Durch das Würmtal von Gauting bis Pasing – Würmausflug I

Vom Berg geht es wieder hinab ins Tal und an den zweitgrößten Fluss auf Münchner Stadtgebiet neben der Isar: die Würm. Die Würm ist nicht nur der einzige Abfluss des Starnberger Sees – der früher auch Würmsee hieß -, sondern auch Namensgeberin für die letzte Eiszeit in der Region München (Würmeiszeit). Deren Gletscherzungen schufen die Becken, in denen sich heute der Ammer- und Starnberger See befinden. Neben dieser historischen Bedeutung dieses nur 35 km langen Flusses gibt es auch noch eine Städtebauliche: Die Wasserspiele und Kanäle des Nymphenburger Schlossparks sowie des Schloss Schleisheims werden aus der Würm gespeist, die Ruderregatta-Anlage ebenso. Und eine der teuersten Wohngebiete im Landkreis München – das Würmtal – ist ebenfalls nach diesem kleinen Flüsschen benannt. Mit diesem Hintergrund und der Tatsache, dass die Würm auch nur knapp 20 km östlich der bereits häufiger besuchten Amper verläuft, wurde es längst Zeit für einen Ausflug und einen Beitrag dazu.

Inhalt

35 km für einen Fluss sind nicht viel, allerdings für einen gemütlichen Tagesausflug dann doch zu viel. Für den heutigen Ausflug habe ich mir den Abschnitt zwischen Gauting und Pasing ausgesucht, der mitten durch das überregional bekannte Würmtal verläuft. Somit bleibt für die nächsten Male noch der Teil bis zur Mündung in Dachau und der Abschnitt zwischen Starnberg und Gauting. Beide Endpunkte der Tour sind gut mit den Öffentlichen erreichbar und wem es zwischendrin zu viel wird, kann an mehreren S-Bahn-Stationen dazwischen frühzeitig aussteigen. Die Tour verläuft soweit als möglich direkt neben dem Gewässer, allerdings ist das nicht an allen Stellen möglich – insbesondere nicht in den besonders wohlhabenden Gemeinden.

Routenüberblick

Startpunkt des heutigen Ausflugs ist der S-Bahnhof Gauting, von wo es zum Flusslauf und dann immer flussabwärts bis nach Pasing geht. Die Wege auf diesem ca. 14 km langen Abschnitt sind durchweg gut begehbar, nur in kurzen Wegteilen liegen vielleicht einmal ein paar umgestürzte Äste im Weg. Insgesamt sollten gut 3,5 Stunden eingeplant werden, dann kann man gemütlich laufen und an der ein oder anderen Stelle eine schöne Rast am Ufer einlegen.

Hier seht Ihr noch einmal die Fakten zur Route

Würmtalausflug (Download Route)

Draußen tut gut!-Symbol Start-/Zielort RouteGauting
Pasing
Draußen tut gut!-Symbol ÖPNV-Anschluss RouteS-Bahn
Draußen14,43 km
Draußen tut gut!-Symbol Zeitbedarf Route3,5 - 4 Stunden

und ganz wichtig natürlich auch die Route:

Von Gauting über Grubmühl nach Stockdorf

Angekommen am S-Bahnhof Gauting folgen wir der Bahnhofstraße den Hügel hinab ins „Flusstal“. Wer seine Brotzeit vergessen hat, kann sich in dieser quasi-Einkaufsstraße noch für den Ausflug eindecken. 5 Minuten später am Rathaus vorbei ist dann auch schon die Würm erreicht, die beidseitig von Häuserreihen eingerahmt den Ort durchquert. Wir halten uns links und folgen dem Wasserlauf auf der Schlossstraße bis wir das historische Mühlrad entdecken.

Altes Mühlrad in der Würm bei Gauting
Das Mühlrad im Fluss – Zeugnis der frühen industriellen Wassernutzung

Hier stand früher eine Papierfabrik, die das Mühlrad zur Energiegewinnung nutzte. Es sieht aus wie ein Schaufelrad eines Seedampfers und ist im Gegensatz zu anderen Mühlrädern an der Würm direkt im Fluss und nicht an einem eigenen Kanal angebracht.

Weiter geht es gen Norden durch den Ort über eine kleine Brücke auf die andere Uferseite. Trotz dichter Besiedelung wird der Würm hier etwas mehr Platz zugestanden und die Bebauung reicht nicht direkt bis ans Ufer:

Grün schimmerende Algen in der Würm bei Gauting
Grün schimmernde Würm vor dem Schloss Gauting

Wüsste man es nicht besser, könnte man fast meinen, dass das Wasser hier nicht durch ein dichtes Siedlungsgebiet führt; hier ist der Spagat zwischen Natur und Bebauung deutlich besser gelungen als in den Gemeinden weiter flussabwärts.

