Waldbaden mit Isarflimmern

Aus dem Karwendelgebirg, springt a gloana Bach, […] Und dann in der Pupplinger Au, wird die Zeit angehalten, in da Sommasonna auf dem weißen Kies, I sog eich des is, des Isarflimmern mitten im Paradies …

Willy Michl

Den meisten Münchnern dürfte das Lied des bayerischen Musikers bekannt sein und die Schönheit der Isar im Oberland wahrscheinlich auch. Die besungene Pupplinger Au rührt das Herz aber nicht nur wassertechnisch. Das Gebiet gehört zum Naturschutzgebiet Isarauen, das sich von Bad Tölz bis Schäftlarn erstreckt. Und das bedeutet wiederum, dass es wenig Bebauung gibt und die Flora sich großteils selbst überlassen wird. Ideale Voraussetzungen für ein schönes Waldbad.

Routenüberblick


Wie bei den meisten Touren, plane ich die An- und Abreise mit dem ÖPNV. Das ist erstens umweltschonender und zweitens kann man nach der Tour entspannt seinen Gedanken nachhängen und muss nicht auf den Straßenverkehr achten. Start bzw. Ziel sind der S-Bahnhof Wolfratshausen und Ebenhausen – Schäftlarn.


Ich laufe von Norden nach Süden, immer die Sonne im Gesicht. Vom S-Bahn-Halt Ebenhausen geht es auf dem kleinen Trampelpfad zur Bundesstraße 11 und nach deren Querung über die Straßen „Am Sommerfeld“ und „Am Kreuzweg“ aus dem Ort hinaus Richtung Wald. Bei der nächsten Abzweigung halten wir uns links und dann wieder rechts in den Wald hinein und langsam bergab ins Isartal. Nach kurzer Zeit erreicht man die Verbindungsstraße von Schäftlarn und biegt rechts darauf ein. Dem daran anschließenden breiten Feldweg folgen wir für die nächsten 20 Minuten auf die Lichtung hinaus.

Auf kleinen Pfaden in den Isarauen


Die Isar sieht man hier leider noch nicht, dafür aber immer wieder kleine moorige Stellen. Am Ende der Lichtung bei einem Hochsitz gabelt sich der Weg und wir halten uns auf der linken Seite und gehen wieder in den Wald hinein. Der Weg wird kleiner und auf einem kleinen Pfad geht es weiter zwischen den Bäumen hindurch. Dank der relativ wenigen Leute (und vor allem fehlenden Mountainbiker) kann man auf diesem Abschnitt sehr gut Waldbaden und immer wieder an einem der vielen Bäume verweilen. Das funktioniert selbst im Winter, wenn die Bäume im Ruhemodus sind und weniger Stoffe (z.B. die positiv wirkenden Terpene) absondern.

Waldpfad in den Isarauen

Langsam und mit jedem Schritt mehr Abstand vom Corona-Alltag gewinnend folgen wir dem Pfad, der sich zwischen den Bäumen hindurch windet. Ziemlich unvermittelt kommt man dann irgendwann an eine Stelle, wo der Weg von einem etwa 2 m breiten Bächlein unterbrochen ist. Im Sommer sicher kein Problem zum Durchwaten, ist es jetzt im Winter ein wenig zu kalt dafür. Also gilt es in einem Balanceakt auf einem gerade ein Fuß breiten Stamm über den Bach zu kommen – eine aufregende Abwechslung. Hinter dem Bach folgen wir dem Pfad weiter ohne weitere Überraschungen bis dieser sich mit anderen Wegen vereint. Dieser Abschnitt ist noch einmal besonders schön ruhig und gut geeignet, um durch das Laufen seinen Kopf frei von Gedanken zu bekommen.

Der Weg wird kontinuierlich breiter – dadurch leider auch voller – und führt schlussendlich über eine kleine Brücke über den Isararm und dann weiter zum Ickinger Wehr. Das erinnert mich an einen Artikel aus der TAZ über die riesig Anzahl von (Kleinst-)Wehren an Flüssen in Bayern. Bei der Isar besteht aber zum Glück keine Gefahr, dass durch das – doch ziemlich große Wehr – die Strömung komplett verschwindet und der Fluss dahinter nur noch weiterdümpelt.

