Wald und Baden entlang der Leitzach

Erst vor einer Woche habe ich wieder einen Artikel gefunden, in dem der Einfluss der Natur auf die menschliche Psyche thematisiert wurde. Darin (hier) geht es zwar primär darum, wie Smartphones genutzt werden können, um mehr über das Seelenheil seiner Nutzer herauszufinden,weil es bei den meisten quasi immer dabei ist und dadurch passiv Umgebungsdaten sammelt. Bin ich persönlich kein Fan von, aber an einer Stelle zitiert der Autor eine Studie, in der herausgefunden wurde, dass Städter ein deutlich höheres Risiko zu haben scheinen, an einer psychischen Krankheit zu erkranken, als ihre ländlichen Mitbürger. Dies lässt sich scheinbar auf die den Faktor Natur und „Grün“ in der näheren Umgebung zurückführen, sodass auch innerhalb der Stadt Unterschiede je nach Grünfläche des Viertels feststellbar sein müssten.

Dennoch verwundert das nicht, wird doch die positive Wirkung von der Farbe Grün, Pflanzen und mehr oder minder unveränderter Natur (ohne sichtbare menschliche Eingriffe) schon länger und immer häufiger in wissenschaftlichen Untersuchungen aufgezeigt. Inzwischen ist ja auch der Wald stärker in den Fokus gerückt (siehe auch mein Post vom Waldbadekongress), wobei die ersten Untersuchungen zahlreiche positive Einflüsse auf das Immunsystem und die Psyche vermuten lassen. Ideale Vorsorge also in der aktuellen Zeitt, die neben den gesundheitlichen Gefahren durch die generelle vorherrschende Unsicherheit auch an der Psyche nagt.

Routenüberblick


Daher schreibe ich heute eine Route nicht für die bisher relativ glimpflich davon gekommenen Hauptstädter, sondern für die stärker Corona-geplagten Münchner Stadtbewohner. Wie immer versuche ich die Routen so zu legen, dass An- und Abreise mit dem Nahverkehr erreicht werden kann. Im autoverliebten Bayern ist das nicht immer einfach, aber nicht unmöglich.

Los geht es in Feldolling. Ende ist in Darching und man sollte gut 4 Stunden reine Wegzeit einplanen. Nach Feldolling kommt man stündlich mit dem Zug vom Hauptbahnhof nach Rosenheim (Zustieg auch über die S-Bahn-Endstationen Kreuzstraße oder Holzkirchen).


Durch den Wald zum Fluß


Entlang der Hauptstraße geht es über die Mangfall und dann rechts auf den Feldweg. Wer möchte kann hier geradeauslaufen und trifft dann automatisch auf den Flußlauf der Leitzach, auf den mein Weg später stößt. Ich wollte nicht so lange entlang der Wiese laufen, deswegen geht es relativ kurz hinter der Brücke schon wieder links auf den Wald zu und dort auf die sichtbare Anhöhe. Weiter in einem kleinen Zickzackkurs über lichtere Teile kommt man dann in das eigentliche Waldstück.
Wenn man, so wie ich häufig in Ostdeutschland unterwegs ist, sieht man sofort den Unterschied. Es stehen viel weniger Kiefern, der Boden ist nicht sandig sondern eine Mischung aus Steinen und Humus, aber vor allem: es ist nicht so trocken. Selbst Menschen, die keine Forstwirte sind, erkennen in Ostdeutschland den Wassermangel und den Stress der Bäume.

Hier im Leitzachtal sehen die Bäume gesund aus und Moos wächst auf dem Boden und die klassischen braunen Ameisenhügel aus Reisig und Nadelresten türmen sich immer mal wieder am Wegesrand. Wie immer braucht es ein wenig, bis man anfängt innerlich runter zu fahren, langsamer läuft und die Gedanken loslässt. Es geht in Serpentinen ganz langsam einen Hügel hoch und mit ein bisschen Glück begegnet man nur vereinzelt anderen Naturhungrigen. Nach gut einer halben Stunde hört man Stimmengewirr und vergnügtes Planschen und weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist.

