Haunstetter Wald

Nachdem meine bisherigen Wald-Wanderungen eher in Oberbayern stattfanden, gibt es heute einmal zur Abwechslung etwas für Alle in Schwaben, genauer gesagt alle im Augsburger Raum. Es ist ja mit der starken Besiedelung und Bebauung mit Verkehrsinfrastruktur in Bayern ein bisschen schwierig größere zusammenhängende Waldgebiete zu finden. Dennoch gibt es sie und ich bin im Haunstetter Wald – einem Überbleibsel des Lech-Auenwalds – fündig geworden. Die ehemaligen Ausmaße dieses Waldgebiets kann man nur erahnen, aber das, was noch steht ist sehr schön und ideal zum Waldbaden geeignet. Daher heute mal wieder ein längerer Waldbade-/Wanderausflug von Augsburg durch den Haunstetter Wald bis Mering.

Inhalt

Meine bisherigen Bergwanderungen im Allgäu gehören streng genommen auch zur Region Schwaben, aber es ist nicht nur eine andere Kulisse, sondern natürlich ist auch die Struktur eine ganz Andere im Norden Schwabens. Heute soll also dieser Teil einmal im Fokus stehen, genauer gesagt der Haunstetter Wald, der sich südöstlich der Augsburger Innenstadt rund um die Flusschleifen des Lechs erstreckt. Für alle Augsburger ist das Naturkleinod natürlich bekannt. Nichtsdestotrotz ist es auch für Naturfreunde von weiter weg ein Besuch wert. Gerade bei gutem Wetter ist dies ein sehr schöner Ort, um Kraft zu tanken und wer möchte findet im Lech auch eine erfrischende Abkühlung.

Routenüberblick

Start ist der Hauptbahnhof in Augsburg, der sehr gut im Fern- und Nahverkehr angeschlossen ist und eine entspannte Anreise sicherstellt. Von dort geht es entweder zu Fuß oder mit der Straßenbahn die knapp 5 Kilometer bis zum Anfang des Waldgebiets am südostlichen Ende der Stadt. Insgesamt ist der Ausflug mit etwas mehr als 21 km ohne Anreise etwas länger und tagesfüllend, was daran liegt, dass ich bis Mering gelaufen bin. Wer weniger lang unterwegs sein möchte, kann aber jederzeit im Haunstetter Wald umdrehen und von Augsburg wieder abreisen. Nur sollte man wissen, dass über den Lech in diesem Abschnitt nur zwei Brücken (am Anfang und Ende des Waldes) führen, so dass man vorher überlegen sollte, wie lange man unterwegs sein möchte. Hier sind noch einmal die Kurzfakten:

Haunstetter Wald (Download Route)

Augsburg Hbf
Mering
Regionalbahn
21,23 km
5 Stunden

und natürlich die Karte

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Vom Bahnhof hinein ins Waldglück

Vom Augsburger Hbf, der von München in knapp einer halben Stunde erreicht werden kann, geht es entweder ein Stück mit der Straßenbahn (bis Schwaben-Center) oder mit mir zu Fuß einmal quer durch die Stadt. Das ist natürlich jedem selbst überlassen, nicht zuletzt sind es allein 5 km bis der Wald anfängt. Dennoch kann ich den Fußweg jedem empfehlen, der Augsburg noch nicht kennt. So bekommt man einen schönen Überblick über die immerhin drittgrößte Stadt Bayerns. Bekannt vor allem durch die Fuggerei, ist Augsburg auch sonst ganz schön und in jedem Fall einen eigenen Tagesausflug wert. Meine Route führt auf dem kürzesten Weg zum Wald, da dies heute das Hauptziel sein soll. Egal wie man läuft, wichtig ist früher oder später die Eisenbahntrasse zu queren, sonst kommt man nicht in das Waldgebiet.

