Über den Gaisalptobel zur Gaisalpe

Und weiter geht es auf den Allgäuer Tobeltouren. Wenn man schon einmal in der Region ist, lohnt es sich auch so viele der kleinen Wasserläufe mit Schlucht zu erkunden, wie möglich. Ihr habt bestimmt schon bemerkt, dass ich mich hier im Illertal mehr oder weniger von Norden nach Süden vorarbeite. Erst die Starzlachklamm, dann der Leybachtobel, neulich der Eybachtobel und jetzt folgt also der Gaisalptobel wieder ein paar Kilometer südlich. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel 🙂 und so waren Breitachklamm und der Faltenbachtobel als Teil meiner Höhenwanderung auf dem Jubiläumsweg schon früher auf dem Blog vertreten, weil sie auch deutlich bekannter und vor allem mit den Öffentlichen leichter erreichbar sind.

Inhalt

Der Gaisalptobel ist vor allem bekannt als Teil des Aufstiegs auf das Rubihorn von der Nordwest-Seite kommend. Für uns steht heute aber keine Bergtour auf knapp 2000 Meter ü. NN an, sondern eine entspannte Spazier-Bergrunde durch den Tobel bis zur Gaisalpe und wieder zurück. Um den Spaziergang ein wenig auszudehnen, starten wir von Langenwand. Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass die Anreise mit dem Zug anstatt dem Bus deutlich einfacher ist. Nun aber genug der Vorrede, auf in die Schlucht!

Routenüberblick

Startpunkt ist der Bahnhalt Langenwang kurz vor Oberstdorf, der entspannt mit dem Regionalzug erreicht werden kann. Von dort geht es zum kleinen Ort Rubi, über den Wiesenweg nach Reichenbach und dem Gaisalpbach weiter folgend in den Tobel. Diesen wandern wir entlang, bis die urige Gaisalpe erreicht ist und steigen dann in einem Bogen wieder bergab nach Rubi und Langenwang. Insgesamt ist die Tour mit knapp 9 km Länge und ca. 500 Höhenmetern Differenz genau richtig für einen sportlichen Spaziergang in der Bergregion. Zeitlich sollte man gut 3 Stunden dafür einplanen.

Gaisalptobel (Download Route)

Routen-EndpunkteLangenwang
Routen ÖPNV-AnschlussRegionalbahn
Routenlänge8,86 km
Routendauer2,5 - 3 Stunden
Routen-Höhendifferenz⬈ 485 Hm
⬊ 485 Hm

und so sieht das Ganze auf der Karte aus

Von Langenwang über Rubi zum Gaisalptobel

Angekommen mit dem Regionalzug landen wir in Langenwang auf dem kleinen Bahnsteig mitten in traumhafter Bergkulisse. Links und rechts ragen die Berge auf und im Sommer sorgen die saftig grün leuchtende Wiesen für quasi sofortige innere Erholung. Zumindest geht es mir immer so beim Aussteigen in dieser Region, dass ich mich sofort leichter und entspannter fühle.

Mit diesem Grundgefühl halten wir uns auf der kleinen Straße in Richtung Rubi und queren nach wenigen Hundert Metern die Iller. Am Ende der Brücke mündet der Gaisalpbach in den Fluss, sodass wir sozusagen heute von der Mündung des Tobelbachs in die Iller unsere Tobeltour starten. Durch Rubi geht es in wenigen Minuten und nach der Querung der Staatsstraße weiter östlich aus dem Dorf hinaus. Zunächst auf dem Riedweg, später auf dem Wiesenweg halten wir uns nördlich in Richtung Reichenbach.

Nach ca. 1 Kilometer Strecke über Felder schließt der Gaisalpbach wieder an unseren Weg an und so können wir uns fortan nach diesem statt irgendwelchen Schildern richten. Wir folgen dem Bach weiter nach Norden bis dieser in einem hufeisenförmigen Knick nach Osten abknickt und wir auch schon am Anfang vom Tobel stehen.

Die Forst- und Versorgungsstraße zur Alpe führt anfangs noch direkt neben dem Bachlauf und Infotafeln informieren über die vorgenommenen Eingriffe zum Schutz vor Hochwasser, die man dann auch sogleich in natura bestaunen darf: Hässliche Betonwehre:

Der Einstieg in die Kurzwanderung durch den Gaisalptobel zeigt deutlich die Veränderung durch den Menschen
Der Gaisalptobel wurde zur Vermeidung von Sturzfluten mit Betonwehren verschandelt

Wie immer ist das Problem nicht der Fluss, sondern Häuser die zu nah daran gebaut wurden, sodass die natürlichen Flutungsbereiche nicht mehr existieren. Aber nun stehen die Häuser und der Bach muss gebändigt werden.

Linker Hand tut sich dann ein größerer Kiesweg auf, der weg von der Versorgungsstraße und direkt neben dem Bach bergan führt. Ist die Schlucht anfangs noch sehr breit und vom Mensch geordnet, ändert sich das glücklicherweise peu a peu mit jedem weiteren Höhenmeter. Nach ca. der Hälfte der Strecke fühlt man sich dann auch wirklich in einem Tobel angekommen: Kleiner Bachlauf, Steine und Baumstämme überall verteilt und ein kleiner Weg, der sich daneben entlang windet. Et voilá:

Gemütlicher Fußweg neben dem Gaisalpbach

Der Weg neben dem Gaisalpbach lädt zum genußvollen Wandern ein

wie aus dem Tobel-Bilderbuch.

