Mitteleuropas größtes Moorgebiet – Das Murnauer Moos im ausklingenden Winter

Nach einigen Touren im Münchner S-Bahngebiet wurde es wieder Zeit für einen weiter entfernten Ausflug ins Oberland. Wegen der nach wie vor verschneiten Berge und kühleren Temperaturen dachte ich zunächst an eine gemütliche Seeumrundung; ein bisschen mehr Abwechslung durfte es dann aber doch sein! Herausgekommen ist ein schöner Ausflug durch das Murnauer Moos mit abschließendem Besuch des bezaubernden Staffelsees. Auch dieses Mal hat mich die Kulisse der Ammergauer Alpen, wie schon bei meinem Ausflug an die Ammerschlucht, verzaubert und es wird sicher nicht der letzte Beitrag zum größten zusammenhängenden Moorgebiet Mitteleuropas gewesen sein.

Inhalt

Das Murnauer Moos, bayrisch für Moorgebiet, ist, wenn man verschiedenen Quellen glauben darf, noch eines der größten, in naturnahem Zustand erhaltenen Moorgebiete Europas. Im nicht gerade dünnbesiedelten Oberbayern, will das schon etwas heißen. Laut Wikipedia beträgt die erhaltene Fläche 32 km², das ist ein Zehntel der Fläche Münchens! Trotz vielfältiger Naturschutzprojekte konnte das Moorgebiet, nicht zuletzt durch den Bau der Autobahn nach Garmisch am östlichen Ende und die Torf- und Gesteinsabbauarbeiten in früheren Jahrzehnten, nicht in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden. Mittlerweile wird die Bedeutung der Moore als CO2-Senken für den Klimaschutz als immens wichtig erachtet. Mal sehen, was das für die Zukunft bedeutet und ob weitere Flächen renaturiert und wieder vernässt werden. Unabhängig davon aber allemal ein Grund sich das Ganze näher anzugucken.

Das Murnauer Moosgebiet ist in mehrere Teil-Moorgebiete unterteilt, die auch immer wieder durch kleinere Waldabschnitte unterbrochen sind. Durch den geltenden Naturschutz auf großen Teilen des Gesamtgebietes und die damit verbundene Verzicht auf intensive Landnutzung bietet es mittlerweile vielen seltenen und vom Aussterben gefährdeten Pflanzen- und Tierarten Schutz. Um diese Fauna und Flora zu bewundern, bieten sich vor allem die Frühlingsmonate an. Nichtsdestotrotz lohnt auch ein Besuch im Winter, hat doch diese riesige Freifläche dann einen ganz eigenen Charme.

Routenüberblick

Start- und Endpunkt der heutigen Tour ist der Bahnhof Murnau, der gut mit der Werdenfelsbahn in ca. 1 Stunde vom Münchner Zentrum erreicht werden kann. Über die Marktstraße Murnaus geht es in einem Bogen nach Ramsach und von dort in den Nordteil des Moorgebiets. Hier folgen wir dem kleinen Lindenbach bis zum Abzweig nach Norden in das Waldgebiet südlich Grafenaschaus. Der Weg führt uns innerhalb des Waldes durch das Hochmoor „Langer Filz“ bis nach Grafenaschau, von wo es dann relativ steil hinab bis zum südlichen Seeufer des Staffelsees geht. Auf dem Uferweg können wir dann schlussendlich noch entspannt mit tollem Ausblick auf den See zurück nach Murnau flanieren.

Murnauer Moos (Download Route)

Routen-EndpunkteMurnau
Routen ÖPNV-AnschlussRegionalbahn
Routenlänge17,00 km
Routendauer4 - 4,5 Stunden

und natürlich die Karte

Vom Bahnhof durch die Altstadt zum kleinen Dörfchen Ramsach

Nach dem Ausstieg am Murnauer Bahnhof merkt man nicht nur an der imposanten Bergkulisse am Horizont sofort, dass man sich in den Ausläufern der Alpen befindet. Zunächst heißt es nämlich den Hügel hinab Richtung Murnauer Altstadt zu laufen. Die historische Marktstraße – unterteilt in Ober- und Untermarkt – selbst ist ebenfalls abschüssig und könnte einem Bilderbuch zu Bayern entspringen. Nicht so steil und bekannt wie jene aus Bad Tölz aber es fehlt nicht viel 🙂 Gerade durch den See, das Moor und natürlich durch die nahegelegene Unfallklinik der Berufsgenossenschaft ist Murnau Touristen gewohnt und das sieht man auch an den Geschäften. Jetzt im Winter ist es aber vergleichsweise leer; also ideal für uns.

