Auf dem Jubiläumsweg – Teil 1

Es ist soweit! Wie schon angekündigt, werdet Ihr in Zukunft auch Bergtouren unter Draußen tut gut! finden. Denn natürlich tut es auch sehr gut, wenn man sich an einen Bergaufstieg wagt.

Vor kurzem war ich wieder im Allgäu. Hier bin ich schon als kleiner Knirps auf Berge rauf und habe in einem der vielen Bergseen Abkühlung nach den Anstrengungen gefunden. Und so prägt einen die Landschaft unweigerlich, so dass ich immer wieder gerne dorthin fahre, um in die Atmosphäre der Alpen abzutauchen und auch neue Ecken zu entdecken. Bei meinem letzten Besuch habe ich zufällig wieder einen Wegweiser für den Jubiläumsweg gesehen und die Erinnerung an meine damalige Wanderung war wieder da.

Zum Einstieg in die neue Kategorie „Bergwanderung“ passt dieser Höhenweg ideal, durchquert er doch einen großen Teil das Naturschutzgebiets Allgäuer Hochalpen. Zudem lohnt es sich für diese Mehrtageswanderung in diese Region zu reisen, was bei einer Tageswanderung eher weniger sinnvoll ist (außer man wohnt in der Nähe). Meine Wanderung ist zwar nicht aus diesem Jahr, aber so schnell erodieren die Gipfel ja zum Glück auch nicht, als dass jetzt alles anders wäre. Einzig die Beherbergungssituation auf den Hütten dürfte in Folge der Corona-Maßnahmen etwas anders sein.

Routenüberblick


Der Jubiläumsweg verläuft mehr oder weniger konstant auf einer Höhe von 2000 m ü. NN auf den verschiedenen Bergrücken einmal das Hintersteiner (Ostrach-) Tal entlang. Dadurch gibt es auch immer wieder Möglichkeiten bei Bedarf abzusteigen und die Tour vorzeitig zu beenden. Ich habe den Jubiläumsweg bei meiner Wanderung etwas abgewandelt, da ich vom Kleinwalsertal auf einer Höhe bis in das Tannheimer Tal laufen wollte. So habe ich am Ende 4 Tage mit 3 Übernachtungen für diese äußerst schöne Bergtour gebraucht. Hier noch einmal die die „Hard-Facts“ dieser Tetralogie auf einen Blick.

Gesamtüberblick Jubiläumsweg
StartBahnhof Oberstdorf
EndeBusbahnhof Oberjoch
Gesamtlänge46,36 km
Dauer4 Tage
zurückgelegte
Höhendifferenz
9145 m

Und jetzt noch ein paar Hinweise:

  • Die Allgäuer Hochalpen sind ein Naturschutzgebiet: Zelten ist verboten und das wird auch kontrolliert
  • Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind unbedingt nötig. Zwar ist die Tour nicht schwierig im eigentlichen Sinne, aber es gibt immer wieder geröllige und steile Kamm-Abschnitte
  • Auf dem Höhenkamm gibt es zwischen den Übernachtungshütten keine Einkehrmöglichkeiten. Also genügend Proviant und vor allem Wasser einpacken

Und hier kann man sich das Ganze anschauen:

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Tag 1
Tag 2
Tag 3
Tag 4

Start in Oberstdorf


Als Startpunkt hatte ich mir Oberstdorf ausgesucht. Hierhin kommt man gut mit dem Zug (es gibt sogar eine durchgehende IC-Verbindung aus Hamburg) und kann direkt vom Bahnhof loslaufen. Als Übernachtung habe ich das Edmund-Probst-Haus auf dem Nebelhorn gewählt. Man muss eine DAV-Mitgliedschaft für die Übernachtung abschließen und sollte vor dem Start einen Übernachtungsplatz reservieren. Hier findet Ihr die Fakten und die GPX-Datei zum ersten Tag:

Tag 1 (Download Route)
StartBahnhof Oberstdorf
EndeEdmund-Probst-Haus
Länge7,83 km
Dauer4 – 4,5 Stunden
Aufstieg1153 Hm
Abstieg43 Hm

Wie man sieht, besteht der erste Tag quasi nur aus Aufstieg auf die knapp 1900 m ü. NN, auf denen das Edmund-Probst-Haus liegt. Je nachdem wann man in Oberstdorf ankommt, kann man diesen Teil auch wunderbar noch am Nachmittag beginnen und ist dann pünktlich zum Abendessen auf der Hütte. Die für die Region typische Innenstadt Oberstdorfs sollte man sich je nach Anreisezeitpunkt auf jeden Fall noch anschauen. Faule können sich den Anstieg auch sparen und mit der Nebelhornbahn bis vor die Haustür des Edmund-Probst-Hauses fahren.