Kurze Zeit später geht es über eine weitere Brücke wieder auf die westliche Uferseite und dann auch schon in den Schlosspark Gauting. Das Schlossgebäude wird von einer Firma genutzt, der Parkanlage darf aber zum Glück von allen besucht werden. Die lichten Bäume spenden etwas Schatten und da so gut wie kein Mensch hier unterwegs ist, bietet sich eine kleine Pause am Wasser an. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie entspannend es ist, einfach dazusitzen und dem Wasser hinterher zu blicken. Das Plätschern und der nie abreißende Wasserstrom haben etwas meditatives; sehr zu empfehlen! 😉

Ein bisschen Wildnis wird der Würm beim Schlosspark Gauting eingeräumt
Beim Schlosspark in Gauting wirkt der Flusslauf halbwegs natürlich

Nach der kurzen inneren Einkehr folgen wir dem Wasser auf der linken Uferseite in einer Haarnadelkurve um den kleinen Würm-Stausee herum und gelangen in eine Graslandschaft mit nur noch einzelnen Bäumchen am Uferrand.

Hinter Gauting verläuft die Würm durch eine gepflegte und saftig grüne Graslandschaft
Hinter Gauting fließt die Würm durch eine saftige Graslandschaft

Das Wasser zu unserer Rechten, die Sonne über uns, geht es nun in gemütlichen Trott ca. 1 km durch diese Landschaft bis die kleine Häusersammlung Grubmühl erreicht ist. Hier kann das erste Mal seit Gauting die Würm überquert werden und wer möchte kann hier abzweigen und in den Biergarten bei Forsthaus Kasten oder in den Forstenrieder Park weiterlaufen.

Wir bleiben diesseits der Würm und biegen links und kurz darauf rechts in den Waldweg Richtung Stockdorf ab. Das Gestrüpp und die Bäume sind dichter als zunächst gedacht und bald sind wir mitten im Wald, von der Würm ist gar nichts mehr zu sehen. Eine ideale Umgebung für ein kleines Waldbad.

Kleiner Waldtrampelpfad im Forst bei Grubmühl
Kleine Waldbademöglichkeit zwischen Gauting und Stockdorf

Ein bisschen tiefer im Wald führen dann kleine Trampelpfade die Anhöhe hinab wieder zur Würm. Wir folgen diesen und laufen die letzten Minuten in dieser schönen Kulisse neben dem entspannt dahinfließenden Fluss bis wir den Ortsausgang von Stockdorf erreichen.

Weiter durch das Würmtal bis nach Lochham

War der bisherige Teil unserer Route von viel Wasser und Grün geprägt, folgt jetzt leider ein ca. 3 km langer Abschnitt mit viel Beton und kaum Sicht auf die Würm. Wie eingangs geschrieben laufen wir jetzt durch ein paar recht wohlhabende Gemeinden am Würmtal, die den öffentlichen Zugang zur Würm als nicht besonders notwendig erachten. Am Ortseingang von Stockdorf wird man sogleich links oder rechts vom Würmufer weg- und auf die umliegenden Straßen geleitet. Die Würm fließt hier durch Privatgrundstücke und nicht einmal ein schmaler Streifen am Ufer wurde für die Allgemeinheit freigehalten; folglich kann ich zu diesem Abschnitt auch leider keine Fotos mit Euch teilen.

Wir halten uns links und folgen der Wettersteinstraße nach Norden, queren die Bahnstraße und halten uns weiter geradeaus auf dem Mitterweg. Erst am Ende des Mitterwegs bei der Krailinger Brauerei nebst Biergarten gibt es wieder die Möglichkeit an die Würm zu gelangen bzw. im Biergarten am Flussufer zu verweilen. Aber auch dieser Teil ist überschaubar und so heißt es kurz darauf wieder auf der Margaretenstraße an den ganzen Häusern mit privaten Flusszugang vorbei zu laufen – da ändert auch die Mini-Wiese am Wasser beim Alten Wirt wenig am fehlenden Flussfeeling.

Immer weiter auf der Margartenstraße erreichen wir Planegg. Hier lässt sich immerhin ein Blick auf die Würm und den Schlosspark Planegg auf der gegenüberliegenden Seite erhaschen. Leider ist er gesperrt, bleibt also nur weiterhin auf der Straße – jetzt die Bräuhausstraße – zu laufen bis wir die Germeringer Straße erreichen. Hier wechseln wir auf die andere Uferseite hinüber und können nun das erste Mal seit Stockdorf wieder am Würmufer entlang gehen. Einziges Manko: Der Weg ist neben der Pasinger Straße – die Hauptverbindungstraße zwischen den Gemeinden im Würmtal. Also leider auch nicht wirklich idyllisch. Schade, dass die Aufenthaltsqualität am Fluss bei der Bebauungsplanung offensichtlich keine Rolle gespielt hat.

