An der wilden Mangfall

Vor kurzem habe ich in einem Beitrag einige Vorteile des Draußenseins noch einmal hervorgehoben. Überraschend fand ich, dass scheinbar schon relativ wenig Bewegung (2,5 Stunden pro Woche) einem schwerwiegenden Corona-Verlauf vorbeugen können. Meine meist 3-4 Stunden dauernden Ausflugstipps sind also ungewollt, genau richtig. Zugegebenermaßen sind dies meistens keine „strammen Spaziergänge“, wie von der WHO empfohlen, insbesondere nicht bei den Waldbade-Routen. Aber dafür dauern sie ja auch länger und haben ja nicht nur für Corona und auf das Herz-Kreislauf-System positive Auswirkungen.

So genug geredet, heute möchte ich Euch nämlich eine sehr schöne, aber auch etwas längere Wander-Waldbade-Route vorstellen. In meinem Beitrag zur Leitzach bin ich am Ende von Weyarn in der Autobahnbrücke über das Mangfalltal zum Bahnhof der BOB in Darching gelaufen. Und bei dem Blick von der Brücke in das schöne Tal, habe ich mir vorgenommen dorthin unbedingt einmal gesondert hinzufahren.

Routenüberblick


Und heute möchte ich Euch die Wanderung vorstellen, die aus diesem Vorsatz entstanden ist. Sie führt von Miesbach bis zum S-Bahnhof Kreuzstraße. Die ca. 19 km verlaufen mehr oder weniger immer direkt neben der Mangfall und man sollte mindestens 5,5 Stunden mit Pausen einkalkuklieren. Die Anreise erfolgt mit der BOB von München bis nach Miesbach. Die Rückfahrt von der Kreuzstraße ist etwas knifflig, da die S-Bahn nur alle 40 Minuten fährt. Es bietet sich also an, die Fahrzeiten im Kopf zu haben und die Pausen ein wenig danach zu richten, damit man nicht wie ich am Ende eine halbe Stunde an dem eher ausgestorbenen S-Bahnhof warten muss.



Von Miesbach bis in wildere Gefilde


Soviel zum Vorgeplänkel. Start ist der Miesbacher Bahnhof, von wo es über das kleine Einkaufscenter (leider ähnlich unschön, wie in anderen Städten) zur Schützenstraße und unter den Gleisen hindurch geht. Dieser Straße folgend gelangt man dann auf der Thalhammer Straße am Klärwerk vorbei nach etwa 2,5 km aus der Stadt auf einem breiten Weg neben dem Schlierbach und der Bahnstrecke. Diesem folge ich unter dem Aquädukt hindurch und biege dann bei der nächsten Möglichkeit links ab, auf die andere Seite der Bahnstrecke. Weiter geht es auf einer Teerstraße an Infotafeln zu den daneben stehenden Bäumen der SWM, die hier das Trinkwasser für München gewinnen, bis zur Brücke über die Mangfall. Dort rechts auf den kleinen Trampelpfad und (wieder) unter der Bahnstrecke hindurch.

Bis hierhin war der Weg eher breit und unspektakulär, wenn auch super geeignet für Radfahrer. Das ändert sich nach dem man die letzte Straße – und letzte Möglichkeit zur Querung der Mangfall für die nächsten 5 Kilometer – überquert hat und auf einem Waldweg tiefer in den Wald hineingeführt wird. Vorbei am Kräuterwastl, der hier seinen Bauwagen hat und Führungen in das Kräuterparadies des Waldes organisiert. Wenn Corona vorbei ist, möchte ich unbedingt eine solche Führung machen und mehr über die kulinarischen „Schätze“ des Waldes lernen. Der Forstwerg endet und weiter geht es auf einem kleinen Trampelpfad in den Wald bis zu einer kleinen Mangfall-Aussackung, die man auf einem schmalen Baumstamm balancierend überqueren kann.

Urige Wegquerung

Hinter dieser Furt ist man auf dem von Wurzeln überzogenen Weg zwischen Hang und Mangfall alleine und kann auf einem der umgestürzten Bäume eine kleine Pause einlegen. Dem Wasser hinterher zu blicken, beruhigt ungemein. Das kontinuierliche Rauschen und leichte Knacken der Bäume ist besser als jede Entspannungsmusik aus der Dose. Die großen Steine am Hang sind großteils bemoost und überall suchen sich kleine Rinnsale ihren Weg zum Fluss. Sehr idyllisch und ursprünglich.

