Edelsberg und Höllschlucht

Meine letzte Rundtour im Allgäu – 4 Tage Höhenwanderung auf dem Jubiläumsweg – ist jetzt schon ziemlich lange her. Dabei bin ich eigentlich relativ häufig in der Gegend. Dennoch hatte ich bisher entweder nicht die Zeit gefunden, die ganzen Bergtouren auch festzuhalten oder es ist einfach schwierig Touren zu finden, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind. Zudem sind ja auch schon viel Routen bekannt aus dem beliebten Urlaubsgebiet rund um das Tannheimer Tal.
Nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, verstärkt auch aus dieser sehr schönen Region Touren vorzustellen, auch wenn die Anreise dann mit den Öffentlichen eher einer eigenen kleinen Weltreise gleicht. Heute also eine Route aus dem Ostallgäu mit vergleichsweise guter ÖPNV-Anbindung: Der Edelsberg inklusive der Höllschlucht und dem Schloßbächel-Tobel. Ein weiteres Ziel für die nächsten Monate ist schließlich auch die verschiedensten Tobel im Allgäu zu bewandern und da passt diese Tour mit gleich zwei schönen Tobeln perfekt rein.

Inhalt

Routenüberblick

Die Route führt von Pfronten-Kappel über die herrliche Höllschlucht und die Kappeler Alp auf den Edelsberg – und wahlweise auf die Alpspitze. Bergab geht es dann über den Wurzelsteig in den Schloßbächel-Tobel, vorbei an der Nesselburg bis nach Nesselwang. Also eine Berg- und Schluchtenwanderung mit viel Grün und Wasser; die ideale Entspannungskulisse und gleichzeitig körperlich ein wenig fordernd. So sollten Körper und Geist nach der Tour wieder gestärkt für den Alltag sein. Nach Pfronten-Kappel kommt man leider nur noch mit dem Bus, der ehemalige Haltepunkt an der Außerfernbahn wurde aufgelassen, so dass man entweder mit dem Zug nach Pfronten-Weißbach oder nach Nesselwang fährt und dann den Bus nimmt. Die Bus-Verbindung besteht allerdings nicht allzu häufig, aber immerhin es gibt eine. Laufen kann man die 2-3 Kilometer natürlich auch, allerdings bietet sich dann am ehesten der Höhenweg von Nesselwang kommend an. Zurück geht es von Nesselwang entspannt mit dem Zug nach Reutte in Tirol oder Kempten und von dort weiter. Hier noch einmal die Übersicht zur heutigen Tour:

Edelsberg & Höllschlucht (Download Route)

Pfronten-Kappeln
Nesselwang
Bus/Regionalbahn
9,9 km
4-4,5 Stunden
⬈ 1812 Hm
⬊ 1840 Hm

und die Karte mit GPX-Daten zum Download:


Durch die Höllschlucht hinauf zur Kappeler Alp

Von der Busstation Pfronten-Kappel geht es zunächst in Richtung Wanderparkplatz und Waldseilgarten am westlichen Ortsrand. Hier beginnen einige Wanderwege und auch die Höllschlucht ist bereits ausgeschildert. Zunächst auf einem breiten Versorgungsweg, wo auch immer wieder Baumstämme am Wegesrand auf ihren Abtransport warten. So geht es langsam in die Schlucht hinein. Dem Weg folgen wir bis die erste Querung auf die andere Bachseite über eine kleine Brücke möglich ist. Der weitere Weg auf dem Trampelpfad fühlt sich dann schon eher wie ein Tobel an, verläuft über Wurzeln und die Enge der Schlucht wird nun auch greifbar. Der kleine Steinebach hat ganze Arbeit geleistet und überall liegen kleinere und größere Äste kreuz und quer und man sieht wie sich das Wasser über hunderte von Jahren durch das Gestein gegraben hat:

Wanderweg durch die Höllschlucht zum Edelsberg
Tobelfeeling in der Höllschlucht
Steinebach in der Höllschlucht
Der dazugehörige Steinebach wirkt so harmlos

Beim Blick auf dieses dahinplätschernde Bächlein würde man nicht solch eine Kraft vermuten, aber wie man so schön sagt: Steter Tropfen hölt den Stein. Auf dem kleinen Trampelpfad erreicht man nach ca. einer halben Stunde den Wasserfall, an dem eine Bank zum Rasten und Genießen der Umgebung einlädt.

