Zum Isarspitz

Zwischen dem Grau in Grau im Alltag haben sich letzte Woche einige schöne Tage geschlichen. Also habe ich kurzerhand die Gelegenheit beim Schopf gepackt und einen etwas längeren Ausflug in diesem kalten Monat unternommen. Diesmal sollte es an den Isarspitz bei Wolfratshausen gehen und so auch meine Isarerkundung, die ich mir langfristig vorgenommen habe, fortgesetzt werden. Die Abschnitte zwischen Grünwald und Schäftlarn und Schäftlarn nach Wolfratshausen waren letztes Jahr schon dran, heute also der Zusammenfluss zwischen Loisach und Isar und die Pupplinger Au. Weiter geht es auf der Isartour nach Bad Tölz und von dort nach Lenggries.

Routenüberblick

Weil Geretsried leider sehr schlecht an den ÖPNV angeschlossen ist und ich mir das Stück für eine Wanderung bei warmen Wetter aufheben wollte, war bei der heutigen sowohl der Start- als auch der Endpunkt Wolfratshausen. Das macht es aber nicht minder schön. Auf knapp 10 km geht es zunächst an der Loisach zum Zusammenfluss mit der Isar und dann durch die schilfig-waldige Uferumgebung flussaufwärts bis zur Einmündung des Loisach-Kanals bei Waldram. Von dort geht es wieder nordwärts zur S-Bahn-Station, sodass man insgesamt gut 2,5 bis 3 Stunden unterwegs ist:

Am Isarspitz (Download Route)

Wolfratshausen
Wolfratshausen
S-Bahn
10,17 km
2,5 Stunden

Auch hierzu gibt es natürlich wie immer die gewohnte Karte, sodass sich keiner verläuft 🙂


Zur Mündung der Loisach

Mit der S-Bahn geht es 100 Meter über der Isar in vielen Kurven und immer wieder schönem Ausblick bis zum Bahnhof Wolfratshausen. Von dort folgt man dem Weg westlich der Gleise bis zu einer kleinen Unterführung und gelangt so auf den Mühlpointweg, dem man durchgehend folgen kann. Am Ende der Straße zweigt die Isarspitz genannte Straße rechts zum Klärwerk ab und auch dieser Straße folgt man quasi bis zum Ende. Kurz vor der Einfahrt zum Klärwerk ist ein Fußballplatz über den man zum Loisachufer gelangt. Hier zwischen Loisach und Klärwerk ist ein kleiner schöner Trampelpfade und wäre nicht rechter Hand die Anlage würde man sich fast in unberührter Natur fühlen. Zur linken Hand fließt die Loisach träge der Isar entgegen und nach einem kurzen Stück liegt auch die Kläranlage hinter einem und man kann gemütlich laufend den Blick über Wald und Fluss schweifen lassen.

Waldpfad zum Isarspitz

Nur wenig später wird der Weg kleiner und verläuft durch sandigen Untergrund mit den Schilfüberresten vom letzten Jahr. Rechter Hand biegt der Hauptweg ab, ich entschließe mich aber weiter geradeaus auf dem Sackgassen-Weg zu laufen, um bis zum Isarspitz zu gelangen. Und das lohnt sich definitiv:

Von links mündet die Loisach in die Isar

Das Wasser der wilden Isar scheint die träge Loisach förmlich mitzureißen. Auch farblich wirkt die Loisach mit ihrem grünlicheren Ton träger als das kristallklare Wasser der blauen Isar. Man könnte stundenlang einfach hier stehen und dem Wasser beim Fließen zuschauen. Als ich dort war, war außer mir niemand hier, was es ungleich entspannter macht und man fühlt sich angenehm entspannt im Nirgendwo. Bei diesem tollen ungetrübten Rundumblick geht einem förmlich das Herz auf. Der Platz scheint nicht nur mir zu gefallen, überall sieht man Biberspuren und seine Werke:

Mühevolle Kleinarbeit eines Bibers

Weiter nach Süden

Dass ein Biber nur mit seinem Gebiss riesige Bäume fällt ist für mich immer wieder erstaunlich; gerade bei diesem Exemplar, das sicher einen Durchmesser von 70 cm hatte. Einfach eine verrückte Spielart der Natur. Trotz des schönen und entspannenden Anblicks des Fluss-Zusammenlaufs kommt irgendwann der Punkt, weiterzugehen. Also folge ich dem Sackgassen-Weg zurück bis zum Abzweig und laufe dann wieder in den Wald auf kleinen Wegen möglichst nah am Isarlauf. Hier lassen sich immer wieder schöne Blicke auf den Fluss und die darin liegenden Kiesbänke erhaschen. Aber auch die ruhigeren, fast stehenden Nebenarme, die sich durch Schilfgebiete ziehen, geben eine tolle Kulisse ab und wirken dank der Ruhe, die davon ausgeht, selbst beruhigend.

