Isarausflug nach Schäftlarn

Die Corona-Infektionen gehen zurück, die Maßnahmen werden peu a peu gelockert und das Wetter wird auch langsam besser. Also noch mehr Anreiz draußen zu sein und sich zu bewegen. Es ist ja jetzt schon etwas her, dass ich hier eine Tour an der Münchner Lebensader, der Isar, vorgestellt habe. Also Zeit für einen Kurzausflug ans smaragd-glitzernde Nass. Wer möchte, kann die beiden Touren natürlich auch kombinieren. Nur wird es dann schon eher eine längere Wanderung.

Routenüberblick


Startpunkt soll diesmal die Grünwalder Brücke sein. Dorthin kommt man entweder mit der S-Bahn bis Höllriegelskreuth oder mit der Straßenbahn nach Grünwald und dann jeweils den Berg hinunter bis an das östliche Ende der Brücke. Von dort geht es dann knapp 13 km Richtung Süden, teilweise mit der Sonne im Gesicht, nach Schäftlarn. Für den Weg plant Ihr am Besten 3,5 Stunden ein, besser mehr. Dann bleibt alles entspannt und Ihr könnt auch die ein oder andere Pause am Wasser einlegen. Mitberücksichtigen sollte man dabei auch, dass man am Endpunkt vom Kloster Schäftlarn zum S-Bahnhof Ebenhausen-Schäftlarn 100 Höhenmeter überwinden muss. Bevor es los geht, sind hier noch einmal die wesentlichen Routendaten:

Kurzfakten zur Route
StartS-Bahnhof Höllriegelskreuth /
Straßenbahn Grünwald
EndeS-Bahnhof Ebenhausen-Schäftlarn
Länge12,9 km
Dauer4-5 Stunden

Und hier die Karte dazu. Wie man gut erkennen kann, läuft man eigentlich durchgehend neben dem Fluss durch den Wald.


Bis zum ersten Kraftwerk


Am späten Nachmittag starte ich mit strahlend blauem Himmel und laufe nördlich der Brücke den kleinen Feldweg hinab zum Wasser, um dort auf einen schmalen Trampelpfad zu gelangen. Dieser ist mein Begleiter für die nächsten Kilometer entgegen der Fließrichtung. Ab und an kommen ein paar Mountainbiker entgegen, aber der Weg wird zum Glück eher von Fußgängern genutzt – und das zum Glück auch nicht von allzu Vielen. So laufe ich zwischen den Bäumen, die teilweise umgefallen über dem Weg liegen, die Isar entlang. Immer wieder tun sich kleine Ausgucke und Kiesstrände auf, bei denen man das Panorama genießen kann oder wer sich traut, auch baden könnte. So wie etwa hier, nur knapp 1,5 km hinter der Brücke

Der Isarlauf präsentiert sich in voller Pracht

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich nicht vermuten dass das andere Ufer nur eine Halbinsel zwischen dem Hauptlauf und dem aufgestauten Wehrkanal ist. Ohnehin muss die Isar so einige Staustufen durchlaufen, bevor sie ihr Ziel bei Plattling erreicht. In Berlin und Brandenburg sind mir derart viele Wasserkraftwerke und Staustufen an den Flüssen nicht so aufgefallen. Das tut auf diesem Abschnitt der Erholung aber erst einmal keinen Abbruch.

Nach einer wohltuenden Sonnenpause direkt am Ufer geht es weiter auf dem Trampelpfad in Richtung Süden. Das Plätschern des Flusses zusammen mit dem Rauschen der Bäume im Wind und einigen Vogelgeräuschen versetzt einen in einen entspannt beschwingten Laufmodus. So kann man hervorragend den Alltag ausblenden. Auch der Weg selbst sorgt dafür, dass die Aufmerksamkeit im Moment und nicht bei irgendwelchen Gedanken liegt. Dicke Wurzeln und querliegende Bäume gilt es zu überwinden und großen Wasserlöchern auszuweichen. Mit dieser Fokussierung auf die Umgebung lässt die innere Anspannung schrittweise nach und man fühlt sich zunehmend ausgeglichen. In diesem Zustand lohnt es – zum Beispiel an einen Baum gelehnt – ein wenig inne zu halten und so den Effekt zu verstärken.