Der Ablaßweg führt einen gegen Ende der kleinen Stadttour durch den Stadtteil Herrenbach und mündet direkt in einem breiten Feldweg im Waldgebiet. Diesem folgen wir zunächst, bis das Wasserwerk Hochablass erreicht ist und biegen dann in südlicher Richtung ab. Ein Stückchen geht es am Lech entlang, der hier schon stark kanalisiert träge dahin fließt. Vor kurzem habe ich gelesen, dass der Lech einer der am meisten verbauten Flüsse in Bayern ist. Die vielen Staustufen und Begradigungen entlang seines Laufes bremsen nicht nur den ehemals wilden Gebirgsfluss, sondern sind natürlich auch für die Fauna ein Problem. Früher gefürchtet wegen seiner plötzlichen Überschwemmungen ist dieser gezähmte Fluss jetzt einer unter vielen. Dennoch sind in dem heutigen Ausflugsabschnitt einige begradigte Flusschleifen erhalten, sodass man ein bisschen eine Ahnung bekommt, wie es mal ausgesehen haben könnte.

Wie immer in Waldgebieten, versuche ich, die breiten Trassen zu meiden und mich auf kleineren Pfaden tiefer ins Unterholz zu begeben. Erstens ist man dann ungestörter, zweitens geht es ja beim Waldbaden darum die Kleinigkeiten um einen herum bewusst wahrzunehmen, stehen zu bleiben, Bäume und Sträucher anzufassen oder auch auf den weichen Boden zu setzen. Das geht auf einem großen autobahn-ähnlichen Feldweg auf dem alle Nase lang Mountainbiker vorbeirasen natürlich so nicht. Nach circa sechs Kilometer (davon schon ca. fünf Kilometer durch die Stadt), wurde ich dann fündig und ein kleiner Trampelpfad ging links vom Hauptweg ab. Parallel zum Siebenbrunnen-Bach ging es dann hinter dem Galgenablass etwas tiefer ins Unterholz und prompt habe ich auch eine Schnecke bei einem kleinen Päuschen auf ihrem mühseligen Weg den Baum hinauf entdeckt.

Weinbergschnecke auf einem Baumstamm
Auch eine Weinbergschnecke genießt die Ruhe

Weiter durch den Wald bis zur Staustufe

Hier auf diesem Stückchen hat man tatsächlich den Eindruck komplett ohne andere Menschen unterwegs zu sein, was natürlich trügt. Ich nutze die Gunst der Stunde und nehme mir einige Minuten Zeit innezuhalten und bewusst die Umgebung, Ruhe und die Geräusche wahrzunehmen und die Alltagsgedanken zu vertreiben.

Ein kleiner Trampelpfad durch den Haunstetter Wald
Auf einem der kleineren Trampelpfade

In grober Richtung geht es weiter Richtung Südosten auf dem sogenannten Hugenotten-Weg, der zu der kleinen Siedlung inmitten der Waldlichtung führt. Diese wirkt irgendwie fehl am Platz, weswegen ich auch zusehe, so kurz wie nötig im Lichtungsbereich zu sein und möglichst schnell wieder in den Wald zu kommen. Bei der nächsten großen Abzweigung ging es also wieder linker Hand (in den Osten) und über den „Gießer“ genannten Bach auf einen mittelgroßen Waldweg. Hier war zum Glück ebenfalls nicht so viel Betrieb, so dass ich gemütlich meinen Weg in Richtung Süden fortsetzen konnte. In Teilen steht hier wirklich noch eine gut erhaltene und urtümlich wirkende Auenlandschaft, die einmal alle größeren Flüsse Deutschlands säumte. Das Naturschutzgebiet wirkt hier mit den kleinen Bächlein teilweise sehr urtümlich. Erholsam ist es in jedem Fall und man kann sich hier sehr schön auf den kleinen Wegen im Wald „verlieren“.

Immer wieder kleine Pausen helfen dabei, die Umgebung und Ruhe auf sich wirken zu lassen. So langsam wie möglich geht es weiter, da der Wald zwar schon groß ist, aber nun auch nicht so groß, dass man ihn nicht durchschreiten könnte. Ringsherum sieht es durch die zahlreichen Gewerbegebiete leider nicht ganz so idyllisch aus, also lieber lange im Wald bleiben!