Wir halten uns rechter Hand und laufen über den Schlossergraben zur Mühlstraße, die uns unter der Bahntrasse hindurch auf die andere Seite führt. Dort biegen wir wieder rechts auf die Ramsacher Straße ab und haben den Ort nach gut 2,5 km Wegstrecke hinter uns gelassen. Dafür werden wir gleich mit einem wunderbaren Ausblick auf die Bergkette mit einer dramatischen Wolkenstimmung belohnt:

Ausblick auf die Ammergauer Berge kurz vor Ramsach
Kurz vorm Zugang ins Murnauer Moos erwartet uns diese Wolkenstimmung

Das helle Licht in dem Wolkenloch erinnert ein bisschen an die „Herr der Ringe“-Filme… Wir folgen den asphaltierten Straße vorbei am Wanderparkplatz und erreichen das kleine Dorf Ramsach nach weiteren 10 Gehminuten. Nicht unüblich für Bayern erwartet uns am Dorfeingang eine kleine Kirche mit typischem Zwiebeltürmchen.

Das Kircherl bei Ramsach in der Nähe von Murnau
Das kleine, aber nicht minder schöne Kircherl vor Ramsach

Hinein ins Murnauer Moos und über den langen Filz nach Grafenaschau

Kurz hinter der Kirche führt eine kleine Brücke über das Bächlein mit demselben Namen wie die Häuseransammlung: Der Eintritt in das Moorgebiet! Nun verlassen wir die „Zivilisation“ und sehen für die nächsten 8 km keine Bebauung, das hat schon Seltenheitswert!

Mystische Stimmung im Murnauer Moos mit dramatischem Wolkenspiel
Das dramatische Wolkenspiel und die halb verhangenen Berge erzeugen eine mystische Stimmung

Auf einem breiten Kiesweg geht es in südwestlicher Richtung immer weiter in das Naturschutzgebiet hinein. Links und rechts liegen die Moorflächen, nun im Winter leider nur gelb und ohne bunte Farbtupfer. Steter Begleiter ist der „Ramsach“-Bach, der dann weiter wasseraufwärts den Namen zu „Lindenbach“ wechselt:

Lindenbach im nördlichen Murnauer Moos vor verhangener Bergkulisse
Unser konstanter Begleiter durch das Moorgebiet: Der kleine Lindenbach

Zu dieser Jahreszeit – und vielleicht auch wegen dem etwas wechselhaftem Himmel – ist kaum jemand anderes unterwegs, sodass man diese einmalige Kulisse entspannt genießen und in sich aufsaugen kann. Hie und da gibt es ein kleines Bankerl am Wegesrand, was zum Verweilen einlädt. Ich bin vor allem davon angetan, dass man hier den Blick über die freie Fläche kilometerweit schweifen lassen kann ohne menschliche Bauten zu sehen. Das ist in einer so dicht besiedelten und verbauten Region wie Süddeutschland schon sehr selten.

In Gedanken versunken und langsam den Weg entlang spazierend verfliegen die knapp 4 km Wegstrecke bis zum Abzweig nach Grafenaschau wie im Nu. Die Landschaft schaut überall ähnlich aus, sodass man die Zeit leicht vergisst und den Kopf schnell frei von irgendwelchen Alltagsgedanken bekommt. Die scheinbare Monotonie wirkt hier wahre Wunder 😉

Gefühlt eher unvermittelt erreichen wir also den Abzweig und die Brücke über den Lindenbach, die uns in den nördlichen Teil der Moore und zum Waldgebiet führt. Ein letzter Blick zurück, zeigt eine Landschaft, die man auch irgendwo in den USA vermuten könnte:

Traumhafte Bergkulisse im Murnauer Moos kurz vor dem Langen Filz
Ein letzter Blick auf die Bergkulisse bevor es Richtung Langer Filz weitergeht. Der für das Blaue Land berühmte bläuliche Bergschimmer kommt hier gut zur Geltung.

Auf der anderen Bachseite erwartet uns ein Forstweg, der sich langsam einen Hügel hinaufwindet. Wir folgen dem kleinen Pfeil auf den Schildern und gelangen nach nicht einmal 10 Minuten zum Anfang des sogenannten „Bohlenwegs“. Dieser aufgeständerte Holzweg wird uns nun ca. 1 km durch das Hochmoorgebiet „Langer Filz“ führen und entspricht dem, was ich mir die ganze Zeit für das gesamten Moorgebiet vorgestellt hatte. Ein schmaler Pfad, der nur Fußgängern offen steht und sich durch eine buschige und ansonsten karg wirkende Landschaft schlängelt. Aber der karge Anblick täuscht natürlich. Hier tummelt sich das Leben mit an diese Landschaft perfekt angepassten Tieren und Pflanzen; jetzt im Winter läuft das meiste Leben allerdings auf Sparflamme.