Weiter auf dem Weg erreicht man einen kleinen Bach, der mit einem großen Sprung überquert werden kann. Dahinter erkennt man dann das ziemlich hässlich im Fluss stehende Stauwerk für den dort abzweigenden Kanal. Wenn wenigstens die Staumauern naturnaher gebaut und eventuell begrünt (ich weiß nicht ob das geht) würden, denke ich mir, dann würde der – aus Ökostromperspektive sicher sinnvolle – Beton-Kraftwerksklotz nicht so deplatziert wirken.

Weiter zum nächsten Kraftwerk


HInter der Staumauer, entlang der noch vereinten Isararme, geht es weiter gen Süden in die große Flussschlaufe. Je weiter ich wandere, desto weniger Menschen sind unterwegs. Auf den kleinen, wurzeldurchzogenen Pfaden mit teilweise abrupten Ab- und Aufstiegen könnte man fast den Eindruck gewinnen, alleine im Wald unterwegs zu sein. Der Regen der Vortage hat zudem noch einige matschige Stellen hinterlassen, so dass man sich etwas mehr auf die Tritte konzentrieren muss. Ab und zu hört man dann zwar doch eine S-Bahn oder ein Auto hupen, es klingt aber so weit entfernt, dass es nicht stört. Die Sonne steht mittlerweile schon deutlich tiefer und dadurch entfaltet die Umgebung noch einmal eine ganz andere Wirkung. Auch hier lege ich noch einmal eine längere Pause ein, um die schöne Stimmung innerlich aufzusaugen.

Mittlerweile – schon deutlich weiter vorangekommen – habe ich bereits den nächsten Zusammenfluss von Isar und Kanal passiert. Nur diesmal ist der Kanal auf der Ostseite, so dass ich jetzt einem deutlich geraderen Flusskanal folge. Von der Ferne höre ich lautes Knattern näher kommen. Mitten im Wald an einer sehr unübersichtlichen Stelle wird ein Mountainbiker, der scheinbar auf dem doch noch etwas glitschigen Weg hingefallen ist, mit der Seilwinde aus dem Wald gehoben. Mir tut der Fahrradfahrer leid; von den Wegen hätte ich aber auch nicht gedacht, dass sie zum Fahrradfahren geeignet sind.

Nach dem Spektakel setze ich meinen Weg fort. Es wird langsam dunkler und daher bin ich froh, dass nächste Wasserkraftwerk Mühltal zu erreichen. Dort wechsele ich die Seite des Kanals und laufe fortan weiter auf der Halbinsel anstatt auf der Straße . Am Wochenende und nachmittags ist dieser Abschnitt immer sehr voll. Auf der Straße auf der gegenüberliegenden Seite liefern sich die Rennradfahrer regelrechte Rennen. Die Sportwägen und Motorradfahrer knattern dort dann auch entlang, was die eigentlich schöne Landschaft etwas trübt. Jetzt zu etwas späterer Zeit ist davon aber fast nichts zu sehen und hören. So laufe ich entspannt die letzten Kilometer auf dem Kanaldamm und lasse die Route noch einmal Revue passieren.

Bei der Dürnsteiner Brücke angekommen, quere ich über den natürlichen Isararm und laufe der Hauptstraße folgend in Richtung Kloster Schäftlarn. Der Parkplatz ist gut belegt genauso wie das Stüberl. Wer möchte kann hier also noch einkehren, bevor es zurückgeht. Ich entscheide mich dagegen und nehme noch die 100 Höhenmeter zum Ort Ebenhausen in Angriff. Zwischen Bäumen geht es einen recht steilen Weg bergauf und etwas aus der Puste gelange ich dann hinter dem Edeka-Parkplatz in den Ort. Von dort sind es nur noch wenige Meter bis zur Station der S-Bahn, die einen zurück in die Stadt bringt. Glücklich und entspannt fahre ich zurück, nehme mir aber vor, das nächste Mal auch den westlichen Isararm ab Buchhain südwärts auszukundschaften.

In diesem Sinne: Mit besserem Wetter und sinkenden Corona-Zahlen bieten sich auch wieder Spaziergänge und Wanderungen zu späteren Tageszeiten an. Die Isar mit ihren wunderschönen Ecken bietet dafür zahlreiche Möglichkeiten, die auch noch relativ schnell mit dem ÖPNV erreicht werden können. Die heutige Route von Grünwald nach Schäftlarn ist nur eine von Vielen, aber bereits wenige Kilometer hinter den Ortschaften tut sich eine fast naturnahe Landschaft auf, die je nach Sonnenlicht komplett anders wirkt.