Waldfriedhof & Südpark

Heute folgt der vorläufige Abschluss meiner Mini-Serie zu kurzen Stadtspaziergängen in und um die Münchner Friedhöfe. Nach dem Ausflug an den Ostfriedhof mit Isarabstecher, dem Westfriedhof inkl. Besuch des Olympiaparks sowie dem Nordfriedhof und Englischem Garten geht es heute in den urigsten und parkähnlichsten Friedhof – den Waldfriedhof. Auch heute soll die Tour nicht ausschließlich aus einem andächtigen Spaziergang über den Friedhof bestehen, sondern gleichzeitig noch der angrenzende Südpark besichtigt werden. Summa summarum ergibt das einen schön ausgewogenen Kurzausflug zum Abschalten zwischendurch.

Inhalt

Der Waldfriedhof ist wie der Name schon sagt mit reichlich Bäumen gesegnet und im Vergleich zu den anderen Friedhöfen flächenmäßig mindestens doppelt wenn nicht sogar dreimal so groß. Dennoch soll auch heute mit dem Südpark noch eine andere Grünfläche in München erkundet werden. Insgesamt ist die Tour mit 8,84 km ideal für ein Erholgspäuschen vom häufig allzu grauen Stadtalltag. Wem das allerdings noch nicht genug ist, der kann die heutige Tour auch in umgedrehter Richtung gehen und am Ende noch einen längeren Abstecher im Forstenrieder Park einbauen und dort ein paar Rehe bestaunen (siehe auch mein Beitrag zum Forstenrieder Rehgehege). In Richtung Süden sind dem Walderlebnis einige Kilometer keine Grenzen gesetzt.

Routenüberblick

Los soll es heute an der U-Bahnstation Baslerstraße in Fürstenried gehen. Der Weg führt uns in großem Bogen in den Waldfriehof und in nordöstlicher Richtung nach Sendling. Dort geht es durch den kleinen aber feinen Südpark, um dann an der U-Bahnstation derselben U-Bahnlinie 3 an der Aidenbachstraße wieder zu enden. Mit knapp 9 km ist die Tour heute auch etwas länger als die anderen Friedhofstouren, was zum Großteil einfach an dem ebenfalls deutlich größeren Waldfriedhof liegt. Dementsprechend sollte man allerdings mit gut 2,5 Stunden auch etwas mehr Zeit für den Ausflug einplanen. Hier sind noch einmal die Kurzfakten

Waldfriedhof (Download Route)

Routen-EndpunkteBaslerstraße
Aidenbachstraße
Routen ÖPNV-AnschlussU-Bahn
Routenlänge8,84 km
Routendauer2 - 2,5 Stunden

und die Karte darf natürlich auch nicht fehlen

Von der ruhigen Wohngegend in den idyllischen Waldfriedhof

Ausgestiegen an der Basler Straße landet man in einer absolut ruhigen Wohngegend, was sicherlich auch an der Tatsache liegt, dass die Züricher Straße eine Sackgasse ist und die Baslerstraße Teil eines Rundbogens um die verschiedenen kleineren Wohnblöcke ist. Wir halten uns nördlich und unterqueren die Autobahn – die uns später noch einmal begegnen wird. Auf der anderen Seite angekommen geht es im kleinen Zickzack durch die Sportanlage und am Fürstenrieder Schloss vorbei direkt in den Waldfriedhof.

Zunächst halten wir uns auf dem Hauptweg weiter nordwärts und werden auch gleich schon von einer kleinen Gänsefamilie auf Spaziergang begrüßt.

Kanadagänse mit Nachwuchs im Waldfriedhof München
Familie Kanadagans macht einen Spaziergang mit dem Nachwuchs

Der Vater passt auf, dass den Kleinen nichts passiert und wenn man zu nah kommt, wird man erst angezischt und sonst gezwickt.