Vom Hauptbahnhof kommend hält man sich in südöstlicher Richtung immer den Schildern zur Skisprung-Anlage nach. An dem riesigen Komplex angekommen, führt eine Straße an der Tribüne vorbei zum Faltenbach. Hier zweigt der kleine Tobelweg ab, den ich jedem nur ans Herz legen kann. Für alle, die mit dem Begriff „Tobel“, manchmal auch „Dobel“, nichts anfangen können: Dies ist eine Besonderheit des Allgäus und bezeichnet eine enge – meist bewaldete – Schlucht entlang eines Baches. Und der kleine Faltenbach hat tatsächlich einige Arbeit geleistet und eine schöne Schlucht geschaffen. An dieser Schlucht läuft der kleine Pfad stetig bergan, quert den Bach zweimal und bietet immer wieder eine schöne Aussicht. Neben dem Plätschern des Wassers hört man immer wieder das typische Surren der Seilbahn.

Die vielen anderen Wanderbegeisterten stören nicht so sehr, vor allem weil ein Großteil bergab ging, als ich nachmittags den Aufstieg begann. Generell ist hier natürlich auch wegen der Seilbahn mehr los als in den kommenden Tagen, an denen es es dann deutlich einsamer wurde. Der Weg verlässt den Bach, quert die Versorgungsstraße und nach ca. 1,5 Stunden und 400 Höhenmetern erreicht man die Seealpe – die Mittelstation der Nebelhornbahn. Hier ist noch einmal unglaublich viel mehr los, da einige nur mit der Seilbahn hierher gefahren sind, einkehren und einen kleinen Spaziergang auf dem Rundwanderweg machen. Dennoch setze ich mich in den Biergarten, hole mir einen Obazda (bayerische Käsespezialität) und eine Breze und genieße das Gefühl, unterwegs zu sein.

Weiter ab der Seealpe


Nach einer ausgedehnten Brotzeit und frischen Wasserreserven starte ich zum eigentlichen Aufstieg 😉 Ja richtig gelesen, ich dachte auch, dass die Seealpe auf halber Strecke liegt, aber sie liegt „nur“ 450 Höhenmeter höher als Oberstdorf, es sind aber insgesamt 1150 Höhenmeter zu bewältigen. Hinter der Mittelstation geht es weiter, leider nun auf einem Versorgungsweg und keinem Trampelpfad. Den Faltenbach rechterhand lasse ich den Teich, dessen Wasser im Winter für die Beschneiung genutzt wird, hinter mir und wandere bei vollem Sonnenschein stetig bergauf. Das ist ziemlich schweißtreibend und dass die Gondel immer wieder an einem vorbeifährt, macht es nicht viel besser. Wenn wenigstens der Weg im Wald und auf einem Pfad laufen würde, dann wäre es deutlich angenehmer.

Hinter der Hofhütte Seealpe lege ich wieder eine kleine Pause ein und genieße den Ausblick. Einfach nur schön:

Nun folgt der Anstieg in Serpentinen. Mir folgt so gut wie niemand, dafür kommen mir nach wie vor einige Wanderer entgegen. In einer Schneise, die im Winter auch als Skipiste genutzt wird, schlängelt sich der Versorgungsweg den Berg hinauf, unterquert wieder einmal die Seilbahn und danach einen der Sessellifte, die nur im Winter genutzt werden. Die Bergstation im Blick erreicht man nach weiteren 200 Höhenmetern das Edmund-Probst-Haus. Wer noch nicht genug hat und gutes Wetter hat, kann noch einen Aufstieg zum Nebelhorn wagen. Ich beschloss es aber gut sein zu lassen, da es auch schon dunkler wurde. Zufällig hatte ich einen Tag erwischt, bei dem auf der Terrasse der Seilbahn-Station ein klassisches Konzert gegeben wurde. Und so kann ich nach dem Abendessen vom Edmung-Probst-Haus dem Sonnenuntergang untermalt von schönen Klängen zuschauen und meinen Gedanken nachhängen. Die Kulisse rundherum ist ausgesprochen schön und macht richtig Lust auf die kommenden Tage. Ein super Ausklang nach einem schönen Bergtag.

Und zum Abschluss noch etwas fürs Bergsteiger-Herz; ein Panorama-Bild:

In diesem Sinne: Draußen tut auch in den Bergen gut! Deswegen gibt es jetzt auch die Kategorie „Bergwanderung“ und hier die erste Tour als Teil meiner Tetralogie zum abgewandelten Jubiläumsweg. Vom öffentlich gut erreichbaren Startpunkt Oberstdorf führt die Tagestour stetig bergauf zur Bergstation des Nebelhorns und schließt mit einem tollen Blick auf die umgebenden Berggipfel. Ein super Einstieg in die Mehrtagestour. Fortsetzung folgt…

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