Wanderung von Wannsee nach Beelitz

Liebe Draußen-Freunde,

bald fängt der Frühling wieder an und wenn sich die Corona-Entwicklung so fortsetzt wie aktuell, dürften früher oder später auch die Corona-Beschränkungen ein wenig gelockert werden. Das bedeutet auch, dass dann Ausflüge unabhängig von ihrer Entfernung vom Wohnort möglich sind.

Ideale Voraussetzungen, um das Draußensein wieder in vollen Zügen genießen zu können und nicht nur in den nahe gelegenen Grünstreifen spazieren zu gehen. Das Wanderbuch zu meiner Fernwanderung von Berlin nach München ist inzwischen im Buchhandel Eures Vertrauens verfügbar. Wer die knapp 670 km ebenfalls laufen möchte oder auch nur längere Abschnitte davon erkunden möchte, dem sei die folgende Wanderung ans Herz gelegt. Sie ist quasi Tag 0 meiner Fernwanderung, also dem Buch vorangestellt.

Routenüberblick


Alle Anderen dürfen sich natürlich auch angesprochen fühlen. Die heutige Route ist sehr abwechslungsreich mit viel Waldanteil und hier und da schönen Gewässerabschnitten, die sogar gegen Ende bei Seddin zum Baden genutzt werden können. Zudem ist die etwas mehr als 30 km lange Strecke eine ideale Testkonstellation für alle, die ein Gefühl für eine Fernwanderung mit mehreren Tagesmärschen dieser Länge erhalten wollen. Dabei kann man auch gleich das Equipment testen. Praktischerweise verläuft die Strecke in eher flachem Terrain und es gibt mehrere Regionalbahnhalte, an denen man vorzeitig aussteigen kann. Die An- und Abreise ist ebenfalls einfach, mit dem Regionalzug / S-Bahn nach Wannsee und zurück mit dem Schienenbus wieder nach Wannsee (oder mit Umstieg auch weiter).

Kurzfakten zur Route
StartBahnhof Wannsee
EndeBahnhof Beelitz
Länge30,6 km
Dauer7-8 Stunden


Kleiner Hinweis: Ich habe diese Tour bereits vor zwei Jahren gemacht, deswegen kann es sein, dass sich zwischenzeitlich etwas verändert hat.

Die Tagesroute seht Ihr hier:


Start am Bahnhof Wannsee


Los geht es vom Bahnhof Wannsee über die mehrspurige Potsdamer Chaussee in den Düppeler Forst Richtung Försterei. Der Forst ist noch stark von seiner ehemaligen Bestimmung als Nutzwald geprägt, deswegen sieht man viele Kiefern, die teilweise in schlechtem Zustand sind. Vorbei am Schießstand geht es auf der ehemaligen Trasse der „Friedhofsbahn“ zur ehemaligen Autobahntrasse und den aufgegebenen Teilen der Stammbahn. Wie ihr seht, sehr viel Ehemaliges, was daran liegt, dass wir uns im ehemaligen Grenzgebiet befinden. Hier verlief die Mauer und das führte zu so manchem Aus für damals bestehende Verkehrsverbindungen (der Görlitzer und Anhalter Bahnhof sind bekanntere Beispiele für die dadurch hervorgerufene Auflassung von Infrastruktur).

An der Kreuzung zwischen der „Friedhofs-“ und „Stammbahn“-Schneise rechts abbiegend läuft man in einer großen Kurve an Dreilinden vorbei, dem namensgebenden Dorf für den ehemaligen Westberliner Grenzkontrollpunkt (Checkpoint „Bravo“). Wir folgen der Schneise weiter auf die ehemalige Autobahn-Brücke über den Teltowkanal – heute verläuft die A115 etwas weiter östlich. Die breite Brücke ist eigentlich das einzige noch verbliebene, sichtbare Zeichen des ehemaligen Autobahnverlaufes. Aber auch hier nagt der Zahn der Natur deutlich, Bäumchen sprießen aus der aufgebrochenen Fahrbahndecke und Grasbüschel wachsen zwischen den teilweise noch sichtbaren Markierungen. In diesem etwas unwirklich wirkenden Setting lohnt es sich innezuhalten und seinen Block schweifen zu lassen. An der Uferseite befindet sich ein aufgegebener Campingplatz und nach Westen blickend sieht man die Ausläufer Potsdams. Mit etwas Glück schippert auch ein Schiff auf dem Kanal nach Potsdam oder Richtung Spree im Osten.

