Im Forstenrieder Rehgehege

Vielleicht denkt Ihr Euch jetzt: „Ist der jetzt in den Streichelzoo gefahren?“. Nein es geht nicht in den Zoo, aber diese Tour hat zur Abwechslung einmal etwas mehr tierische Highlights. Nach den letzten Beschlüssen werden uns die Corona-Einschränkungen noch weiter begleiten, sodass die Freizeitmöglichkeiten weiter limitiert sind. Daher möchte ich heute eine kleine Route mit tierischer Abwechslung vorstellen.

Den meisten Münchnern, insbesondere wenn sie südlich der Innenstadt wohnen, dürfte der Forstenrieder Park ein Begriff sein. Nicht zuletzt wurden Teile des heutigen Areals als Waldweideflächen und andere Teile von den Wittelsbachern als Jagdgebiet genutzt. So ist das Gebiet eng verbunden mit der Münchener Stadtgeschichte. Auch wenn das relativ große Waldgebiet heutzutage primär der Erholung und Holzgewinnung dient, finden hier viele Tiere Rückzug. Dies ist auch der Grund warum ein großer Teil des Waldes (der Wildpark) mit einem Zaun gesichert ist; ein großes Rehgehege sozusagen, dass verhindern soll, dass das Wild in die Wohngebiete oder auf die Straßen kommt. Und in dieses Gehege führt meine heutige Tour. In dem Gebiet gibt es zusätzlich eine Kernzone, die nicht betreten werden darf, aber von sicheren Ausgucken beobachtet werden kann.

Routenüberblick


Los geht die knapp 13 km lange Wanderung am S-Bahnhof Höllriegelskreuth im Isartal und endet nach ca. 3 Stunden am S-Bahnhof Stockdorf. Wie immer gilt, die hier angezeigte Tour kann auch als Anregung genommen werden, um ganz anders zu laufen. Das einzige Problem ist die Autobahn, die den Park durchschneidet und nur an bestimmten Punkten passiert werden kann.



Östlich der Autobahn


Vom S-Bahnhof starten wir in Richtung Nordwesten und folgen dann linker Hand der Wolfratshauser Straße durch das von der Firma Linde geprägte Industriegebiet. Am Ende der Straße führt nach Querung der Bundesstraße ein Waldweg in das Forstgebiet. Gleich bei der nächsten Kreuzung geht es links und dann steht man auch schon vor dem Zaun, der über eine kleine Treppe überwunden werden kann. Wegen der forstwirtschaftlichen Nutzung verlaufen die meisten Wege senkrecht zueinander und schneiden so den Wald in Parzellen. Hier aber ist ein schöner kleiner Trampelpfad (Römerstraße genannt), der nicht den großen Schneisen folgt. Zwischen Lichtungen und größeren Baumansammlungen kann man hier sehr schön für sich sein und in den Wald hineinhorchen. Der moosige Untergrund federt jeden Schritt und lädt – je nach Wetter – auch zum Verweilen ein.

Die Römerstraße endet nach einer großen Schleife auf dem geteerten Hauptweg „Ludwig-Geräumt“. Gerade am Wochenende kann hier extrem viel Ausflugsverkehr sein, deswegen lohnt es sich so lange wie möglich auf der Römerstraße zu bleiben und kleine Schleifchen zu laufen. Mit ein wenig Glück bekommt man dann wie ich einen Specht beim Arbeiten direkt vor das (Kamera-)Auge.


Bevor es dann auf dem Hauptweg unter der schon hier deutlich lärmenden Autobahn hindurchgeht, gibt es noch links vom Ludwig-Geräumt noch einen kleinen Ausguck in die Wild-Kernzone. Da der Weg mit den vielen Kampfradlern ohnehin nicht besonders einladend ist, beschließe ich kurzer Hand mein Glück auf dem kleinen Ausguck zu probieren. Praktischerweise war ich allein in dem Holzverschlag und war tatsächlich überrascht in nur 200 m Entfernung zwei Hirsche gemütlich äsen zu sehen. Mit der Geräuschkulisse (Autobahn und den vielen Menschen auf dem Teerweg) und mitten am Tag hätte ich nicht gedacht, dass sich irgendein Wildtier zeigt, aber ich lasse mich gerne überraschen:

Zwei Hirsche in naher Entfernung

Weiter zum Forsthaus Kasten


Nach dieser netten Abwechslung laufe ich neben dem Ludwig-Geräumt auf einem kleinen Trampelpfad, unterquere die Autobahn und bleibe erst einmal auf dem breiten Forstweg. Zwar wäre ich gerne auf kleineren Wegen gegangen, aber erstens wollte ich möglichst viel Abstand von der Autobahn und der kleinen daneben verlaufenden Straße. Zweitens gibt es leider in diesem Teil vom Forstenrieder Park nicht so viel Querstraßen von Südost nach Nordwest und ich hätte einen großen Umweg machen müssen. Dennoch wurde es auch hier mit jedem Schritt weiter, leiser und leerer. Wenn ich den Wald aber mitgestalten könnte, würde ich mehr Fläche aus der Forstnutzung nehmen und sich selbst überlassen, die Riesenschneisen wären dann auch nicht mehr nötig und man könnte kleine naturnahe Wanderpfade etablieren; aber das ist nur meine Meinung.

Auch mit den großen Wegen spürt man den Wald um sich herum und kann sich immer wieder etwas tiefer hineinwagen und kleine Pausen an einen der Stämme angelehnt machen. Das Knacken der Äste und die kühle Luft jetzt im Frühling tun sehr gut und so verschwindet das merkwürdige Corona-Management und dessen Auswirkungen von selbst aus dem Kopf.

Am Ende des Ludwig-Geräumt geht es links und kurz darauf wieder rechts und man gelangt zum bekannten Biergarten des Forsthaus Kasten. Sobald die Gastronomie wieder geöffnet hat kann man hier nach seinem Waldausflug einkehren und sich ein wenig stärken bevor es auf den Heimweg geht. Vom Forsthaus Kasten führt ein Weg (leider geteert) in Schleifen wieder in den Wald und auf dem „Stockdorfer Weg“ erreicht man die ersten Häuserzeilen des Ortes im Würmtal. Über die Forstkastenstraße geht es bis zur Hauptstraße und dahinter auf der Bahnstraße über die Würm und stetig bergauf zum S-Bahnhof Stockdorf.

In diesem Sinne


Wenn der Zoo gerade mal wieder wegen Corona geschlossen hat, bleibt immer noch ein Ausflug in die nahe Natur, um etwas tierische Abwechslung vom immergleichen Alltag zu bekommen. Im Forstenrieder Park lässt sich wunderbar Waldbaden und gleichzeitig kann man mit etwas Glück ein paar Rehe oder Wildschweine sehen und die Vögel und Bäume beim Frühlingserwachen beobachten.