Hoch zum Sylvensteinsee

Meine letzte Tour an der Isar ist jetzt schon paar Monate her. Das heißt aber nicht, dass ich den ursprünglichen Plan, von München bis zur Quelle zu laufen, aufgegeben habe. Es wird nur leider mit jeder weiteren Etappe ein wenig schwieriger, die An- & Abreise mit dem ÖPNV zu bewerkstelligen. Je weiter es also ins Bergland geht, desto mehr Zeit und Planung für das Hinkommen ist notwendig. Das soll aber niemanden davon abhalten, weiterzumachen. Deswegen gibt’s heute auch den nächsten Teil von Lenggries bis zum Sylvensteinspeichersee hoch.

Inhalt

Lenggries ist ja noch gut mit der Bahn zu erreichen und ab dem Sylvensteinspeicher-Kraftwerk fahren am Wochenende auch ca. 5 Busse nach Lenggries. Somit war das Hin- und Wegkommen schon einmal geklärt, dann ging es nur noch um die Wegfindung. Das Isartal ist in diesem Bereich relativ eng und mitten durch das Tal östlich der Isar führt die B13 als Hauptroute auch zum Achensee. Da wollte ich natürlich nicht entlang laufen, deswegen habe ich mich für die andere Flusseite entschieden. Das Problem hier: Es gibt keinen durchgehenden Wanderweg an der Isar entlang. Ich bin also zum Ende hin querfeldein gelaufen, was aufgrund der Höhe und steil abfallenden Hänge nicht ganz ungefährlich ist. Aus diesem Grund zeige ich für diese Tour auch zwei Routen: Eine, die ich gegangen bin und eine, die zwar nicht an der Isar entlangläuft, dafür aber auf großen Wegen über das Jachental führt.

Routenüberblick

Lenggries ist sehr gut erreichbar mit der BoB; inzwischen fährt auch halbstündlich ein Zug. Von und zum Sylvensteinspeichersee fährt ein Bus, der zumindest am Wochenende häufiger verkehrt. Man muss nur vorab die Zeiten checken und früh genug loslaufen, um dann keine unangenehme Überraschung dort zu erleben. Meine gelaufene Route führt auf knapp 16 km quasi kontinuierlich an der Isar hinauf zum Speichersee, während die Alternativroute mit fast 20 km deutlich länger ist. Dafür sieht man hier zusätzlich ein Teil des Jachentals und bleibt durchgängig auf dafür vorgesehenen Wegen. Gut 4,5 Stunden sollte man mindestens einplanen, um die traumhafte Landschaft auch bei einigen Pausen genießen zu können; für die Alternative entsprechend 1 bis 1,5 h mehr. Hier die Fakten und der Routendownload:

Hoch zum Sylvensteinsee (Download Route / Download Alternativroute)

Lenggries
Sylvensteinsee Kraftwerk
Regionalbahn & Bus
15,76 km / 19,7 km (Alternative)
4 – 4,5 Stunden
⬈ 625 Hm
⬊ 577 Hm

und natürlich die Karte:

Click title to show track
Hauptroute
Alternativroute

Von Lenggries bis zur Jachenmündung

Vom Bahnhof heißt es zunächst ein Stück zurück vom letzten Mal zu laufen, um auf die andere Isarseite zu gelangen. Neben der Straße auf dem Fußgängerwegen ist es zunächst noch nicht ganz so urig, aber dennoch sehr schön. An der Brauneck-Bahn vorbei geht es Richtung Wegscheid. Immer wieder blitzt der leuchtende Fluss zwischen den Büschen und Sträuchern hervor. Wenn das Wetter gut ist, glitzert das Wasser, wie von Willi Michel besungen „smaragdgrün“. Im klaren Wasser sieht man jeden Stein und je nach Saison tut sich hier und da eine Kiesbank auf:

Ein Seitenarm der Isar auf Höhe von Wegscheid
Auf Höhe von Wegscheid gibt es den ersten ungetrübten Blick auf die Isar

So geht’s gemächlich dahin, bis es hinter Wegscheid langsam weniger besiedelt wird. Es gilt dann noch die letzte Brücke auf die andere Flussseite zu unterqueren. Die nächste Möglichkeit ist dann erst die Staumauer des Sylvensteicherkraftwerks. Hinter der Brücke tut sich eine Mischung aus Heide und einzelnen Bäumen auf, die nicht nur zum Durchlaufen, sondern auch zum Verweilen und dem Wasser nachblicken, einlädt. So wie dieser Abschnitt hier:

Kleine Wege führen von Lenggries zum Sylvensteinspeicher durch Wald und Wiesen
Immer wieder führen kleine Wege durch die abwechslungsreiche Landschaft