Wasserfall am Steinebach in der Höllschlucht
Der kleine Wasserfall bietet eine schöne Kulisse für ein Päuschen

Weiter führt uns der Weg am Wasserfall vorbei stetig bergauf, wobei sich die Steigung in Grenzen hält. In kleinen Zickzack-Kehren schrauben wir uns den Berg förmlich hinauf, auf einem kleinen Stückchen ist auch ein drahtseilgesicherter Abschnitt zu bewältigen. Über eine Art Wurzelteppich geht es die letzten hundert Meter zwischen den Bäumen hindurch bis wir schlussendlisch nach knapp 2 km Weg und 400 Metern Höhendifferenz aus dem Wald auf eine Wiese hinaustreten.

Nach ca. hundert weiteren Höhenmetern gelangen wir dann auch schon an der Kappeler Alp an, wo es für Ausgelaugte flüssige und feste Stärkung gibt. Der kleine Vorgipfel neben der Alp bietet mit einer kleinen Bank allerdings auch einen schönen Ausblick und die Möglichkeit eine entspannte Pause einzulegen. Von hier gibt’s einen schönen Blick auf die großen Seen im Ostallgäu: den Hopfensee, den Forggensee und den Weißensee. Wer Glück und gutes Wetter hat, sieht sogar die Zugspitze, aber natürlich sind auch die nahegelegenen Berge mit dem Breitenberg sowie die relativ charakteristische Felsformation des Aggenstein gut zu erkennen.

Weiter hinauf auf den Edelsberg

Von der Kappeler Alp geht es dann auf einem größeren, relativ gut besuchten Weg weiter den Berg hinauf in Richtung der Bergstation an der Alpspitze. Hier merkt man, je näher man kommt, dass deutlich mehr los ist. Der Weg ist ziemlich breit und es sind auch einige Fahrradfahrer unterwegs. Zudem verläuft von hier auch eine Zip-Line – ein Drahtseil, an dem man mit einer speziellen Vorrichtung den Berg hinunter sausen kann. Wie im Flug über die Bäume hinweg bis zur Mittelstation. Während des weiteren Aufstiegs hört man immer wieder Leute schreien, die irgendwie dann doch bisschen Respekt vor ihrer eigenen Courage bekommen und in Panik am Seil hinunterrauschen.

Die Alpspitz ist generell touristisch sehr stark erschlossen. Neben der Seilbahn und der Zip-Line gibt es auch eine Sommerrodelbahn und oben bei der Bergstation zwei Hütten, die zum Einkehren und Apres-Ski im Winter einladen. Angekommen bei der oberen Liftstation ist es dann auch nur noch ein Katzensprung auf den eigentlichen Gipfel der Alpspitz. Es sind zwar noch knapp 100 Höhenmeter zu überwinden, das sind aber nach dem bisher zurückgelegten Weg Peanuts. Wir wollen aber ohnehin auf den knapp 60 Meter höher gelegenen Edelsberg, also folgen wir den Schildern dorthin vorbei an der Alpspitz und erreichen nach gut 1,5 km weiterer Wegstrecke unser Ziel. Das letzte Stück verläuft doch steiler als gedacht, aber nachdem es geschafft ist, haben wir einen tollen Panorama-Blick ins Vilstal. Auch der Bergort Jungholz direkt unter uns ist gu erkennbar, genauso wie der Grenzberg Sorgschrofen. Diese Exklave Österreichs, die komplett von Deutschland umschlossen ist und Schauplatz so mancher Schmuggelein in früheren Zeiten war. Am Horizont zeigt sich der Iseler, Ponten, die Daumengruppe und das Gaishorn. Wer gutes Wetter hat, sieht ganz am Ende des Horizonts sogar den Hochvogel. Erinnerungen an meine Höhenwanderung auf dem Jubiläumsweg werden wach.