In der Pupplinger Au wird die Zeit angehalten


Hinter dem Wehr halten wir uns rechts und laufen auf dem kleinen Weg links der Isar stromaufwärts in Richtung unserem eigentlichen Ziel: der „Pupplinger Au“. Circa 1 km nach dem Wehr kommen wir an die Stelle an der sich die verschiedenen Isararme, die die Au in kleine Kiesinseln unterteilen, mit der Loisach vereinen. Ein Stück weiter kommt man dann auch näher an den von Willy Michl besungenen Kies mit der smaragdgrünen Isar. Bei mir war der Himmel etwas bewölkt, deswegen wirkt es etwas gedämpft:

Isar kurz vor den Auen

Auf kleinen Trampelpfaden geht es durch das Schilf, die Isar immer im Blick. Auch hier sind zum Glück nicht ganz so viele Leute (der asphaltierte Fahrradweg verläuft etwas versetzt). So kann man immer wieder kleine Pausen einlegen und die Kulisse förmlich in sich aufsaugen. Mit dem passenden Wetter bekommt man unweigerlich gute Laune und stapft dann gleich umso beschwingter weiter auf einem der zahlreichen kleinen Pfade.

Zwischendrin endet der Uferweg leider, weil ein Teil weggeschwemmt ist, sodass ich in meiner Route einen Umweg über die Fahrradstraße eingelegt habe. Schließlich befindet man sich hier im Naturschutzgebiet, weswegen man auf den Wegen bleiben sollte (und auch unregelmäßig mit Schildern darum gebeten wird). Das kurze Stück auf dem Hauptweg reicht allerdings, um zu merken, wie viel mehr Spaß das entspannte Laufen auf den kleinen Uferpfaden im Vergleich zum breiten Fahrradweg macht. Deswegen geht es auch gleich bei der nächstem Möglichkeit wieder rechts zum Ufer und durch das Unterholz zurück zum Schilf und dem flott fließendem Fluss.

Das letzte Stück hinter den Auen bis zur Marienbrücke verläuft wieder am vereinten Flusslauf. Die Berge zeichnen sich am Horizont ab und man wird sich wieder bewusst, dass die Isar ein Gebirgsfluss ist und die ersten Bergkuppen des Voralpenlands keine 30 km entfernt sind. Gemütlich trotten wir weiter in Richtung Süden und speichern die Eindrücke innerlich als Abschlussbild, um es dann bei einem Regentag wieder vor dem inneren Auge abrufen zu können.

Bei der Marienbrücke angekommen, wechseln wir die Seite und folgen dann hinter der Floßlände dem kleinen Weg durch den Wald in Richtung Wolfratshausen. Noch einmal Waldluft tief einatmen, bevor wir dann in der Jordanstraße wieder in die Zivilisation zurückkehren. Von der Jordanstraße linker Hand in die Weidacher Hauptstraße und rechts abbiegen in die Sauerlacher Straße erreichen wir den S-Bahnhof Wolfratshausen, von wo aus es zurück in Richtung Stadtzentrum geht.

In diesem Sinne


Glaubt man Willy Michl, braucht man nicht viel um das Paradies zu besuchen. Und tatsächlich bietet die Pupplinger Au mit dem Kies, der grünlichen Isar und den Bäumen ein wunderschönes Ambiente, um sich wohlzufühlen, zu erholen und gute Laune zu bekommen. Die umweltfreundliche An- und Abreise tut ihr Übriges, um diese Route als Seelenbalsam in der eher eintönigen Corona-Zeit auszuprobieren.

1 Kommentar zum Thema “Waldbaden mit Isarflimmern

  1. Super dein Einstieg mit dem Lied von Willi Michl! Man bekommt gleich Lust diese Wanderung zu machen. Macht gute Laune beim Lesen!

    Bärbel

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