Auf Höhe von Langeneck heißt es noch einmal zurück an die Staatsstraße laufen, um dann ein kurzes Stück später die Jachen kurz vor ihrer Mündung zu queren. Der breite – auch für Fahrräder geeignete – Weg führt zu der Häuseransammlung Leger. Hier trennen sich beide Routenvorschlag. Die Alternativroute folgt diesem Weg weiter in das Jachental und umrundet die Berghügel, über die ich auf meinem Weg mühsam auf kleinsten Pfaden gewandert bin. Wer sich unsicher im Gebirge fühlt, sollte definitiv die Alternativroute wählen. Man kann aber auch weiter mit mir bis Rauchenberg laufen und dort umkehren, um zurück nach Lenggries zu gelangen.

Weiter gehts durch eine Traumkulisse nach Rauchenberg

Ich bin links von dem Hauptweg abgezweigt und nach ein paar Hundert Metern wurde es zunehmend einsam. Vorbei an gemütlich wiederkäuenden Rindern ging es wieder in Richtung Isar. Ein paar Heuschober standen verteilt über die Wiesen und der Weg lief schön schattig entlang einer kleinen Baumsäumung. Der breite Feldweg führte in ein Waldstück von dem auch immer wieder kleine Trampelpfade zur Isar abzweigten. Hier lässt es sich gut Waldbaden und ein wenig im Gehölz mit den typischen „Waldtönen“ entspannen und pausieren. Wenig später teilt sich der Feldweg und rechter Hand führt eine für Fahrzeuge vorgesehene Spur in Richtung des 5-Seelen-Dorfs Rauchenberg. Die Fußgänger können links in unmittelbarer Ufernähe auf einem kleineren Weg weiter Richtung Süden laufen. Hier öffnet sich der Wald und man steht auf einmal mitten in einer Traumkulisse, die ideal für ein Werbeprospekt taugen würde.

Auf der einen Seite die verträumte Häuseransammlung mit eigener Kappelle und dahinter dem aufsteigenden Hügeln:

Das 5-Seelen-Dorf Rauchenberg wirkt wie aus dem Bilderbuch mit eigener Kapelle
Fast wie aus dem Bilderbuch: Das 5-Seelen-Dorf Rauchenberg

Auf der anderen Seite die Isar und die ebenfalls tiefgrün leuchtenden Hügelkuppen. Abgesehen von mir ist niemand unterwegs und so lässt sich diese herrliche Kulisse ohne Störung noch besser in sich aufsaugen. Allen Wasserratten empfehle ich allerdings noch ein wenig weiter zu wandern. Hier kommen wieder Kiesbänke und im Gegensatz zu den in München überfüllten Isarufern, ist hier wirklich absolut niemand. So kann man es sich hier schön gemütlich machen und dem nicht aufhörenden Wasserrauschen nachblicken. Wer Badezeug dabei hat, findet hier auch eine schöne Abkühlung, man muss nur etwas aufpassen, da je nach Flusslauf die Strömung an manchen Stellen auch deutlich stärker ist. Und auch wenn es nicht so aussieht, gibt es auch tiefere Stellen in diesem absolut klaren Gebirgsfluss. Für die Seele ist das Farbenspiel und Umgebung ja ohnehin die ideale Kombination für eine tiefe Entspannung:

Die Isar nahezu menschenleer und in voller Pracht kurz hinter Rauchenberg
Das Isarflimmern in Reinform ganz menschenleer

An dieser Stelle sollte sich jeder überlegen, ob er nach der ausgedehnten Pause mit mir aufsteigen und durch Dickicht laufen möchte oder nicht doch lieber zurückläuft. Ganz Verwegene können natürlich auch auf die andere Seite schwimmen und auf dem Toni-Seber-Weg bis zum Sylvensteinspeicher laufen.

Aufstieg im Wald und über die Kuppe auf abenteuerlichen Wegen

Lag Rauchenberg noch auf wenige Meter überhalb der Isar geht es hinter den drei danach folgenden Lichtungen ziemlich steil einen Waldweg bergauf. Innerhalb von einem Kilometer Wegstrecke heißt es nun 250 Höhenmeter zu überwinden. Ein, zwei Wanderer kamen mir entgegen, als ich langsam den Hügel hinaufgelaufen bin. Dann wurde es ziemlich leer. Die Wege sind alle nicht beschildert und dienen primär der Forstwirtschaft. Man sollte sich also gut orientieren können und eine Offline-Karte dabei haben, da man sonst nach einer falschen Abzweigung schnell irgendwo anders landet. Schließlich sieht alles auch ähnlich aus.

