Wald und Gesellschaft

Über die zunehmende Erwähnung des Walds zur Klärung unserer Probleme habe ich ja schon in einem der vorherigen Artikel geschrieben. Durch die aktuell verstärkt geführte Klimadiskussion wird das sicherlich noch weiter zunehmen, nicht zuletzt glaubt die Bundesregierung ja an die quasi kostenlose und unendliche Luftsäuberungsleistung vom Wald. Dass dazu etwas mehr als nur Bäumepflanzen gehört, hatte ich ja auch schon erwähnt.

Nichtsdestotrotz hat ja Wald neben seiner Funktion in Zeiten des Klimawandels noch zahlreiche weitere positive Eigenschaften für das Ökosystem und uns Menschen natürlich auch. Menschen und Wald verbindet geschichtlich gesehen eine, wie man so schön sagen würde, wechselhafte Beziehung. Anfangs bot der Wald noch Schutz und Rückzugsmöglichkeiten für die nomadisch lebenden Homo Sapiens, obwohl gleichzeitig auch Furcht vor den Gefahren der darin lebenden Tiere herrschte. Mit dem Sesshaftwerden der Menschen wurde der Wald dann angefangen zu roden, um Felder anlegen zu können und das Holz als Baumaterial zu nutzen. Die Einsatzmöglichkeiten von Holz wurde in der Entwicklungsgeschichte so vielfältig, dass die Römer (und später auch andere Imperien) ganze Landstriche abholzen ließen, um Schiffe, Wägen und anderes zu bauen und Holz als Energieträger zu nutzen.

Mit der Industrialisierung wurde der Holzverbrauch und die Bewirtschaftung noch intensiver und zudem durch Umweltverschmutzung die Lebensgrundlage für Wälder immer schlechter. Manch Herrscher hatte aber seinen eigenen Wald, vor allem zur Jagd, den er auch fleißig pflegen und an nichts fehlen ließ, wohingegen andere Waldbereiche gnadenlos dem Wirtschaftswachstum geopfert wurden. Erst im 20ten Jahrhundert setzte ein Umdenken ein, als durch sauren Regen, und extensive Waldwirtschaft viele Wälder komplett abstarben. Seitdem hat sich der Blick auf den Wald und die Forschung dazu stark verändert.

Für die meisten Eigentümer dient der Wald nach wie vor primär wirtschaftlichen Zwecken. Dennoch soll er für die Menschen auch Erholungsort sein und nach neuesten Erkenntnissen hat er zudem auch heilende Kräfte und soll am Besten der Gesundheitsvor-und -versorgung zur Verfügung stehen. Als wären das nicht schon genug unterschiedliche Anforderungen kommt nun auch noch der Wunsch hinzu, dass Wald beim Erreichen der Klimaziele helfen soll, gleichzeitig aber durch den Klimawandel selbst massiv unter Druck steht.

Zumindest einem Aspekt, nämlich der (gesundheitlichen) Interaktion von Menschen und Wald, widmet sich der erste Berliner Stadtwald-Kongress, an dem ich auch teilnehmen werde und das daher gerne teilen möchte.

Berlin hat als waldreiche Großstadt ein besonderes Interesse am Wald als Naherholungsfläche, Wetter- und Luftbeeinflusser und auch bereits viel Erfahrung in der Begrünung von Stadtflächen. Neben Vorträgen zu medizinischen Erkenntnissen und Fortschritten zum Wald (u.a. Wald auf Rezept) geht es daher bei diesem Kongress auch um die Möglichkeiten einer Stadt, Wald nicht nur vor den Toren zu haben, sondern auch möglichst viel Natur in die Stadt zu bringen.

Grüne Städte machen einfach mehr Laune (und sind gesünder), als reine Betonwüsten. Seit ein paar Jahren versuche ich mich auch darin meinen kleinen Beitrag mit eigenen Sträuchern und Bäumchen auf dem Balkon zu leisten. Seit knapp zwei Wochen habe ich auch wieder einen Neuzugang:

Ein kleiner Mammutbaum

Ich hoffe, er wird irgendwann so groß, dass er im Freien ausgepflanzt werden kann. Immerhin hat er als einziger von ca. 15 Samen überlebt, es scheint also ein Kämpfertyp zu sein :).
Kleiner Hinweis: Wer genau hinsieht, erkennt, dass im Logo dieser Webseite ein Bruder von diesem Mammutbaum abgebildet ist…

In diesem Sinne: Der Wald und die Bäume brauchen uns für die anstehenden Veränderungen. Genauso brauchen wir sie aber auch für unser Überleben und das wird immer mehr Leuten auch bewusst. Wie sich Städte und Wald vereinen lassen und welche positiven Auswirkungen Wald auf unser Gemüt und unsere Gesundheit hat wird unter anderem beim anstehenden Wald-Stadt-Kongress diskutiert. Aber auch unabhängig davon kann jeder durch Bepflanzung seiner Fensterbank/Balkon etc. seinen Teil dazu beitragen, dass seine Stadt grüner wird.