Brecherspitz

Dieses Jahr sind ein paar größere Wanderungen hinzugekommen, die ich nach und nach auch vorstellen möchte. Es ist mein erklärtes Ziel, die umgebenden Berge von München besser kennenzulernen. Jetzt mit dem 9€-Ticket ist die Hürde noch einmal deutlich niedriger und an viele „Hausberge“ in den bayerischen Voralpen kommt man ja auch gut mit den Öffentlichen. Nach den letzten Berg-Ausflügen zu den Walchenseebergen und auf die Benediktenwand in der Nähe der Jachenau, war es jetzt einmal Zeit für das Mangfallgebirge im Osten. Am Bekanntesten ist natürlich der Wendelstein, der sich gut zusammen mit dem Breitenstein besteigen lässt. Heute soll aber ein etwas weniger charakteristischer Gipfel im Vordergrund stehen: Die Brecherspitz.

Inhalt

Routenüberblick

Die heutige Tour hat mit 680 Metern Höhendifferenz vom Startpunkt bis zum Gipfel genau das richtige Schwierigkeitslevel für einen schönen Tagesausflug. Die Brecherspitz ist mit 1683 m ü. NN nicht allzu hoch, aber unterschätzen sollte man es trotzdem nicht. Auch hier gab es leider dieses Jahr schon einen Absturz. Also wie immer gilt: Gute Ausrüstung und seine Fähigkeiten ehrlich einschätzen können!

Meine Tour startet in Fischhausen und endet dort auch wieder. Sie ist ungefähr dreizehn Kilometer lang und vier bis fünf Stunden sollte man für einen entspannten Ausflug schon einrechnen. Nach Fischhausen kann man sich entspannt von München mit der BOB (jetzt BRB) chauffieren lassen und nach der Tour noch am Schliersee die Füße ins kalte Nass halten. Die schöne Bahnstrecke führt am See vorbei bis nach Fischhausen-Neuhaus kurz dahinter. Hier sind noch einmal die Grobfakten zur Route:

Brecherspitz (Download Route)

Fischhausen-Neuhaus
Fischhausen-Neuhaus
Regionalbahn
13,15 km
4 – 5 Stunden
⬈ 2050 Hm
⬊ 2050 Hm

und hier die obligatorische Karte auch zum Download:


Aufstieg über die Ostflanke

Los geht’s in Fischhausen-Neuhaus an der BOB-Station und von dort laufen wir dann auf der Waldschmidt-Straße durch den Ort die Brecherspitz und die umgebenden Hügel direkt vor uns. Insgesamt eine sehr schöne Kulisse und ich stelle es mir schön vor, jeden Tag hier aufzuwachen und den Blick auf diese sanften Berghänge zu haben. Wer möchte kann den Schildern zu den Josefstaler Wasserfällen folgen. Das hab ich mir aber heute gespart, weil es ja heute auf den Berg gehen soll. Die Straße laufen wir entlang bis sie auf den Buchenweg kreuzt und dann beginnt auch schon der Feldweg.

Die Routenführung, die ich mir ausgesucht habe, ist ein wenig versteckt und auch nicht wirklich ausgeschrieben. Der Hauptwanderweg zur Brecherspitz verläuft weiter westlich über die Ankelalm. Deswegen muss man sich gut orientieren können. Es folgen dann mehrere kleinere Wege rauf auf den sogenannten Bockerlbahn-Weg, der deutlich breiter und stark frequentiert ist. Immer weiter Richtung Süden laufen wir in Richtung Spitzingsee, der auch angeschrieben ist. Die Brecherspitz wird nicht aufgeführt, man kann diesen Weg aber dennoch nutzen, um zum etwas versteckten Aufstieg zu gelangen. Liegt Fischhausen noch auf gut 800 m ü. NN haben wir relativ schnell 300 Höhenmeter überwunden; noch bevor der eigentliche Aufstieg erfolgt.