Blick vom Edelsberg auf das Vilstal und die Allgäuer Hochalpen mit dem iseler und der Daumengruppe
Ausblick bis in die Allgäuer Hochalpen mit dem Iseler und der Daumengruppe dahinter

Hier oben trifft man auf viele Leute, weil es durch den Sessellift auch ziemlich einfach ist und Nesselwang durch den Regionalbahnhalt und die eigene Autobahnabfahrt auch gut angeschlossen ist. Kürzlich urlaubte ja auch der Kanzler hier, also die Gegend ist schon sehr frequentiert. Der Gipfelbereich ist aber groß genug, dass alle Platz finden und die traumhafte Kulisse genießen können.

Abstieg über den Wurzelsteig zum Schloßbächel-Tobel

Wenn man dann genug Pause hatte und den Ausblick ausreichend genießen konnte, steht die Entscheidung an, wie es wieder hinab gehen soll. Entweder denselben Weg zurück, über kleine Wege nach Jungholz oder ins Vilstal zur Vilstalsäge bzw. in Richtung Schattwald. Ich wollte ja zurück nach Nesselwang, um den Schloßbächel-Tobel noch mitzunehmen und dort auch die Bahn nehmen zu können. So ging es also auf einem kleinen Rundweg an der Fichtel-Hütte vorbei zurück zum Hauptweg und in Richtung Bergstation. Wagemutige können sich überlegen, ob sie sich an die Zip-Line trauen und schnell Wegstrecke machen. Das ist die adrenalienlastige Alternative, ich wollte aber die gemütlich und landschaftlich schönere Option nutzen.

Kurz hinter der Bergstation gabelt sich der Weg in drei Äste auf, rechter Hand führt es zurück zur Kappeler Alp, linker Hand über den Alpspitzweg zur Mittelstation der Bergbahn und geradeaus auf dem sogenannten Wurzelsteig zum Tobel und nach Nesselwang. Der mittlere Weg ist unser Ziel und der Name ist Programm. Zumindest am Anfang besteht der Weg eigentlich nur aus Wurzeln. Es gibt genug Trittspuren, dennoch sollte man gucken, wohin man tritt, um nicht abzuknicken. Der Weg führt durch wuchernde Vegetation, aber an ein zwei Stellen öffnet sich der Blick und man hat einen schönen Blick auf Nesselwang im Tal.

Abstieg von der Alpspitze über den Wurzelsteig nach Nesselwang
Der Wurzelsteig noch relativ weit oben
Auf dem Wurzelsteig durch die wuchernde Vegetation nach Nesselwang
Weiter talwärts wird die Vegetation immer dichter und verwunschener

Obwohl spät am Nachmittag, kamen mir noch einige Menschen entgegen, die zum Sonnenuntergang noch einmal auf die Alpspitze wollten. Uns führt der Weg immer weiter hinab, unter der zweiten Zip-Line mit ihren kreischenden Gästen hindurch bis wir einen breiten Weg erreichen, der den Schildern zufolge zur Mittelstation bzw. zur Bergkirche Maria Trost führt. Wir queren diesen Weg und von hier aus befinden wir uns eigentlich schon auf dem Tobelsteig und bereits 2,5 km nach dem Gipfel auch schon 400 Höhenmeter tiefer.

Durch den Schloßbächel-Tobel nach Nesselwang

Zunächst verändert sich der Weg nicht großartig, es geht mehrere steile Passagen über Wurzeln durch den Wald und kein Wasser ist zu sehen. Doch dann relativ unvermittelt hört man, wenn man genau hinhört, ein lauter werdendes Plätschern. Linker Hand kommt der erste Bach ins Blickfeld und rechter Hand folgt nach einigen Metern mehr der Zweite. Der Weg begleitet den zunehmend größer werdenden Schloßbächel und immer wieder führen kleine Eisensteige auf die andere Seite.

