Im urigen Briesetal

Wer einen urigen Wald in der Nähe von Berlin sucht, sollte sich das Briesetal auf keinen Fall entgehen lassen. Die moorige Landschaft, die sich selbst überlassen wird erzeugt eine mystische Stimmung, die man sonst eher nicht in der Nähe einer Stadt vermutet, schon gar nicht in der Nähe der Hauptstadt.

Routenüberblick


Die hier vorgetellte Tour ist super mit der Bahn zu erreichen und nach einem Stück auf der Straße ist man schnell in einem kleinen Waldidyll. Der Routenvorschlag ist mit seinen knapp 12 km lädt zu einem gemütlichen Waldspaziergang von 3-3,5 Stunden Dauer ein. Los geht es in Birkenwerder mit Endpunkt Zühlsdorf an der Heidekrautbahn:


Durch diese Routenführung muss man nicht, wie der Großteil der anderen Ausflugsgäste auf halbem Weg wieder umkehren, sondern kann die Briese weiter entlang laufen. Kleiner Wermutstropfen: Die Heidekrautbahn fährt nur stündlich, man sollte also vorher am Besten die Abfahrtszeiten checken, um dann nicht die Bahn um 5 Minuten zu verpassen und an dem eher ausgestorbenen Bahnhof warten zu müssen.

Zum Briesekrug und weiter


Von Birkenwerder geht es auf der westlichen Seite der Bahntrasse nach Norden und nach deren Unterquerung auf der anderen Seite in Straße „Am Briesewald“ weiter nordwärts. Am Ende der Straße führt ein Trampelpfad auf die Fichtealle, auf der man unter dem Berliner Autobahnaußenring A10 hinduchkommt. Wenige Meter nach der Querung biegt links ein weiterer Trampelpfad ab, der einen über einige kleinere Windungen zu der kleinen Siedlung „Briese“ führt. Am kleinen Biergarten der Siedlung geht es vorbei und hinter dem Ende der Straße auf einem schönen Trampelpfad zur Briese. Nach der Querung des zähfließenden Bachs auf einer kleinen Brücke gelangt man nach einigen Metern zur ersten größeren Aussackung.

Die Briese hat auf dem gesamten Weg immer wieder größere Bereiche überflutet, sodass dort das Wasser wie in einem kleinen Teich steht. Biber tun das ihrige dazu, teilweise stehen halbumgefallene Bäume in dem Moor, was vor allem bei leichtem Nebel märchen- und geisterhafthaft wirkt. Je nachdem wie die sonne steht, ergibt sich durch das Lichtspiel eine sehr schöne Kulisse:

Immer wieder lohnt es sich bei dieser Kulisse innezuhalten, in den Wald zu lauschen – Spechte sind hier immer wieder sehr aktiv – und den Geruch der Bäume und moorigen Landschaft auf sich wirken zu lassen. So entspannt man förmlich mit jedem weiteren Schritt. Ab und an liegen Baumstämme auf dem Boden oder man findet auf einem der vielen Bäume mit großem oberirdischen Wurzelwerk ein Plätzchen für eine Rast, so wie z.B. auf diesem Prachtexemplar:

Auch eine Möglichkeit für eine kleine Rast

Häufige Pausen lohnen!


Sobald man sitzt und seinen Blick schweifen lässt, stellt man fest, dass eine gewisse Betriebsamkeit um einen herum herrscht. Ameisen tragen unermüdlich, irgenwelche kleinen Krümel, Nadeln und dergleichen durch die Gegend, Vögel ziehen Würmer aus dem Gebüsch oder bearbeiten die morschen Baumstümpfe im Sumpf, Frösche fressen Insekten, die sich zu nahe ans Wasser begeben… Mit der Fokussierung auf dieses Treiben werden die eigenen Gedanken automatisch weniger, man atmet langsamer und tiefer und versinkt ein wenig im Hier und Jetzt.

Weiter geht es entlang der Briese in Richtung Zühlsdorf. Dieses Eintauchen in die Umgebung lässt sich beliebig häufig wiederholen auf dem weiteren Weg. Mein Eindruck war, dass nach der Querung der Straße von Summt nach Oranienburg mehr Algen auf der Wasseroberfläche sind und dadurch die Kulisse noch ein wenig uriger aussieht; es kann aber auch sein, dass es an der Zeit lag zu der ich dort war.

Dem Weg auf der westlichen Seite der Briese folgt man, bis eine große Mauer mit Treppen beidseits hinauf zu eben genannter Straße führt. Auf auf der anderen Straßenseite geht es wieder hinab – diesmal auf der anderen Seite der Briese – und weiter entgegen der Fließrichtung. Über eine kleine Brücke wechselst man die Seite und gelangt dann an das Forsthaus Wensickendorf.

Auf dem breiteren Forstweg mit dem passenden Namen „Am Forst“ gelangt man ostwärts unter der Hochspannungsleitung hindurch bis zu einer größeren Wiesenfläche. Von der Briese sieht man jetzt fast gar nichts mehr und würde man es nicht wissen, würde man an dieser Stelle nicht vermuten, dass ein paar Hundert Meter zuvor eine solch märchenhafte Wald- Moorlandschaft liegt. Vom Forstweg gelangt man in den Ortsteil Zühlsdorfer Mühle und weiter rechts in die „Mühlenstraße“ und wieder links in den „Waldweg“ der bis in den Ort Seefeld führt. Auf der daran anschließenden „Moritzstraße“ läuft man bis zur Bahnüberführung. Wer möchte kann hier weiter geradeaus laufen und beim Strandbad Ramersee eine kleine Abkühlung im See einbauen. Alle anderen biegen rechts in den kleinen Weg neben den Gleisen ein und folgen diesem wenige Minuten bis zur Haltestelle „Zühlsdorf“ der Heidekrautbahn. Von hier aus kommt man über Karow und den Anschluss an die S-Bahn wieder ins Berliner Stadtzentrum.

In diesem Sinne


Berliner haben das Glück nicht weit von der Haustür entfernt ein schönes Waldidyll zu haben, das gut als Kulisse eines Grimm’schen Märchens taugen würde. Das kleine Bächlein Briese hat wahre Arbeit geleistet und eine moorig-urige Landschaft im Norden Berlins geschaffen, die nur darauf wartet, erkundet zu werden.