Immer weiter flussaufwärts folge ich den Trampelpfaden, ein Stück auf einem sandigen Schilfabschnitt, dann wieder im Wald. Sowieso ist es hier sehr schön im Wald: wenig los, viele kleine Pfade und moosiger Untergrund. Ideale Bedingungen zum Waldbaden. Nur im Winter ist es natürlich etwas zu kalt, um sich längere Zeit auf den teilweise gefrorenen Boden zu setzen und die Gedanken treiben zu lassen. Auch wenn die Vegetation im Sparmodus, ist die Kulisse dennoch angenehm entspannend. Im Sommer, wenn hier alles im Saft steht ist das Waldgefühl sicher noch intensiver; ich werde auf jeden Fall also noch einmal kommen. So hänge ich meinen Gedanken an die jahreszeitlichen Veränderungen nach und laufe durch den fast ausgestorbenen Wald; nur an der ein oder andere Stelle raschelt es mal oder es gilt einen Ast zu überwinden:

Fast unberührte Waldnatur

Über den Loisachkanal zurück

Nach einiger Zeit erreicht man die Brücke über die Isar bei Puppling und die Floßlände. Wie nicht anders zu erwarten ist es hier laut und viele Fahrzeuge, Radler und Jogger sind unterwegs. Ich laufe unter der Brücke hindurch und auf der anderen Seite wieder am Wasser auf einen kleinen Pfad, um dem Trubel zu entkommen. Das geht leider nicht lange, da die Uferkante vom Wasser weggespült wurde und der Weg im Dickicht endet. Also heißt es auf einem Abzweig auf den Haupt-Radlweg einzubiegen und erst nach weiteren 500 Metern wieder auf kleinere Pfade zu kommen. Dafür geht es hier dann direkt wieder ans Wasser und das Gebiet der Pupplinger Au, in der sich der Flusslauf der Isar immer wieder in neuen Bahnen bewegt und die Kiesbänke mal komplett weg, dann wieder rechts oder links vom Fluss liegen. Dieses Gebiet erstreckt sich vom Isarspitz bis auf die Höhe von Geretsried und sieht immer etwas anders aus. Kurz vor der Einmündung des Loisach-Kanals macht die Isar eine starke hufeisenförmige Kurve:

Blick auf den wilden Flusslauf in der Pupplinger Au

Auf der durch den Fluss aufgeschütteten Kiesbank am inneren Rand des Hufeisens lässt sich zum Abschluss noch einmal super der Augenblick genießen, dem dahinrauschenden Wasser nachblicken, die Ausspülungen am Ufer bewundern, die Geräusche abspeichern; kurzum einfach sein. Durch dieses scheinbare Nichtstun erfährt man eine tiefe Entspannung und Erholung, die ich mir immer versuche so tief wie irgend möglich innerlich zu speichern, um sie dann im Alltag wieder abrufen zu können.

Zurück über einen weiteren Sandweg gelangt man wieder in den Wald und zum nördlichen Ufer des Loisach-Kanals. Diesem folgt man in den Ort hinein und gelangt dann über die Margeritenstraße und ihre Verlängerung, den Moosbauerweg wieder zum Bahnhof Wolfratshausen. Man sollte beachten, dass die S-Bahn nicht alle 20 Minuten fährt, aber in Wolfratshausen gibt es zur Not auch das ein oder andere Café, in der man eine etwaige Wartezeit überbrücken könnte. Zurück mit dem Zug entlang des westlichen Hochufers der Isar kann man noch einmal einen schönen Blick auf dieses schöne Natur-Kleinod werfen bevor es zurück in den Stadttrubel geht.

In diesem Sinne

Nicht nur für den Kreislauf, sondern auch für die Stimmung und den Vitamin D-Bedarf ist es gut jeden schönen Tag in dieser kalten und grauen Jahreszeit zu nutzen. Gerade bei gutem Wetter lässt die Isar ihren ganzen Charme spielen und so bietet diese Tour entlang der Pupplinger Au vom Isarspitz die ideale Kulisse zum Erholen, Durchatmen und Kraft tanken. Also worauf warten, das kleine Naturglück ist nicht weit entfernt!