Damms nach Norden. Kurze Zeit später erreicht man dann das Schöpfwerk Kockrowsberg. Dort inmitten der von Insekten summenden und brummenden Umgebung lässt sich prima eine kleine Pause. Einen schönen Blick auf die stehenden Wasseransammlungen und das Schilf auf den ehemaligen Landwirtschaftsflächen hat man zudem. Mit etwas Glück sieht man auch einen Silberreiher bei der Futtersuche. Die Kulisse und Geräusche beruhigen sofort und so kann man minutenlang einfach nur dasitzen, die Umgebung in sich aufsaugen und den Blick in die Ferne schweifen lassen.

Stehendes Gewässer im Naturschutzbereich

Endspurt nach Lübben

Nach einer ausgedehnten Pause an diesem schönen Fleckchen Erde geht es wieder auf dem Damm weiter Richtung Norden, der am Ende des Naturgebiets auf dem sogenannten Nordumfluter-Kanal endet. Über eine Brücke geht es auf den mittleren Dammteil zwischen Hauptkanal und kleinem Nebenkanal und nun stetig Richtung Westen / Nordwesten. Hier ist es zwar nicht mehr ganz so menschenleer wie vorhin und auch der Damm ist natürlich künstlich geschaffen. Dennoch tut es gut, neben dem Wasser entlang zu spazieren und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Auf halber Strecke geht es über eine kleine Brücke auf die östliche Seite des kleinen Kanals. Hier kann man gemächlich die restliche Strecke, in ähnlich langsamem Tempo wie das Wasser, bis Lübben laufen. Kurz vor dem Ortseingang begegnete ich bei meiner Wanderung einem Bauern, der mit einem Uralt-Traktor ein Feld bearbeitet. Es wirkte etwas aus der Zeit gefallen, aber die heutige Großmaschinen sind wahrscheinlich zu schwer für das leicht sumpfige Terrain.

In Lübben angekommen, beschließe ich, noch die Schlossinsel zu besuchen und vor der Rückfahrt durch den kleinen Stadtpark westlich des Zentrums zu flanieren. Hier ist es zum Abschluss noch einmal sehr angenehm kühl unter zahlreichen Bäumen und an den kleinen Kanälen. Außer einem Entenpaar und einem lautstarken Erpel, der um ihre Gunst buhlt, ist sonst wenig los und ich kann zum krönenden Abschluss entspannt auf einer kleinen Parkbank das Bäumerascheln sowie den leicht harzigen Geruch wahrnehmen und den Moment mental festhalten.

Wer möchte kann in Lübben noch ein Café oder Restaurant vor der Rückreise aufsuchen. Für mich geht es aber an diesem Tag direkt zum Bahnhof und mit dem Zug zurück.

In diesem Sinne

Der Spreewald ist so vielfältig, dass man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Auf dieser Tour geht es zu Fuß von Lübbenau im Süden nach Lüben im Norden. Abseits der Haupt-Radwege tun sich kleine Fließe auf und auf den Wiesen summt und zirpt das Leben, wie man es sonst nur noch selten hört. Ein ausgesprochen schöner Ausflug, um die Seele baumeln zu lassen und zu entspannen.