Kleine Kanadagansküken beim Ausflug mit den Eltern.
Streng bewacht von den Eltern dürfen die Küken fressen

Auf der Wiese dahinter summt und brummt es in dem kleinen Bienenstand. Wie bei den anderen Friedhöfen auch, fühlen sich die Tierchen in diesen Naturinseln sehr wohl und so ist es alles andere als ruhig. Das ist schon einmal ein schöner Einstieg in die Tour. Wenige Meter später ist dann auch schon die Aussegnungshalle und der kleine Friedhofsteich erreicht. Die Aussegnungshalle ist relativ klein und sehr modern; ganz anders als ihre Pendants in den anderen Stadtteilen. Schließlich steht in diesem Friedhof ja auch die Natur im Vordergrund und so gibt es direkt vor der Halle einen schönen kleinen See.

Ein kleiner See im Münchner Waldfriedhof gibt dem ohnehin schon entspannenden Ambiente das i-Tüpfelchen
Der kleine See im südöstlichen Teil des Waldfriedhofs vervollständigt die entspannende Naturkulisse

Waldspaziergang im Waldfriedhof bis an die Stadtbezirksgrenze

Nach den paar Hundert Metern bisher sind wir nun sozusagen eingelaufen und können den Wald-Spaziergang in vollen Zügen genießen. Das wichtigste daran ist sich Zeit zu nehmen, das Tempo drosseln und sich häufig auf den Bodenoder eine Bank zu setzen und einfach nur Innezuhalten. Das Tempo drosselt man automatisch, sobald man in einer so ruhigen Umgebung wie dieser angelangt ist; zumindest geht es mir immer so, wenn Stadtlärm und Hektik weg sind.

So starten wir zu unserem Rundweg durch den restlichen Fredhof in nordöstlicher RIchtung und tauchen in das satt schimmernde Grün ein. Ein Geflecht aus kleineren und größeren Wegen durchzieht den Friedhof, allerdings nicht im Schachbrettmuster. Vielmehr wirkt alles natürlicher und geschwungener:

Verschlungene Pfade führen mal breiter mal schmaler durch das Waldidyll des Münchner Waldfriedhofs
Auch die Wegführung im Waldfriedhof wirk nicht so steif wie anderswo

Hier kann jeder frei entscheiden, wie viel und lange er laufen möchte, oder ob er es doch vorzieht, mehr Zeit sitzend und lauschend zu verbringen. Meine kleine Erkundungsroute zieht sich in kleinen Schleifen bis fast ans nördliche Friedhofsende, um dann wieder einen Teil zurück in den Süden zu gehen. So sehe ich möglichst viel vom unterschiedlichen Bewuchs und kann an verschiedenen Stellen rasten, hören und beobachten. Und davon gibt es so einiges; überall zirbt und schnattert es, man hört rascheln und riecht und fühlt andere Pflanzen und Bäume. Und immer wieder zeigen sich einige der vielen Bewohner für einen kurzen Moment, um den Neuankömmling zu begrüßen oder zu beäugen, man weiß es nicht. Wahrscheinlich aber eher Letzters:

Ein Rotkehlchen im Münchner Waldfriedhof zeigt, dass sich auch tierische Mietbewohner über diese Grünoase freuen
Auch tierische Mitbewohner wie das Rotkehlchen freuen sich über die Grünoase Waldfriedhof

Aber nicht nur der Blick nach vorne und nach unten zu den krabbeligen Mitbewohnern lohnt, sondern auch nach oben:

Schöner Blick hoch zu den Baumkronen im Münchner Waldfriedhof
Der Blick in die unterschiedlichen Baumkronen entspannt ungemein

Wenn dann noch eine kleine Brise geht und die alten Bäume langsam im Wind wiegen, entspannt das ungemeint, auch wenn man sich doch sehr klein und ein wenig demütig vorkommt. Würden nicht ab und an ein paar Gräber zwischen den Baumzeilen stehen, man würde nicht vermuten sich in einem Friedhof zu befinden.

Gräber im Münchner Waldfriedhof zwischen Baumreihen
Die Gräber sind im Gegensatz zu den anderen Münchner Friedhöfen viel mehr in die Naturumgebung eingebettet.