Blick auf den Teltowkanal

Auf der anderen Seite angekommen in Albrechts Teerofen muss man leider ein Stück an der nicht gerade ruhigen Autobahn entlang laufen, bevor sich nach ca. 500 m die Möglichkeit zur Überquerung bietet. Hier verläuft der Weg auf einem schmaleren Pfad als zuvor zwischen dem Autobahn-Rastplatz Parforceheide und der Ackerfläche „Wüste Mark“. Diese etwas deplatziert wirkende Ackerfläche mitten im Wald, hat aber auch Geschichte: zur Zeit der Trennung war dieses Feld eine Exklave West-Berlins. Verrückt! Weiter gerade aus geht es über die Potsdamer Straße. Wer nicht mehr weitergehen mag, kann rechts auf die Straße einbiegen und bis zum Regionalbahnhalt Potsdam – Medienanstalt Babelsberg laufen.

Weiter in die Parforceheide


Alle Anderen überqueren nach einem weiteren kleinen Stück Wald die Landstraße, die rechterhand zum überdimensionalen Autobahnkreuz „Potsdam-Babelsberg“ führt. Man sieht deutlich, welche Prioritäten im Wiederaufbau von Infrastruktur nach der Wende gesetzt wurden. Wieder hinunter von der Brücke kann man dem Rohrlakengestell und dem anschließenden Breiten Gestell durch die Parforceheide folgen. Dies ist die kürzeste Verbindung, es lohnt sich aber etwas östlich davon zu laufen, da man dadurch nicht so nah an der lärmenden Autobahn ist. Die Parforceheide ist ein typisches Brandenburger Waldgebiet mit sandigem Boden, und relativ ähnlichem Bewuchs. Ab und an tun sich kleine Lichtungen auf. An einem der vielen schönen Fleckchen bietet sich eine Pause an, da die späteren Teile der Route eher an Straßen entlang führen. Also noch einmal entspannt die Natur genießen!

Wald wohin man guckt

Weiter geht es über die Landstra0e gerade aus, bis der Weg – mittlerweile auch Teil der ehemaligen Reichsstraße (Via Imperii) und des Jakobsweges (Jakobsmuschel)- aus dem Wald heraus und über Felder zum Dorf Philippsthal führt. Die Häuseransammlung umgeht man am besten auf dem kleinen Feldweg nordwestlich der Häuser und Gärten. Die Umgehung hilft allerdings nur kurz, da man ab dem Ortsende nur noch auf der Landstraße weiterkommt.

Halbzeit auf Höhe Saarmunds


Nun heißt es dieser Landstraße für 4 km zu folgen, über die Bahntrasse nach Saarmund. Hier befindet sich ebenfalls ein Regionalbahnhalt, so dass man nach knapp 15 km Fußmarsch ziemlich genau auf halber Strecke aussteigen kann. Durch Saarmund hindurch geht es unter der Autobahn A 10 hindurch und kurz danach rechter Hand auf einen Feldweg. Auf diesem Weg geht es ca. 2 km durch den Wald bevor uns linker Hand eine Sandgrube und Baustoff-Recycling-Anlage mitten im Wald begrüßt. Alles andere als schön, also weiterlaufen!

Mittlerweile dürfte selbst der Hartgesottenste seine Füße spüren, zumal der verdichtete Boden nicht gerade der ideale Untergrund für die Gelenke ist. 2 km weiter erreicht man dann aber den kleinen Ort Wildenbruch mit dem Dorfteich „Wilder Bruch“. Hier ist es dann wieder Zeit für eine kleine Pause mit Blick auf den Teich. Alternativ kann man auch noch etwas weiter laufen und dann am Ufer des Großen Seddiner Sees eine entspannte Pause mit kleiner Abkühlung im Wasser (wenn das Wetter dazu einlädt) einlegen. Gerade im Sommer hat man hier ein schönes Ambiente auf den großen See. Mit dem Sandboden unter den Füßen fühlt man sich fast wie irgendwo in Südeuropa – natürlich nur wenn die Temperaturen entsprechend hoch sind.