Urtümliches Unterholz im Haunstetter Wald
Zumindest hier wird der Wald sich selbst überlassen

So läuft unsere Route kontinuierlich durch den Wald, bis ich nach ungefähr zwölf Kilometern Wegstrecke dann doch beschloss, noch ein Stück am Lech entlang zu gehen. Auf der anderen Seite liegt der Werthmann See, auf unserer Seite gibt es dafür immer wieder kleine Kiesbänke, auf denen man sich eine Pause gönnen kann. Wer will kann auch ins Wasser reinhüpfen, nur nicht unbedingt da, wo die Betonstufen die Fließgeschwindigkeit bremsen. Man sieht deutlich, dass der Lech komplett verbaut ist und mit viel Beton in eine Form gebracht wurde, um ihm die Kraft zu nehmen und Hochwasser zu regulieren. Von den früher regelmäßigen Überflutungen ist nicht mehr viel übrig, zum Glück der dort wohnenden Menschen. Nur die Fische finden das natürlich nicht so toll. Trotz aller Kanalisierung ist der Fluss immer noch sehr schön und das Wasser glitzert besonders schön, wenn es über die Bremsstufen fließt.

Vom Mandichosee nach Mering

So geht’s auf fünf Kilometern den Lech entlang mit immer wieder kleine Pausen, bis dann nach insgesamt 16 Kilometern schon das große Ende erscheint: Die Merchinger-Staustufe. Durch diese künstliche Barriere ist ein riesiger Stausee enstanden, der neben der Energiegewinnung auch zur Regulierung der Pegelstände genutzt wird. Eigentlich eine nachhaltige Sache, nur eben auch ein riesiger Natur-Eingriff: Alles Beton und die Fische müssen einen ziemlichen Umweg schwimmen, wenn sie es denn tun. Der Fluss wird dadurch schon ordentlich gebremst, und natürlich verschlammt alles auch eher, da durch die geringe Fließgeschwindigkeit fruchtbare Sedimente nicht mehr weitergetragen werden. Insgesamt eine schwierige Abwägung, aber es gibt ein Projekt zur Renatuierung dieses Abschnitts. Wer mehr dazu erfahren möchte, findet bei der Süddeutschen Zeitung einen interessanten Artikel dazu.

Es geht also die Höhendifferenz der Staustufe nach oben und dann auf der asphaltierten Stauseebegrenzung in Richtung Osten nach Mering. Im Mandichosee genannten Stausee kann auch gebadet werden und es gibt einen kleinen Seestrand am südostlichen Ufer. Mein Weg weiter nach Mering führt zunächst an der Staatsstraße bis in den Weiler Friedenau und dann über Feldwege. Ich fand es etwas schade, dass es nicht möglich war über Feldwege direkt nach Mering zu laufen, beziehungsweise nur wenn man einen riesigen Umweg gelaufen wäre. Die Feldwege verlaufen alle komischerweise in Nord-Süd-Richtung und ich wollte nicht über irgendwelche Felder trampeln. So geht es im Zick-Zack nach Osten, Süden und wieder Osten bis eine Umgehungsstraße erreicht ist, der man dann erst einmal folgen muss bis zur nächsten Querungsmöglichkeit. Wieder ein starkes Kontrastprogramm zum urigen Waldteil, da es nur wenige Fußgängerweg gibt. Nachdem eine Kleingartenanlage passiert wurde, folgt schließlich die Überquerung über die Bundesstraße, wo man dann direkt auf der Hermann-Löns-Strafe landet, die einen in den Ort hineinführt. Mering ist nicht besonders groß und primär ein Wohnort, es gibt aber dennoch ein paar Möglichkeiten, Essen zu gehen und auch einen Biergarten. Für mich geht es direkt zur Haltestelle Mering und mit der Regionalbahn auch wieder zurück. Es bleibt wie so oft ein gemischter Eindruck. Zum einen ein sehr schönes Naturerlebnis und Entspannung durch den erholsamen Waldaufenthalt. Zum anderen die fußgänger- bzw. lebewesenfeindliche Bebauung am Ende, die in sehr starkem Kontrast dazu steht.

In diesem Sinne

Auf der Suche nach einer größeren zusammenhängenden Waldfläche bin ich auf den Haunstetter Wald unweit von Augsburg gestoßen. Hier stehen noch kleine Überreste des ehemaligen Lech-Auwalds und man hat viele kleine Bäche, die das Waldbade-Erlebnis ideal machen. Zusammen mit der guten ÖPNV-Anbindung ein ideales Ziel für eine kleine Auszeit für die Sinne am Wochenende. Die Tour kann zudem mit einem Badeausflug verknüpft werden und am Ende steigt man hoffentlich enstpannt, in sich ruhend und mit von Alltagsgedankenmüll befreitem Kopf in den Zug zurück.

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