Nach ca. 3,5 km Wegstrecke ist es dann soweit und ein kleiner Pfad zweigt rechter Hand vom Hauptweg ab. Es geht dann im Zickzack den Berg hoch. Der Weg ist relativ klein, also sollte man gut aufpassen, wo man läuft. Bei Schnee würde ich auch nicht unbedingt empfehlen, hier zu laufen, da ich es schon ohne Schnee relativ schwierig fand, die Orientierung auf dem Weg zu behalten. In nur 1,5 km werden die nächsten 300 Höhenmeter auf diesem steilen Flankenweg überwunden. Dabei führt der Weg über Wald, Wiese und ein wenig Geröll. Wie bei allen Bergtouren gilt, gutes Schuhwerk ist Pflicht. Der relativ steile Endanstieg führt uns dann auf eine größere Wiese, wo wir dann auch wieder auf den Hauptweg von der Ankelalm einkreuzen. Auch wenn diese Route nicht ausgeschildert ist, war ich den breiten Trampelpfaden nach zu urteilen nicht der Einzige, der sie gelaufen ist.

Bis zum Gipfel und über den Kamm

Es geht dann über die Wiese und dann mit ein wenig Kraxelei – kein Steig, aber grobe Steine, die überstiegen werden müssen – rauf auf den Gipfel. Nach gut zweieinhalb bis drei Stunden hat man sich dann die Pause auf der Brecherspitz bei tollem Rundumpanorama wirklich verdient. In westlicher Richtung zeigt sich ein Zipfel des Tegernsees und im Rücken kann der Spitzingsee bestaunt werden:

Hinter dem Rainerkopf lugt ein Teil des Tegernsees hervor
Brecherspitz Blick Richtung Süden auf den Spitzingsee und die Kitzbüheler Alpen im Hintergrund
In entgegengesetzter Richtung zeigt sich der Spitzingsee und die Kitzbüheler Alpen

Wenn das Wetter gut ist, ist allerdings auch relativ viel los auf der vergleichsweise kleinen Brecherspitz. So kann es schon auch sein, dass man ein wenig stehen muss, da nicht wirklich viele Sitzgelegenheiten da sind. Dennoch ist der weite Blick in die Umgebung alle Anstrengungen wert. Bei Sonnenschein kann man auch bis in die Ausläufer der Kitzbüheler Alpen sehen und die tiefblauen Flecken der Seen heben die innere Stimmung sowieso noch einmal mehr.

Sobald man sich ausgeruht und ein wenig satt gesehen hat – so wirklich satt wird man ja nie von dem Blick, heißt es eine Entscheidung treffen: Entweder auf demselben Weg wieder absteigen, über den Süden zum Spitzingsattel und -see absteigen und dort noch ins Wasser springen oder über den Kamm zum Brecherspitz Vorgipfel. Der Kamm ist zwar relativ breit, aber dennoch ein Kamm und damit zumindest an der einen Seite relativ steil abfallend. Trittsicherheit ist dabei auf jeden Fall nötig, aber ansonsten ist es gut machbar.

Ich habe mich für den Kamm entschieden, weil man dadurch noch ein wenig länger auf gleicher Höhe läuft, den Ausblick genießen kann und noch den zweiten, kleineren Gipfel besucht. Der Vorgipfel liegt auf 1640 m ü. NN und ist damit nur unwesentlich niedriger. Vom Brecherspitz-Hauptgipfel geht es dann nach Westen auf den Kamm und an Latschenkiefer und kleineren Felsbrocken vorbei erst einmal ein Stückchen bergab. An zwei – drei Stellen muss man ein bisschen mehr aufpassen und es sind auch Halte-Drahtseile gespannt, aber für geübte Wanderer sollte das kein Problem sein.

Kamm zwischen der Brecherspitz und dem Brecherspitz Vorgipfel teilweise drahtgesichert
Auf dem begrünten Kamm

Nichtsdestotrotz gab es auch hier Ausflügler, die sich etwas zu viel zugemutet hatten und nur die Wahl zwischen umkehren oder weitergehen hatten; es gibt leider keine Abstiegs-Möglichkeit zwischendrin. Der Kamm führt auf ca 500 Metern auf die andere Seite und steigt zum Ende noch ein wenig zum Vorgipfel an. Auch wenn der Blick hier nicht so viel anders ist, lohnt es doch noch einmal innerzuhalten und das Bergpanorama innerlich festzuhalten. Im Nordern zeigt sich der Schliersee am Ende der Scharte, in der die Ankelalm liegt:

Blick von der Brecherspitz ins Tal auf die Ankelalm und den Schliersee im Hintergrund
Blick ins Tal mit der Ankelalm

Und nach Osten kann man noch einmal den Weg, den man soeben beschritten hat, bestaunen:

Blick auf den Kamm zur Brecherspitz
Blick über den Kamm zurück zur Brecherspitz

Rückweg über die Freudenreich-Alm

Vom Vorgipfel der Brecherspitz hat man die Möglichkeit über die Firstalm und den Suttenstein nach Rottach-Egern und weiter zum Tegernsee abzusteigen. Alternativ bietet sich auch ein Weg über die Firstalm zum Spitzingsee an. Ich wollte aber wieder in Richtung Schliersee und habe mich daher für den Weg über die Freudenreich-Alm entschieden.

Erst geht es daher ein Stück hinab bis zur kleinen Kapelle Sankt Leonhard mitten am Hang. Das fand ich sehr schön, dass mitten am Berg eine kleine Kapelle steht und weit und breit kein anderes Bauwerk: schon sehr typisch Bayern. Kurz vor der Kapelle zweigt ein kleiner Weg linker Hand ab, der dann relativ steil die saftig-grüne Wiese hinabführt. Innerhalb von ca. 500 Metern sind auch schon wieder 200 Höhenmeter überwunden. Und so gelangt man dann an einer Alpe vorbei an die Freudenreich-Alm. Hier endet eine geschotterte Versorgungsstraße, die auch gerne von Radfahreren – vor allem solchen mit E-Bike – genutzt wird.

Die Alm ist noch sehr urig und komplett ohne Elektrifizierung. Das heißt, alles funktioniert mit Kerzen, einem natürlichen Kühlschrank und Solarkollektoren bzw. Generatoren. Der Kuchen schmeckt dennoch hervorragend und Limo oder wahlweise Bier gibt’s auch. Ich finde, jeder der hier vorbeikommt, sollte hier einen kleinen Brotzeit-Stop einlegen und das Ambiente in dieser herrlichen Kulisse bei einer kleinen Stärkung genießen. Der Abstieg erfolgt früh genug.

Ab der Alm heißt es dann der Versorgungsstraße folgen, die sich in größeren Bogen hinab ins Tal windet. Die Straße ist relativ breit und der Untergrund natürlich nicht so angenehm zu begehen, wie die Trampelpfade zuvor. Das macht aber überhaupt nichts, da es durch ein wunderschönes Gebiet geht und der eigentliche Weg dadurch sowieso in den Hintergrund rückt. Obwohl es bei mir auf der Brecherspitz schon sehr voll war, ist auf diesem Weg so gut wie niemand unterwegs gewesen. So konnte ich ohne große Störung durch Mountain-Biker oder Anderes die Landschaft genießen.

Es geht vorbei am Eckspitz und dann gegen Ende am Dürrnbach entlang bis nach Fischhausen. Die ca. 5 km bis zum Ort kann man sich ohne Eile einfach treiben lassen, vor sich hintrottend seinen Gedanken nachhängen und die tolle Aussicht sowie die Umgebung genießen. Nach etwas mehr als einer Stunde erreicht man dann auch schon wieder der Start- und Endpunkt. In Fischhausen angelangt, geht es dann über die Bodenschneidstraße zum Bahnhof und von dort zurück mit dem Zug.

In diesem Sinne

Eine weitere Tour an die Münchener Hausberge ist geschafft und diesmal ging es in den östlichen Teil der bayerischen Voralpen, genauer gesagt auf die Brecherspitz im Mangfallgebirge. Hier gibt es ebenfalls viel zu entdecken und mit der Regionalbahn und dem 9€-Ticket ist alles auch günstig und einfach zu erreichen. Nach einem recht knackigen Anstieg wird man mit einem tollen Ausblick auf den Tegern-, Spitzing- und Schliersee belohnt. Auf einem Kamm geht es zum westlichgelegenen Vorgipfel und hinab über die urige Freudenreich-Alm zurück nach Fischhausen. Insgesamt eine sehr schöne Tour, die sportlich genau richtig ist für einen Tagesausflug ist, den Kopf von Alltagsgedanken befreit und uns glücklich-erschöpft nach Hause fahren lässt.

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