Einziger Wermutstropfen bleibt gerade im östlichen Teil des Friedhofs das Hintergrundrauschen der Autobahn, die direkt daneben verläuft. Genau diese müssen wir allerdings unterqueren und leider – wie allzu oft – hat man im Autobahn-Bauwahn vergessen, dass es auch Verkehrsteilnehmer ohne Auto gibt, die nicht nur alle 3 km queren können wollen. So bleibt die Unterquerung am Anfang oder jene kurz vor dem Kreuz mit der Fürstenrieder Straße (Kreuzhof).

Weiter in den Südpark und an den Endpuntk Aidenbachstraße

Nach dem ausgiebigen Waldbad treffen wir uns dort also wieder und bekommen gleich das komplette Kontrastprogramm geboten. Lärm, Gestank und Beton wohin man guckt. Der Fußgängerweg unterquert die Autobahn um auf der anderen Seite in einem kleinen Weg an 5 Alibi-Bäumen vorbei neben den Auffahrten und schließlich über eine Betonbrücke auf die nördliche Seite geführt zu werden. Autobahn-Verkehrsplaner konnten sich hier austoben und jeweils 2 Fahrspuren + je Fahrtrichtung eine Auf- und Abfahrt in die Landschaft asphaltieren, sicher an die 0,1 km² Flächenversiegelung.

Wir gehen schnell weiter und gelangen in den Südpark. Das im Vergleich zum Waldfriedhof deutlich kleinere Areal weiß ebenfalls zu begeistern und mit einiger Entfernung von den beiden Straßen steht man auch schon wieder mitten zwischen Bäumen. Der Park hat eine kleine Senke Richtung Osten und wirkt im Vergleich zum Ostpark nicht künstlich angelegt, sondern über die Jahre gewachsen.

Im Münchner Südpark stehen noch viele alte knorrige Bäume
Die Bäume im Südpark wirken sehr alt und die ganze Kulisse im Gegensatz zu anderen Parks nicht gemacht.

So kann man sich auch in den zum Glück nicht asphaltierten Wegen geradezu in die üppige Vegetation stürzen und hat doch für kurze Momente den Eindruck weit weg von einer Großstadt zu sein.

Im Münchner Südpark sind manche Waldwege noch sehr naturnah und überwuchert
Die Waldwege im Südpark gleichen einer Gasse durch die Vegetation

Doch leider ist das Gelände dann doch nicht groß genug dafür, dass man sich tatsächlich verirren könnte, sodass nach einer guten halben Stunde das Gebiet großteils durchschritten ist. Nach dem ausführlichen Waldbad im Friedhof ist das aber auch nicht schlimm. Wieder vollkommen entspannt nach der kurzen Anti-Entspannung am Autobahnkreuz laufen wir jetzt noch in das kurze Grünstückchen östlich der Inninger Straße und biegen dann auf den Surheimer Weg nach Süden ab. An einer weiteren Sportanlage und über eine Wiese führt uns dieser kleine Weg langsam wieder in das normale Stadtbild zurück.

Am Ende folgt noch ein kurzer Abschnitt vorbei an mehreren Wohngebäuden bis die Boschetsrieder Straße erreicht ist. Hier liegen noch die Schienen einer früheren Straßenbahn, die vielleicht in Zukunft durch die Münchner Westtangente wiederbelebt wird – zumindest wenn die Pläne der Stadt Realität werden. Wir queren die große Ein- und Ausfallstraße und steigen erholt nach dem mehrstündigen Waldaufenthalt in die U-Bahn.

In diesem Sinne

Mit dem Waldfriedhof gibt es nun die waldreichste Route der Mini-Serie zu den Münchner Friedhöfen. Die Natur ist gerade im Sommer besonders bezaubernd, wenn die vielen kleinen Tierchen emsig unterwegs sind, die Bäume in voller Grünpracht strahlen und je nach Einfallswinkel der Sonne ein schönes Farbenspiel geben. Dazu kommt die Ruhe und vergleichsweise wenigen Besucher, die sich in dem riesigen Areal gut verteilen. Zusammen mit dem angrenzenden Südpark ergibt sich so eine kurze aber sehr feine Tour, um die Akkus ohne große Anreise auftanken zu können und einen anderen Blick auf die Welt zu bekommen.

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