Bemooste Steine

Auf Höhe Weyarns


Nach einer ausgedehnten Ruhepause mit In-sich-Hineinhören und Fokussierung auf die Geräusche und eigene Atmung geht es gemächlich weiter auf dem Trampelpfad immer rechts der Mangfall. Circa 1 Kilometer später folgt linker Hand ein Steg über den Fluss, der aber einsturzgefährdet ist und daher nicht betreten werden darf (und sollte). Rechter Hand führt ein Weg den Hang hinauf zum Ort Weyarn. Ich gehe darauf ein kleines Stückchen und biege dann wieder links ab auf einen kleinen Weg entlang des Flusses. Hier ist ein wenig mehr los und nach auf kleinen Auf- und Abstiegen geht es in Schleifen, mal neben der Mangfall, mal etwas tiefer im Wald, immer Richtung Norden. Unterhalb von Weyarn führt der Weg vorbei an einem Meditationszentrum bis zur Bundesstraße. Dort gibt es nach mehr als 5 Kilometern wieder eine Brücke, um die Mangfall zu queren. Die nächste folgt dann tatsächlich erst wieder 3 Kilometer später. Wer möchte kann hier nach etwas mehr als der Hälfte der Wegstrecke aus der Tour aussteigen und auf der anderen Seite der Mangfall den Berg hinauf bis zur BoB-Haltestelle Darching laufen (eben jene, bei der ich auch bei der Leitzach-Wanderung endete).

Alle anderen folgen mir auf der anderen Seite der Bundesstraße wieder auf den Trampelpfad. Nach einem kurzen, steilen Anstieg geht es unter der knapp 50 Meter oberhalb verlaufenden Autobahnbrücke hindurch und weiter auf zunächst größeren Forstwegen bis zum nächsten Wehr bei der Maxlmühle. Ohnehin ist mir doch aufgefallen, wie oft das Wasser auf diesem vergleichsweise kleinen Fluss durch Wehre gestaut bzw. für kleinste Wasserkraftwerke genutzt wird. Dabei muss ich immer zwangsläufig an zwei Artikel aus der TAZ von Ulrike Fokken denken (hier und hier), die ganz gut den Konflikt zwischen Klima- und Naturschutz anhand der vergleichsweise vielen Wasserkraftwerke in Bayern aufzeigen.

Fast unberührte Landschaft am Ende


Kurz vor der Brücke zur Maxlmühle biege ich dann aber wieder rechts ab auf den kleinen Weg direkt neben der Mangfall. Und jetzt wird es wieder etwas ursprünglicher und leerer. Der Weg mit seinen tausenden Wurzeln und hervorstehenden Steinen ist zu schmal und huckelig für Radfahrer und für die meisten Spaziergänger zu schlecht angebunden, so dass man wieder schön alleine mit der Natur sein kann. Immer wieder liegen umgefallene Bäume am Wegesrand oder sogar im Flussbett und wäre man nicht noch vor einer dreiviertel Stunde unter einer Autobahn hindurch gelaufen, könnte man fast den Eindruck gewinnen, in einer unberührten Landschaft zu sein.

Wild anmutende Mangfall

Ein Stück weiter sehe ich auf einem etwas höher verlaufenden Weg auch eine Gruppe von Survival-Trainierenden; scheinbar habe ich also ein abgelegenes Gebiet erwischt. Ich setze meinen Weg – nun wieder in eher gemächlichem Tempo – fort und fokussiere auf den Weg, das Laub und die Wurzeln und die vom Biber angenagten Bäume. Die Gedanken im Kopf werden leiser und man kann richtig fühlen, wie man sich zumindest für den Moment als freier und mit sich und der Umwelt im Einklang fühlt. Immer wieder kleine Stops und planloses dem Wasser Hinterherschauen verstärkt dies; zumindest bei mir.

Nach gefühlt einer halben Stunde gedankenverloren am Wasser entlangstapfen, erreicht man die Schneise des kleinen Moosbachs. Dabei ist das von dem kleinen Bächlein in den weichen Untergrund gefräste Bachbett riesig im Vergleich zu dem ruhig dahinplätschernden Rinnsal selbst. Mit ein wenig Anlauf (oder über einige der darin liegenden Steine) gelangt man trocken auf die andere Seite und nach einigen Hundert Metern weiter an die Straßenbrücke beim kleinen Dorf Valley. Hier wechsel ich die Flusseite und laufe auf dem Aumühler Weg erst ein Stückchen bergan, an ein paar Einfamilienhäusern und einem Aussteigerhof vorbei, um dann wieder bergab auf einem Pfad links neben der Mangfall zum Dorf Anderlmühle zu kommen. Von dort wieder bergauf, aus dem Mangfalltal nach Hohendilching und die schöne Tour ist mehr oder weniger zu Ende. Da man leider von Hohendilching nicht mit dem ÖPNV fahren kann, heißt es noch 2 Kilometer auf der Landstraße bis zum S- und Regionalbahnhof Kreuzstraße zu laufen. Hier endet die Tour und mit etwas Glück kann man gleich mit dem Regionalzug oder der S-Bahn weiterfahren und muss nicht, wie ich, 30 Minuten warten.

In diesem Sinne


Wer hätte gedacht, dass ich die Route, die ich mir nach der Leitzachtour vorgenommen hatte, ein paar Monate später ebenfalls zu Corona-Zeiten mache. Nachdem nun in den Medien immer mehr die Natur bzw. Bewegung im Freien erkannt und propagiert werden, aber gar nicht so schlecht. Die Tour führt auf knapp 20 km an der teilweise noch wilden Mangfall entlang und hilft nicht nur sein Bedarf an Bewegung, Frischluft und Sonne zu decken, sondern macht auch den Kopf frei.