Weiterer Aufstieg im urigen Tobelteil bis zur Gaisalpe und Rückweg

Wer es noch nicht bereits getan hat, wird in diesem Bereich unweigerlich langsamer. Nicht nur weil es bergauf geht :), sondern auch weil es sich einfach lohnt, diese schöne Kulisse in sich aufzunehmen und zu genießen. Die Geräusche – das Knacken, Rascheln und Plätschern – genauso wie der farbenprächtige Anblick und wer möchte natürlich auch die Haptik all der verstreut liegenden Gegenstände. Alles super Entspannungsquellen und daher umso besser, je länger und vor allem langsam erkundend man sich darin aufhält. Also Pausen machen unbedingt empfohlen!

Der Weg nimmt im weiteren Verlauf deutlich an Steigung zu, sodass auch der Bewegungsapparat und nicht nur die Psyche mit positiven Reizen gefordert wird. Es geht dann über einen kleinen Brückensteg auf die andere Seite, wo einen ein kleines Wasserkraftwerk (alles in einem Betonverbau) erwartet. Ich denke, es ist für die Alpe. Das Fallrohr und dieser Betonbau stören ein wenig das naturverwöhnte Auge. Dafür geht es im weiteren Verlauf deutlich sportlicher zu, was das wieder kompensiert.

Ab hier erfolgt der weitere Aufstieg nur noch über Metalltreppen und dabei geht es auch an einem kleinen Wasserfall vorbei. Sehr schön:

Im oberen Bereich des Gaisalptobels führen Metalltreppen durch die urige Landschaft
Im oberen Tobelbereich geht es nur auf Metalltreppen weiter

Einige Dutzend Metall- und am Ende auch Erdstufen später mündet der Tobelweg wieder auf die Versorgungsstraße. Dieser folgen wir in einer langgezogenden Serpentine hinauf zur Gaisalphütte. Auf den steilen Wiesen wird gerade Heu gemäht und noch manuell gewendet – die Hänge sind zu steil für Maschinen. Das ist eine Mordsarbeit, die Alpenwirtsfamilie sieht aber nicht unglücklich darüber aus.

Nach wenigen Metern ist die urige Gaisalphütte erreicht, die auch eine gemütliche Brotzeit anbietet – sofern man seine eigene nicht dabei hat.

Die Gaisalpe bezaubert mit klassischer bayerischer Holzhausoptik
Die Gaisalpe bezaubert mit klassischer bayerischer Holzhausoptik

Der Ausblick kann sich auch sehen lassen:

Ausblick von der Gaisalpe auf das Rubihorn
Das Rubihorn zeigt sich in voller Pracht

Nicht viele können von sich behaupten, mit so einem Ausblick zu wohnen :). Von hier startet dann der eigentliche Bergwanderweg, der sich neben dem Wasserfall (ganz links im Bild) die kleine Einschneidung im Massiv hochwindet und oben am Gaisalpsee anlangt. Dort oben verlaufen dann die Wandersteige zum Rubihorn, Nebelhorn oder auch zum Entschenkopf.

Wir lassen es ruhig angehen, genießen die Ruhe und Sicht hier oben und machen dann noch einen kleinen Rundweg auf diesem Höhenplateau bevor es wieder bergab gen Rubi gehen soll. Dazu folgen wir der Versorgungsstraße in steilen Kurven bergab – zum Glück ist hier wenig Verkehr – und gelangen dann nach der Querung des Weiderosts auf die Rubiger Alpe. Hier begrüßen uns die Kühe mit aufgeregtem Muhen und glotzen uns ungläubig hinterher, als wir weiterlaufen und den eingezäunten Bereich wieder verlassen. Jedes Mal frage ich mich, warum sich diese Hunderte von Kilo schweren Tiere von einem kleinen Drähtchen mit unangenehmer, aber nicht tödlicher Spannung abhalten lassen, zu türmen…

Im Zickzack geht es bergab und nur wenig später ist wieder der Wiesenweg vom Anfang erreicht. Hier halten wir uns in linker Richtung und gelangen so zurück nach Rubi und weiter nach Langenwang. Durch den Abstieg und den langgezogenen Rückweg über die Wiesen gibt es zum Abschied noch einmal weite Ausblicke vor schöner Kulisse mit wenig körperlicher Anstrengung. Damit dürft die Erholung dieser kleinen Berg-Ausflugstour auch noch im Zug und am Folgetag anhalten, so war es zumindest bei mir.

In diesem Sinne

Erwartet man zunächst von diesem kleinen Bächlein und dem zu betonierten und plattgewalzten Tobelanfang nicht allzu viel, wird man im weiteren Verlauf dann aber doch positiv überrascht. Je höher man wandert, desto enger wird der Tobel, der Weg steiler und zum kleinen Trampelpfad. Dabei geht es durch eine ruhige farbenprächtige und abwechslungsreiche Landschaft. Oben angekommen gibt es noch einen super Ausblick auf die nahegelegenen Gipfel um das Rubihorn. Erholung pur, was will man mehr?

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