Wieder bei Kräften folgt der Endspurt – die letzten 10 km bis Beelitz! Entlang des Seeufers in südwestlicher Richtung kommt man am großen Strandbad von Kahnsdorf mit dazugehörigem Parkplatz vorbei und läuft dann auf der kleinen Landzunge zwischen dem Kahnsdorfer und Seddiner See in den Ort hinein. Wer seine Brotzeit vergessen hat, findet hier beim Gasthof „zur Reuse“ eine kleine Stärkung. Witzigerweise gibt es in Sachsen ebenfalls einen Ort mit dem Namen Kahnsdorf, der auch zwischen zwei Seen liegt. Das muss irgendeine Bedeutung haben, die ich nicht kenne.

Endspurt hinter dem Seddiner See


Nach Kahnsdorf folgen wir der Seddiner Straße bevor es dann nach ca. 700 m links in den Kahnsdorfer Weg auf einem sandigen Feldweg weitergeht. Auf einer schnurgeraden Piste durch Waldstücke hindurch, die zwischendrin von Feldern unterbrochen werden, geht es südlich an Seddin vorbei immer weiter nach Südwesten. Wir kreuzen die Schlunkendorfer Straße und laufen auf dem jetzt Kahnsdorfer Straße heißenden Feldweg weiter unter der Hochspannungstrasse hindurch in eine kleine Siedlung. Kurz darauf biegen wir linker Hand wieder in den Wald, damit wir nicht an der Bundesstraße enden. In einem kleinen Zickzackkurs durch den Wald geht es bis zu einem Hühnerhof.

Ich persönlich war an diesem Punkt damals schon ziemlich mürbe. Die bisher 27 km mit Rucksack machen sich bemerkbar und die Fußsohlen brennen. Ein guter Vorgeschmack auf längere Touren. Vor allem merkt man, ob man eventuell noch einmal etwas an seinem Equipment verändern sollte (Schuhe, Einlagen, Socken, Rucksack…).

Auf der Verbindungsstraße vom Geflügelhof geht es über die Bundesstraße B2 (diese wird ein steter Begleiter meiner ersten Tage der Fernwanderung nach München sein) bis zur Kreuzung mit der Beelitzer Straße. Dort biegen wir links ein und folgen dieser in den Ort Beelitz hinein. Da Beelitz überregional bekannt für seinen Spargel ist, stehen zur Erinnerung auch überall etwas merkwürdig aussehende Spargel-„Skulpturen“. Ein Spargel-Museum gibt es ebenfalls, für alle Spargel-Enthusiasten, die nach der Wanderung noch nicht genug haben.

Der Ortskern befindet sich gut 1,5 km nach der Kreuzung der B2 auf der Beelitzer Straße auf der anderen Seite der anderen großen Bundesstraße B 246. Wer möchte kann in Beelitz übernachten und am nächsten Tag in die Wanderung aus meinem Buch einsteigen. Genügend Restaurants gibt es in Beelitz auch, sodass man erschöpft aber nicht hungrig ins Bett fallen kann, um dann fit am nächsten Tag weiterzulaufen.

Alle, die am Folgetag nicht weiterlaufen möchten, können in Beelitz in den Schienenbus nach Wannsee steigen (Achtung: Fahrzeiten vorab checken, letzter Zug fährt gegen 21 Uhr). Die Station Beelitz-Stadt befindet sich nordwestlich des Ortskerns und von dort ist man in ca. 30 Minuten die ganze Strecke des Tagesmarsches zurückgefahren.

In diesem Sinne


Der Frühling kommt und damit ist die Wandersaison auch nicht mehr fern. Als Vorbereitung für alle, die sich an eine Fernwanderung wagen möchten z.B. mit mir von Berlin nach München, bietet sich die Tagestour von Wannsee nach Beelitz ideal als „Trainingsstrecke“ an. Aber auch für Tagesausflügler ist dieser Ausflug ideal, kommt man doch an historischen Stätten vorbei, läuft durch Brandenburger Waldflächen und kann zudem bei gutem Wetter Baden gehen. Die zwei Haltestellen auf dem Weg bieten die Möglichkeit, die Route zu stückeln. Also dann, auf geht’s!