Der Schloßbächel-Tobel auf dem Weg von der Alpspitz nach Nesselwang
Der kleine Schloßbächel auf dem Weg ins Tal

Insgesamt eine sehr ruhige und idyllische Wald-Wasser-Mischung und obwohl das Bächlein nicht besonders breit ist, sieht man die Spur in Form des schluchtenähnlichen Tobels deutlich. Bei gutem Wetter bleibt man unweigerlich alle 50 Meter stehen, lauscht in den Wald oder guckt dem Wasser auf seinem Weg über die größeren und kleineren Steine hinweg zu. Wer möchte kann auch seine Zehen in das kühle Nass tauchen und den Vögeln ringsum bei ihrem Konzert lauschen. Eine sehr beruhigende Kulisse und so macht es auch nichts, dass man etwas länger für diesen eigentlich recht kurzen Wegteil entlang des Baches braucht. Das Wasser ist wirklich sehr beruhigend.

Nach einigen hundert Metern in langsam trottendem Tempo erreichen wir dann eine Weggabelung, linker Hand führt uns der Pfad weiter direkt am Bach entlang. Ich entschied, rechts etwas oberhalb des Baches weiterzulaufen und so noch an der Nesselburg vorbeizukommen. Diese bis ins 16. Jahrhundert vom augsburgischen Vögten genutzte Burg ist in Teilen als Ruine noch sichtbar, aber wird weder genutzt noch restauriert. Man kann aber noch die Fassaden sowie die Größe des Bauwerks erkennen. Auf das Gelände selbst darf man aber leider nicht. Sehr schade, wie ich finde, dennoch wahrscheinlich notwendig, weil sonst viele Leute diesen mystischen Ort für heimliche Partys nutzen würden.

Die verfallene Ruine der ehemaligen Nesselburg in Nesselwang
Die Fassade der verfallenen Burg Nesselburg ist trotz der vielen Jahrhunderte noch gut zu erkennen.

Ein netter Spott, wenn man in der Nähe ist, man sollte sich jetzt auch nicht zuviel davon versprechen. Unser Weg führt uns dann von der Burg weg, weiter oberhalb des Schloßbächels, den man immer wieder zwischen den Bäumen aufblitzen sieht. Es folgt ein kurzer aber schneller Abstieg und so kommen wir wieder auf den Haupt-Tobelweg, von dem wir vorhin abgezweigt sind. Ab hier folgen wir dem Bach wieder und haben noch ein bisschen Tobelfeeling, bevor der Weg breiter wird und man auch Spuren von größeren Erdbewegungen durch Maschinen sieht. Wenige Meter weiter haben wir dann das Ortsende von Nesselwang erreicht und laufen über die Alpenstraße in den Ort hinein. Ein kleiner Weg verläuft direkt neben dem Bach bis quasi direkt zum Bahnhof, von wo uns die Regionalbahn zu unserem Zielort bringt; wenn man nicht im netten, kleinen Nesselwang selbst übernachten möchte.

In diesem Sinne

Die heutige Route ist für viele Allgäu-Freunde sicher interessant, weil die Ausgangspunkte gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind. Von München braucht es vielleicht ein bisschen länger, aber immerhin bekommt man mit dem 9€-Ticket und nur einmal umsteigen einen super Tagesausflug. Der sportlich absolut machbare Aufstieg auf den Edelsberg zusammen mit dem tollen Rundumblick lassen die Bergseele höher schlagen. Dazu kommen noch die zwei sehr schönen Tobelwege durch die Höllschlucht und entlang des Schloßbächels, so dass die gute Laune eigentlich garantiert ist. Wer möchte, kann natürlich auch länger in der Region bleiben und die zahlreichen Seen und Berge in der Umgebung besuchen.