Die Leitzach stehts im Blick


Einen kleinen Abhang hinunter kommt man auf einen Trampelpfad links der Leitzach, dem man flußaufwärts folgt. Immer wieder liegen große Steine im Flußbett, die zum Baden einladen.

Wir wandern im Landschaftsschutzgebiet weiter flußaufwärts bis wir zu einer größeren Flußkrümmung kommen, an der der Weg weggespült wurde. Durchs Geäst geht es um die Ausspülung herum, dahinter bietet sich eine Pause an. Wenn die Sonne scheint, das Wasser glitzert und vor sich hin plätschert und sich hinter einem die Bäume leicht im Luftzug wiegen, ist man mit der Welt und sich im Reinen. Zumindest geht es mir immer so. Eine Stärkung tut ihr Übriges, wer will kann auch Baden und sich etwas abkühlen. Nach 15-20 Minuten des Im-Moment-Verweilens kann dann der Weg fortgesetzt werden.

Auf dem wieder größer gewordenen Waldweg geht es an einem ca. 30 m hohen Abhang vorbei (da ist scheinbar auch etwas weggespült worden), bis man zu einem Campingplatz kommt. Dort über die Brücke führt der Weg an einer Ausflugsstraße nun rechts der Leitzach entlang. Die Straße ist zum Glück nicht so lang, sodass man relativ schnell an der Stelle ankommt, an der die Straße links wieder über die Leitzach führt und wir geradeaus auf einem Feldweg weiterwandern können.

Ein Bad im Seehamer See und Rückweg über Weyarn


Nun geht es auf einem ganz kleinen Abzweig rechts an dem einzigen Haus, das dort steht, den Berg hinauf. Hier tauchen wir zum letzten Mal in den Wald ab und legen noch einmal eine kleine Ruhepause ein.
Nach dem Ende des Anstiegs geht es über ein kleines Feld zu einem größeren Bauernhof, der direkt an der Autobahn liegt. Unter dieser durch kommen wir zu Seehammer See und dem kleinen Ort Großseeham. Das Wirtshaus im Ort hat leider nicht mehr auf, dafür lädt der See aber zu einer längeren Entspannungspause ein.

Das letzte Stück ist leider nicht so schön, wie der bisherige Tourteil, aber notwendig um wieder zur nächsten Bahnstation zu kommen. Bis Kleinseeham, ist man auf einer schönen alten Alleestraße gut unterwegs, ab Bruck muss man aber für ca. 3 km entlang der Landstraße (einen Berg hoch) nach Weyarn; wer gerne trampt kann das auch probieren.
In Weyarn gibt es einige Einkehrmöglichkeiten und das bekannte Kloster, auf jeden Fall ein Abstecher wert, wenn man schon dort ist. Aus dem Ort hinaus folgt man den Fahrradschildern nach Darching und nicht die Landstraße nach unten. Auf diesem Weg läuft man an der Oberkante des Mangfalltals bis zur Autobahnbrücke über das Tal. In deren Bauch kann man auf die andere Talseite kommen ohne runter und wieder hoch zu müssen. Ein Blick nach unten zeigt das ruhig daliegende Magfalltal, das ich weniger groß vermutet hatte. Ein Grund mehr einen der nächsten Ausflüge dorthin zu unternehmen.
Hinter der Brücke noch ein Stückchen Feldweg und man erreicht die BOB-Station Darching, von wo aus man zurück nach München fahren kann.

In diesem Sinne


Gerade in Bayern hat Corona besonders gewütet. Daher eine Route zur Stärkung von Körper und Geist nach den Belastungen der Corona-Einschränkungen und um sich für eine etwaige zweite Welle zu wappnen. Die Route führt durch das schöne Leitzachtal mit zahlreichen Bademöglichkeiten und bietet viel Abwechslung für die Seele.