Bohlenweg durchs das Moorgebiet "Langer Filz" bei Grafenaschau
Durch das „Langen Filz“ Moorgebiet führt ein aufgeständerter Holzweg

Wie so vieles, was Spaß macht, ist auch dieser kleine Glücksmoment viel zu schnell vorbei. Nach einer guten Viertelstunde ist der Lange Filz durchschritten und wir landen wieder auf einem Forstweg, der uns aus dem Wald hinaus und zu dem kleinen Dorf Grafenaschau bringt. Ohne es zu bemerken, haben wir seit dem Abzweig in Richtung Wald und langer Filz wieder knapp 70 Höhenmeter überwunden und befinden uns jetzt sogar ein wenig höher als am Startort Murnau.

Wer nach den nun insgesamt gut 10 km Weg genug vom Laufen hat, kann sich von der Ammergaubahn wieder Richtung Murnau kutschieren lassen. Für alle anderen gibt es nun zum Abschluss noch einen Abstecher an den Staffelsee; der krönende Abschluss sozusagen und ein nicht minder bezauberndes Schmankerl für die Seele wie das Moorgebiet.

Gemütlicher Spaziergang am Südufer des Staffelsees zurück nach Murnau

Angelangt am südwestlichen Dorfende Grafenaschaus müssen wir zunächst einmal quer durch den Ort an das nordöstliche Ende laufen. Bei der überschaubaren Größe der Häuseransammlung ist das aber in nicht einmal 5 Minuten geschafft 🙂 Dem „Hinteren Grabbichl“ folgend erreichen wir einen Weg, der uns hinab zum Seeufer führt. Der Weg wird zum Pfad und so geht es die vor einer guten halben Stunde noch hochgelaufenen Höhenmeter ziemlich schnell wieder hinab.

Unten empfängt uns dieser – scheinbar die Ruhe in sich tragende – See mit einer traumhaften Kulisse:

Sonnenuntergang am Staffelsee unterhalb von Grafenaschau
Unterhalb von Grafenaschau werden wir mit einem tollen Ausblick auf den Staffelsee belohnt

Wir sind jetzt fast am westlichsten Punkt des Sees und können noch einen Blick auf das kleine Moorgebiet am Westufer, das „Obernacher Moos“ werfen, bevor es in östlicher Richtung gen Murnau weitergeht. Auch hier ist erstaunlich wenig los, was vielleicht auch an der mittlerweile fortgeschrittenen Uhrzeit und der langsam weniger werdenden Sonne liegen mag. Gut für uns, so haben wir dieses schöne Panorama, das leise Plätschern des Wassers am Uferrand und den breiten Uferweg für uns allein.

Immer schnurgerade, die Murnauer Häuser auf dem Hügel vor Augen, geht es so gemütlich auf dem Weg voran. Wir laufen an der kleinen Insel „Wörth“ vorbei, leider sieht man nicht allzu viel. Dennoch leben hier sage und schreibe 5 Menschen, also fast eine Privatinsel :). Die Sonne neigt sich immer weiter gen Horizont, sodass zusätzlich eine bezaubernde orange-farbene Lichtstimmung hinter dem blau glitzernden See entsteht.

Nach einer guten Stunde gemütlichen Spazierens erreichen wir die Ausläufer der Murnauer Stadt am Fähranleger Achele. Mit den Häusern sind auch die Feldwege passé, sodass es von nun an auf Asphalt weitergeht. Zunächst auf der Seestraße, wechseln wir auf den kleinen Fußgängerweg daneben und steigen die gut 30 Höhenmeter bis zur Unterführung unter den Bahngleisen hinauf. Hier oben bietet sich noch einmal ein Postkartenblick auf den See in der einsetzenden Abenddämmerung:

Blick auf den Staffelsee in der Abenddämmerung vom oberen Ortsteil Murnaus
Das Dämmerlicht lässt den Staffelsee noch einmal schöner wirken

Wenige Gehminuten später stehen wir wieder auf dem Bahnsteig für die Rückfahrt nach München. Alternativ lohnt es sich natürlich auch noch den Tag bei einer zünftigen Mahlzeit in einem der Bräuhäuser an der Marktstraße ausklingen zu lassen.

In diesem Sinne

Lange links liegen gelassen, weil die Berge in der Umgebung zunächst interessanter erschienen, habe ich heute das Murnauer Moos für mich und meine Leser entdeckt. Nur 1 Stunde Zugfahrt von München entfernt, findet man hier fast unberührte Natur, Ruhe und eine in Oberbayern sonst untypische Weite auf den geschützten Moorflächen. Hier lässt es sich super abschalten, den Blick in die Ferne schweifen und natürlich ungestört Wandern, vor allem im Winter! Das größte noch erhaltene Moorgebiet Westeuropas regt zudem zum Nachdenken über die eigene kurze Existenz vor dem Hintergrund dieser in der letzten Eiszeit geschaffenen Umgebung an. Für mich eine absolut besuchenswerter Landstrich; ich werde sicher wiederkommen und den Südteil des Moores besuchen!

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