Auf knapp 900 m ü. NN windet sich der breite Forstweg an einer bewaldeten Abbruchkante entlang. Immer wieder kreuzen kleine Bächlein den Weg und stürzen dann wenig später ziemlich steil hinunter Richtung Isar. Durch die Bewaldung sieht man den Fluss nun leider nicht mehr, das Gute ist aber, dass man den steilen Felshang auch nicht sieht. Dafür bieten sich immer wieder tolle Ausblicke auf den in der Ferne schimmernden Sylvensteinspeichersee:

Von oben sieht der Sylvensteinspeichersee so klein aus, dabei ist er riesig und die Staumauer 200 m lang
Der riesige Sylvensteinspeicher sieht von oben so klein aus

Nach dem anfangs recht steilen Anstieg verläuft der Weg jetzt deutlich weniger steil steigend bergauf und endet schließlich bei ca. 970 m ü. NN auf einer runden Plattform. Auf diesem Rondell können die Forstfahrzeuge wenden, sonst ist hier aber nichts. Auf jeden Fall ist es aber super, um eine entspannte Pause nach dem anstrengenden Anstieg einzulegen.

Rechterhand (in südlicher Himmelsrichtung) führt nun ein kleiner Trampelpfad weiter hinauf und in Richtung Schronbachtal. Wie bereits gesagt: Das ist kein offizieller Weg und jeder muss für sich selbst überlegen, ob man sich das zutraut, da es bei dem steilen Hang trotz Bäumen nicht ganz ungefährlich ist. Zudem ist der Weg auch nicht immer so gut zu erkennen, man sollte also schon in der Lage sein zu erkennen, wo man sich befindet bzw. wo der Weg verläuft und wo nur Waldboden ist.

Auf diesem abenteuerlichen Abschnitt geht es dann zunächst auf eine weitere Lichtung und dann durch den Wald immer weiter Richtung Süden. Zwischenzeitlich müssen zwei Bachläufe, die sich ziemlich stark in den Fels eingegraben haben, gequert werden. Während der eine noch recht einfach zu überwinden ist, heißt es bei dem anderen einige Meter in den Bachtrog abzusteigen und auf der anderen Seite wieder hinauf. Über eine letzte Hügel-Kuppe hinweg endet der Weg dann im Nichts unweit einer Wiese, sodass das letzte Stück auf eigene Faust zu überwinden ist.

Dann sieht man aber auch schon das Tal um den Schronbach. Hier mündet auch der breite Weg aus dem Jachental ein, sodass nun beide hier angezeigte Routen wieder zusammenlaufen. Nach dem aufregenderen Weg geht es nun auf dem Forstweg entspannt in einer großen Kehre hinab in Richtung Kraftwerk. Überall hört man hier die Autos und die Motorräder knattern, die gerade am Wochenende die Bundesstraße für Ihre Ausfahrten nutzen. Relativ schnell ist dann auch die Hauptstraße erreicht und nur wenige Meter von der Einmündung befindet sich auch die Bushaltestelle „Kraftwerk“. Wer möchte kann noch hinauf zur Staumauer laufen und den Blick über den Sylvensteinspeichersee schweifen lassen. Allerdings ist dort am Wochenende immer eine riesige Menschenmenge. Um mir meine Erinnerung und Ruhe zu bewahren spare ich mir das heute und laufe dagegen bis der Bus kommt noch ein Stück in den Wald hinein, um einen letzten Blick auf die Isar und den Hügel zu werfen, den ich heute traversiert habe:

Hinter dem Sylvensteinspeicher zeigt die Isar wieder ihre Farbenpracht
Zum späten Nachmittag zeigt sich das Tal noch einmal in voller Farbenvielfalt

In diesem Sinne

Die nächste Etappe meiner Isarwanderung ist geschafft und langsam wird es bergiger. Wie bisher bei allen Isartouren bezaubert die Isar mit ihrem Farbenspiel je nach Sonneneinfall. Zum Dank für die längere Anreise wird man auf diesem Abschnitt mit einer nahezu menschenleeren Naturkulisse belohnt, die keine Wünsche offen lässt. Die Wiesen strahlen saftig grün, die Hügel sind dunkelgrün bewaldet und die Isar changiert zwischen grünlich, türkis und tiefblau gesprenkelt mit dem Weiß der Kiesbänke. Die Ruhe, Umgebung und Bewegung lassen den Alltag schnell vergessen und führen zu einer tiefen Entspannung. Der Aufstieg in dem hügeligen Umland bringt zusätzlich den Körper auf Trab und hilft der Kondition. Mehr braucht man nicht!

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