Unsere Wälder werden sich verändern (müssen)

Ein weiterer Klimagipfel hat letztes Jahr getagt und die Ergebnisse waren, naja, überschaubar. Jetzt bekommt das Thema Klimaschutz durch die wachsende Zahl an Schülerprotesten wieder verstärkt Aufmerksamkeit in den Medien und auch auf den Straßen. Nur wie ist das mit dem Klimaschutz und Wäldern?

Es gibt ja immer noch einige Länder weltweit, die der Meinung sind, dass es sinnvoll ist (Regen-)Wald abzuholzen und darauf Sachen für den Export anzubauen. Mit Vorliebe Soja für die Viehzucht und für Fleischersatzprodukte (verrückt, wenn man es so betrachtet, dass sowohl Vegetarier als auch Fleischesser dem Klima schaden). Von Seiten der industrialisierten Welt heißt es dann immer, dass mehr Wald aufgeforstet werden soll, um CO2 natürlich in Form von Biomasse zu speichern. Dazu gibt es auch so schöne werbewirksame Aktionen, wo man durch den Kauf bestimmter Produkte die Aufforstung unterstützen kann (ob und mit welchen Bäumen das dann erfolgt, ist eine andere Sache).

Prinzipiell klingt das erstmal gut. Doch wie sieht es eigentlich bei uns mit unserem Wald aus? Ja es gibt wieder Aufforstungen und inzwischen wird auch mehr für den Naturschutz gemacht als früher, sodass sich der Wald und seine Bewohner im Vergleich zu den saure-Regen-Zeiten der 80er wieder erholen konnten. Allerdings sind mit Pestizid- und Insektizid-Einsatz weiterhin viele Bedrohungen für das Ökosystem vorhanden.

Man mag es sich heutzutage kaum vorstellen, aber auch hier in Europa gab es einmal Urwald und riesige zusammenhängende Waldflächen. Bereits die Griechen und Römer haben stark in dieses System eingegriffen und viele Bäume und Waldflächen zum Ausbau ihres Militärs abgeholzt. Die danach folgenden Völker haben im Zuge der wachsenden Bevölkerung weitergemacht, schließlich brauchte man nicht nur Rohstoff, sondern auch Platz. Davon abgesehen war der Wald ja immer etwas angsteinflößend, da man früher keine großflächige Beleuchtung hatte.

Mit der startenden Industrialisierung wurde dann nicht nur noch mehr Holz benötigt, sondern auch die Holzproduktion verändert. Maschinell angetriebene Sägewerke/Papierfabriken konnten höhere Stückzahlen produzieren und brauchten entsprechend viel Rohstoffe. Züge konnten viel Holz über weite Strecken transportieren und die ersten Maschinensägen (handlich waren diese nicht) entstanden. In der Folge wurden Bäume wie andere Ackerfrüchte gezielt angebaut und dabei war natürlich der Profit und nicht die Ökologie ausschlaggebend. Das führte dazu, dass gleiche und vor allem schnell wachsende Bäume (Kiefern, Fichten) dicht gepflanzt wurden, um möglichst wenig Äste und viel Stamm zu „ernten“.

Die Probleme dieser Waldhaltung zeigen sich nicht nur an Käferplagen, für die eine Monokultur das reinste Schlaraffenland ist. Nein auch heutzutage und vor allem letztes Jahr konnten wir die Ergebnisse sehen: Riesige brennende Waldflächen und kranke/sterbende Bäume. So gibt es Baumarten, die stärker harzen als andere und Harz wirkt wie Zunder. Zudem gibt es hitzeresistentere Arten, die grundsätzlich schon einmal weniger Wasser benötigen, Trockenheit besser verkraften und höhere Temperaturen besser aushalten. Nur leider sind das nicht die Arten, die hierzulande in den Forstkulturen angepflanzt wurden.

Ideal für das Ökosystem wäre ja eigentlich die aktive Bewirtschaftung zurückzufahren, Totholz im Wald zu lassen und nicht mit schwerem Gerät zu fällen. Das ist schon schwierig mit Blick auf die Interessen dieser Industrie, wird aber in einigen Forsten bzw. Teilbereichen praktiziert. Zudem müssen Förster verstärkt in den Baumbestand eingreifen – auch mit eigentlich nicht heimischen Arten – um die Wälder fit für die kommende Klimaveränderung zu machen. Unabhängig davon werden auch wir unser Verhalten ändern müssen. Nicht nur hinsichtlich unseres CO2-Ausstoßes, sondern auch mit Blick auf andere Emissionen und Umweltgifte, die unsere Wälder zusätzlich unter Druck setzen.

In diesem Sinne: Wälder helfen uns nicht nur uns zu entspannen sondern leisten auch einen Beitrag zum Klima und helfen so auch Menschen auf anderen Kontinenten. Es hilft also nicht nur in den Wald zu fahren, wenn man ihn gerade braucht, sondern auch zu überlegen, wie man sein Verhalten (v.a.Mobilitäts- und Konsumverhalten) verändern und so den Wald unterstützen kann.