Erst einen weiteren Kilometer später, mittlerweile im Gräfelfinger Gemeindegebiet, wird es etwas besser. Wir können auf einem eigenen Weg an einer kleinen Straße, nun wieder auf der westlichen Uferseite, neben dem Wasserlauf spazieren. An Tennisplätzen vorbei geht es zu einer weiteren Mühlanlage, die allerdings deutlich größer und mit eigenem Kanal als jene in Gauting ist. Dieses kleine Wasserkraftwerk ist auch noch in Betrieb und so geht es auf kleinen Metallstegen über die Wehranlagen wieder auf die große Pasinger Straße. Eine weitere Brücke später sind wir wieder auf der Westseite und laufen auf einem asphaltierten Weg in Richtung Lochham.

Entspanntes Tourende im Pasinger Stadtpark

Wenige Minuten später wird es zum Glück wieder deutlich entspannter. Der Weg mündet auf dem Kirchweg, der uns in einen kleinen Park an der Würm führt; so kann man Gemeindebebauung auch gestalten. Wir kommen an einem Jugendhaus vorbei – ebenfalls mit einem kleinen Schau-Mühlrad -, queren die Lochhamer Straße und erreichen dann die Brücke über die Autobahn (A96). Auf der anderen Seite wartet schon der Paul-Diehl-Park, der sich dann im Pasinger Stadtpark fortsetzt.

Nur 5 Minuten hinter der Autobahn wird es gleich deutlich leiser: das Zirpen und Zwitschern der Vögel ist nun wieder hören. Zugleich merken wir, wie die innere Anspannung gleich um 5 Grade nachlässt und wir langsamer werden. Hier fühlen sich scheinbar auch Bieber wohl, wie die eingezäunten Bäume vermuten lassen.

Würmlauf im Stadtpark Pasing
Kurz hinter Lochham fließt die Würm wieder durch Grün

Wir setzen unseren Weg fort, jetzt im Grünen lohnen auch wieder kleine Päuschen am Ufer. Kurze Zeit später wird ein Teil der Würm in einen Kanal abgeleitet, ein Überbleibsel der damaligen Papierfabrik, die im heutigen Stadtpark stand und für die Verarbeitung enorme Energiemengen und Wasser benötigte. Das Gebäude wurde abgebaut, der Kanal blieb. Wir bleiben trotzdem am ursprünglichen Flusslauf, der kurz nach dieser Wasserableitung einen kleinen See ausgebildet hat:

Im Stadtpark Pasing gibt es neben unzähligen Kanälen auch eine seeähnliche Ausbuchtung
Kleine Seenlandschaft im Stadtpark Pasing

Neben den unzähligen Joggern fühlen sich hier am Würmufer auch Gänse wohl:

Kanadaganse am Würmufer bei Pasing
Kanadagänsen gefällt es auch gut an der Würm

Unsere Tour neigt sich langsam dem Ende, nachdem wir inzwischen Pasinger Stadtgebiet erreicht haben. Ein Grund mehr den Aufenthalt im Stadtpark noch einmal intensiv zu genießen. Langsamen Schrittes geht es neben dem Flüsschen Richtung Pasinger Zentrum. Auch hier reichen die Häuser auf der gegenüberliegenden Seite bis teilweise direkt ans Wasser, auf einem Großteil der Strecke ist aber noch ein kleiner Weg zwischen Grundstück und Flussufer. So finde ich sollte es überall sein.

Wir queren einen kleinen Abflusskanal des Papierkanals, laufen einmal quer durch den Stadtpark mit seinen Wiesen und kleinen Baumgrüppchen. Vorbei geht es an der Rückseite des Krankenhauses und nach 20 Minuten gemütlichen Spazierens durch den Stadtpark, wo der recht schmale Nymphenburger Schlosskanal abzweigt, erreichen wir schlussendlich den Pasinger Bahnhof mit seinen unzähligen Neubauten. Gestärkt durch diesen letzten naturnahen Teilabschnitt bringt uns das hektische Treiben hier nicht aus der Ruhe und wir können entspannt in die Stadt zurückfahren und den kleinen Flussausflug Revue passieren lassen.

In diesem Sinne

Die Würm, Namensgeberin für eine Eiszeit, ein Siedlungsgebiet und ursprünglich auch einen See hatte ich lange nicht auf diesem Blog als Ausflugsziel. Dabei ist sie neben der Isar der zweitgrößte Münchner Fluss. Heute findet Ihr den ersten Teil einer kleinen Reihe von Ausflügen an die Würm, der Euch von Gauting einmal durchs Würmtal nach Pasing führt. Gibt es am Anfang noch viel Natur und schöne Ruheorte mit direktem Wasserzugang, folgt im mittleren Abschnitt durch die wohlhabenden Gemeinden des Würmtals leider eine Betonwüste mit Wasserzugang nur für Grundstücksbesitzer. Zum Glück ändert sich das wieder auf dem letzten Teilabschnitt, der uns durch den Pasinger Stadtpark mit viel Grün und Wasser bis zu unserem Endziel führt. Insgesamt eine schöne Tour, die einen den Kopf frei bekommen lässt und mit 14 km gut schaffbar ist.

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